Mit Hochdruck führt die Soko "Main" die Ermittlungen zum Messerangriff von Würzburg. Das betonten diese Woche die Generalstaatsanwaltschaft München und das Landeskriminalamt (LKA). "Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Motiv des Beschuldigten." Dabei sollen auch Islamwissenschaftler klären, "ob und inwieweit religiöse Überzeugungen des Beschuldigten bei der Tat eine Rolle gespielt haben könnten". Noch sind allerdings viele Fragen offen. Ein Überblick über den aktuellen Stand.
Inzwischen wurden alle fünf Opfer, die schwer verletzt waren, aus dem Krankenhaus entlassen. Das teilte das Polizeipräsidium Unterfranken am Donnerstag auf Anfrage mit. Zuletzt verließ eine 39-Jährige die Klinik. Sie befindet sich nun in einer Reha-Einrichtung. Schon vor zwei Wochen konnten das elfjährige Mädchen, der 16-jährige Junge, die 52-jährige Frau und die 73-jährige Seniorin das Krankenhaus verlassen. Bei dem Messerangriff starben drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren. Neben den fünf Schwerverletzten wurden vier Personen leicht verletzt: eine 26-Jährige und drei Männer im Alter von 38, 52 und 57 Jahren.
Unterdessen betreut auch die Soko "Main" gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Opfer, Angehörige und weitere Betroffene. So gab es bereits zwei Informationsveranstaltungen in Würzburg für Verletzte und deren Angehörige, Zeuginnen und Zeugen und andere von der Tat Betroffene, insbesondere aus dem Kaufhaus, in dem die Frauen getötet wurden. Dabei sei über den aktuellen Ermittlungsstand informiert und Kontakt zu Fachkräften hergestellt worden, "die bei der Verarbeitung des Erlebten helfen können".
Nein. Selbst mit seinem Anwalt sprach er bislang nicht: "Er starrt nur schweigend durch die Glasscheibe auf einen imaginären Punkt hinter mir", sagte Pflichtverteidiger Hanjo Schrepfer gegenüber dieser Redaktion.
Nachdem der 24-Jährige gut drei Wochen in einem Gefängnis saß, ordnete das Amtsgericht Würzburg auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft München eine einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Die Verlegung erfolgte am 20. Juli. Nach Informationen dieser Redaktion handelt es sich um eine Klinik außerhalb Unterfrankens.
Das muss noch geklärt werden. Bisherige Versuche, ihn psychiatrisch zu begutachten, scheiterten offenbar, da der Somalier abwesend wirkt und schweigt. Nun wurden laut den Ermittlungsbehörden "zwei renommierte Sachverständige beauftragt", ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen. Das wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Aktuell gehen die Behörden davon aus, dass der Täter "zur Tatzeit möglicherweise schuldunfähig war", worauf auch Informationen über seinen psychischen Zustand hindeuten.
Seit seiner Ankunft in Deutschland 2015 war er insgesamt fünfmal in einer Psychiatrie: Zunächst 2019 in Chemnitz, dann ab Ende 2019 viermal im Zentrum für Seelische Gesundheit (ZSG) in Würzburg, zuletzt zehn Tage vor der Tat. Dabei wurde nach Recherchen dieser Redaktion unter anderem eine "drogeninduzierte psychische Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch" festgestellt. Demnach soll er sowohl die synthetische Droge Crystal Meth als auch das Opioid Heroin konsumiert haben. Immer wieder verhielt er sich in den Monaten vor der Tat aggressiv.
Weitere Recherchen zeigen, dass der Mann auch Stunden vor der Tat einen wirren Eindruck machte: Wie ein Zeuge der Redaktion erzählte, wurde er am Würzburger Stadtrand von dem ihm unbekannten 24-Jährigen angehalten, als er am frühen Morgen des Tattages in seinem Auto unterwegs war. Der Somalier stieg sofort in den Wagen ein – das hatte er schon einige Tage zuvor bei einem 59-Jährigen gemacht, der die Polizei rief, woraufhin der spätere Messerstecher ins ZSG gebracht wurde –, sprach aber nicht. "Er hat nicht reagiert, hat stark gezittert und hat einen hilflosen Eindruck gemacht. Er war wie auf Drogen", sagt der Zeuge. Kurz darauf verließ der Fremde das Auto und lief weg.
Ein klares Nein auf diese Frage gibt es von den Ermittlern bislang noch nicht. Am Tatabend wurde dem Täter eine Blutprobe entnommen. Die toxikologische Untersuchung "brachte keine relevanten Ergebnisse", so Generalstaatsanwaltschaft und LKA in einer Pressemitteilung vom Dienstag. Was bedeutet das? Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft erklärte auf Nachfrage der Redaktion, dass es auf Basis der bisherigen Untersuchungen "keine Anhaltspunkte für eine entsprechende Beeinflussung des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt" gebe. Weitere Analysen – etwa von Haarproben – seien aber noch nicht abgeschlossen.
Die Ermittler führten hier bislang vor allem Zeugenaussagen ins Feld, wonach der 24-Jährige während seiner Tat "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben soll. Nach seiner Festnahme soll er von seinem Beitrag zum "Dschihad", was unter anderem mit "Heiliger Krieg" übersetzt werden kann, gesprochen haben. Darüber hinaus war bei der Polizei Dresden im Januar ein Hinweis eingegangen, wonach der Somalier in seiner Heimat für die Terrormiliz al-Shabaab getötet haben soll. Die Generalbundesanwaltschaft hatte damals allerdings "mangels konkreter Tatsachen" von einem Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung abgesehen. Die Generalstaatsanwaltschaft teilte nun mit, dass der Zeuge erneut befragt worden sei. Die Ermittlungen dazu laufen noch.
Mehrere Experten, etwa der Radikalisierungsforscher Peter Neumann oder der Kriminologe Christian Pfeiffer, zweifeln, dass der Täter der Islamistenszene angehört. Dagegen spricht unter anderem, dass er offenbar kein streng gläubiger Muslim ist: Aus seinem Umfeld war zu hören, dass er nicht zum Gebet in Moscheen ging und den Ramadan nicht hielt; außerdem konsumierte er Alkohol und Drogen.
Des Weiteren ist noch immer kein Bekennervideo oder -schreiben aufgetaucht, wie es nach islamistischen Anschlägen von Terrororganisationen wie dem sogenannten Islamischen Staat (IS) oder El Kaida in der Vergangenheit fast immer publiziert wurde. Nach dem Axt-Anschlag 2016 etwa lag binnen 24 Stunden ein Video des Täters vor. Auch die Resonanz auf die Tat in der Islamistenszene ist überschaubar. Laut Recherchen der Redaktion hat lediglich ein El Kaida nahestehendes Mediennetzwerk namens al-Malahem Electronic Army den Messerangriff begrüßt und zur Nachahmung aufgerufen – allerdings erst mehrere Tage nach der Tat.
Bislang nicht. So erbrachte etwa die Auswertung der Mobiltelefone des Täters weder Hinweise auf Propaganda-Material noch auf Mittäter oder Mitwisser. Am Tag nach der Tat sprachen Ermittler von "Hassschriften", die sie in der Unterkunft des Täters gefunden hatten. Vor allem Boulevardmedien bezeichneten diese Schriftstücke schnell als IS-Material. In der Pressemitteilung der Ermittlungsbehörden von dieser Woche war von den Schriften keine Rede mehr. Auf Nachfrage erklärte die Generalstaatsanwaltschaft: "Bislang liegen keine Hinweise auf Schriftstücke mit extremistischen Inhalten vor."
Aus seiner Zeit in Somalia gibt es kaum gesicherte Erkenntnisse. Medienberichten zufolge haben Ermittler Kontakt zu seiner Mutter und seiner Ehefrau in Somalia aufgenommen. Bei seinem Asylantrag hatte der damals 18-Jährige angegeben, dass er vor der Terrormiliz al-Shabaab geflohen sei. Zwischen 2015 und 2019 lebte er erst in Chemnitz, dann im Erzgebirgskreis, in Düsseldorf, wieder in Chemnitz und schließlich in Würzburg. Hier lebte er in einer Obdachlosenunterkunft der Stadt.
Um den Jahreswechsel 2020/21 war er einige Wochen bei einem Unternehmen in der Region als Hilfsarbeiter beschäftigt. Seit der Somalier in Deutschland lebt, geriet er – soweit bekannt – zweimal in Streit, wobei er zu einem Messer griff: So soll er schon 2015 in einer Asylbewerberunterkunft in Chemnitz einen Mitbewohner bedroht haben. Die Ermittlungen dazu wurden laut Generalstaatsanwaltschaft 2017 eingestellt, da "ein Tatnachweis nicht zu führen war". Im Januar 2021 bedrohte er in der Würzburger Obdachlosenunterkunft, in der er lebte, Mitbewohner und Verwalter mit einem Messer und kam anschließend für einige Tage in die Psychiatrie.
Nur eins vorweg.......
Ich bin überzeugter Sozialdemokrat!
Was ich trotzdem nicht akzeptieren kann, und da sehe ich absolut keinen Widerspruch, ist, dass ein mehrfach durch Gewalt auffälliger Asylbewerber nicht unverzüglich unser Land verlassen muss? Natürlich hat der Täter wahrscheinlich schreckliche Prägungen in seinem bisherigen Leben erfahren müssen, doch dafür ist unsere Bevölkerung nicht primär verantwortlich! Unser Staat hat dafür Sorge zu tragen seine Bevölkerung zu schützen. Und dies hatte er tun müssen, in dem er straffällige Asylbewerber, zum Schutz der eigenen Bevölkerung, sofort ausweist. Dies wiegt für mich schwerer als die Rücksicht auf eine psychische Erkrankung oder Ähnliches des Täters.
Das sind doch klare und von einem "Gast" erwartbare Regeln.
So lange sich hier nichts ändert werden AFD und Co nicht weniger Wähler bekommen........ leider.......
Kein nachweislicher islamischer Hintergrund bedeutet nicht, dass es keinen gibt! Die durch Zeugen belegten Rufe und die glaubhafte Aussage vor der Polizei dürften wohl als Hinweis genügen. Oder haben die sich allesamt verhört?
Immerhin weiss man jetzt, wo der Täter sich all die Jahre aufgehalten hat. In einem der letzten Berichte war selbst das noch unklar.
die Frage, von was der Täter gelebt hat, beschäftigt uns auch in unseren Recherchen.
Leider haben wir hier noch keine offiziell bestätigten Infos. Bis Ende 2020 soll er nach unseren Informationen Sozialleistungen bezogen haben, später hat er zumindest ab und zu gearbeitet. Alles dazu finden Sie hier: www.mainpost.de/10633774
Viele Grüße
Benjamin Stahl