"Als Frau muss man keine Angst haben, zur Feuerwehr zu gehen, im Gegenteil", meint Marion Fries, 1. Kommandantin der Freiwilligen Feuerwehr Ingolstadt. Ihr Vater sei früher Kommandant in dem Giebelstadter Ortsteil gewesen, weshalb es für sie damals nur logisch gewesen sei, der Feuerwehr beizutreten. "In den kleinen Orten gibt es ja nicht viel, was du als Jugendliche machen kannst. Dann bist du froh, wenn es eine Jugendfeuerwehr gibt und du ein bisschen Anschluss findest", sagt Fries.
Marion Fries war 2005 die einzige Frau bei der Feuerwehr in Ingolstadt
Als sie nach ihrer abgeschlossenen Truppmannausbildung 2005 als einzige Frau zur aktiven Feuerwehr kam, sei das für sie kein Problem gewesen. "Bei uns sind alle pflegeleicht und jeder nimmt auf den anderen Rücksicht", meint Fries. "Ich glaube, das ist heutzutage schon normal und die Frauen werden gut involviert." Das zeige sich auch daran, dass immer mehr Frauen höhere Positionen besetzen würden.
An einen etwas gewöhnungsbedürftigen Moment erinnert sie sich allerdings. "Wir hatten mal eine Großübung hier, bei der ich Einsatzleitung war. Jeder hat halt einen männlichen Einsatzleiter gesucht und auf einmal stand da eine Frau. Das waren aber nur die ersten 20 Sekunden, dann war alles normal", erzählt Fries.
Ein Blick auf die Zahlen der Kreisbrandinspektion Landkreis Würzburg zeigt: Die wenigsten der Einsatzkräfte sind weiblich. So beträgt der Anteil an Frauen bei den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Würzburg nur 13 Prozent. Doch warum ist das so? "Ich denke, viele Frauen haben einfach Scheu", vermutet Fries. "Viele haben immer noch den Eindruck, dass nur Männer diese schwere Arbeit machen können, aber Frauen können das auch." Schließlich gebe es auch schwächere Männer. Und wenn eine Kollegin bei einem Einsatz etwas nicht schaffen sollte, könne sie das einfach sagen, so Fries. "Bei uns gibt es immer eine Aufgabe, die gemacht werden muss."
Eine von Fries Kolleginnen ist die 17-jährige Johanna Genauer. Seit einem Jahr ist sie sowohl Mitglied der Ingolstadter als auch der Giebelstadter Feuerwehr, zuvor war sie Teil der Jugendfeuerwehr in Sommerhausen. "Mir hat es gut gefallen, deshalb habe ich mit 16 die Truppmannausbildung gemacht", erzählt sie. "Jetzt bin ich auch auf Einsätzen dabei." Negative Erfahrungen habe sie nie gemacht, sagt Genauer. Stattdessen schätze sie die tollen Teams und den guten Zusammenhalt.
Mehr Frauen als Maßnahme gegen zukünftigen Personalmangel
Frauen für den Dienst bei der Feuerwehr zu begeistern, hält auch Kreisbrandrat Michael Reitzenstein für eine wichtige Aufgabe. "Wenn in den nächsten fünf Jahren die sogenannten 'Babyboomer' ihren Feuerwehrdienst beenden, bricht ein Viertel weg", sagt Reitzenstein. Von unten würden weniger nachkommen. Deshalb sei es umso wichtiger, Quereinsteiger und Frauen für den Feuerwehrdienst zu gewinnen, um die aktuelle Personalstärke halten zu können.
Dafür wurde im März eine Frauenbeauftragte gewählt. Sabrina Eck ist zuständig für die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Würzburg. "Ich denke, es ist für eine angehende Feuerwehrfrau einfacher, sich an eine Frau zu wenden, als zum Beispiel auf mich zuzukommen", meint Reitzenstein. Mit der Wahl der Frauenbeauftragten sei es aber noch längst nicht getan. "Wir dürfen nicht sagen 'Jetzt ist Frau Eck da und wir haben unser Soll getan', sondern wir müssen aktiv auf die Frauen zugehen und ihnen die Augen öffnen, was Feuerwehr ist", betont Reitzenstein.
Welche Aktionen die Frauenbeauftragte Sabrina Eck geplant hat
Ab Herbst plane sie richtig durchzustarten, sagt Eck. Zunächst wolle sie in jedem Bereich eine Ansprechpartnerin schaffen. Der Landkreis ist in vier Inspektionsbereiche aufgeteilt, die wiederum in drei Kreisbrandmeisterbereiche unterteilt sind. "Wir müssen in den einzelnen Bereichen Treffen organisieren, damit ich mich erst einmal vorstellen kann", meint sie. Ein Netzwerk zu schaffen, stehe im Vordergrund. Außerdem plane sie ab dem Frühjahr Aktionen für weibliche Einsatzkräfte - etwa einen Kettensägenkurs, der sich speziell an Frauen richtet.
Sie selbst sei durch ihren Mann zur Feuerwehr gekommen, sagt Eck. "Bei uns in Sonderhofen war es von Anfang an klar, dass es Frauen bei der Feuerwehr gibt." Insgesamt neun Frauen seien sie in der Sonderhöfer Feuerwehr. "Aber ich habe mich mal mit anderen unterhalten und es gibt im Landkreis leider immer noch ein paar Kommandanten, die Frauen bei der Feuerwehr total ablehnen", erzählt sie. Das sei ein "Lichtmoment" für sie gewesen, in dem sie gemerkt habe, dass sie hier etwas bewirken will.
Wichtige Programme zur Vereinbarkeit von Familie und Ehrenamt
"Wir wollen keine Sonderrolle einnehmen, sondern einfach nur erreichen, dass Frauen genau dasselbe zugetraut wird wie Männern", so Eck. "Wir legen die gleichen Lehrgänge und Prüfungen ab." Man müsse interessierten Frauen die Berührungsängste nehmen, indem aktive Feuerwehrfrauen ihre Erfahrungen teilen.
"Ein ganz wichtiges Thema, das mir auch am Herzen liegt, ist, wie man als junge Mutter den Bezug zur Feuerwehr nicht verliert", sagt Eck. Oft kämen Frauen nach einer Babypause nicht zur Feuerwehr zurück. Es möglich zu machen, Mama und gleichzeitig Feuerwehrfrau sein, sei ihr ein wichtiges Anliegen.
"Es gibt bereits Modellprojekte, die Frauen, die tagsüber viele Einsätze haben, eine Betreuung ihrer Kinder für die Dauer des Einsatzes anbieten", meint Reitzenstein. In der Feuerwehrschule gebe es bereits Familienzimmer, damit Lehrgangsteilnehmerinnen mit ihren Kindern kommen können. "Das muss der Weg der Zukunft sein", betont Reitzenstein. "Ohne die Familie wird sich das Ehrenamt sonst irgendwann schwertun."
Lehrgangsteilnehmer können nicht mit ihren Kindern kommen?