
"Die Mundwinkel sind natürlich so", sagt SPD-Kreisvorsitzende Marietta Eder und deutet mit ihren Zeigefingern auf das breite Grinsen in ihrem Gesicht. Es könnte kaum besser laufen im Lager der Sozialdemokraten, gemessen an den jüngsten Umfragewerten. Demnach wäre die SPD stärkste politische Kraft in Deutschland, die Beliebtheitswerte des Kanzlerkandidaten Olaf Scholz sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache.
Sogar im CSU-dominierten Bayern wächst der Zuspruch. Doch wie zuversichtlich ist die Partei wirklich und warum sollte es dieses Mal anders laufen als vor vier Jahren, als der rollende Schulz-Zug am Ende doch noch ausgebremst wurde? Die SPD in Stadt und Landkreis Schweinfurt hat dazu jedenfalls eine klare Meinung.
Eines vorneweg: Wäre Politik ein Glücksspiel und man hätte vor ein paar Monaten auf diesen SPD-Aufschwung gewettet, man wäre damals belächelt worden und heute vermutlich um einiges reicher. Doch Politik ist kein Glücksspiel und trotzdem liegen Frust und Freude oft näher beieinander, als man denkt. "Wir kennen ja beide Seiten", sagt Marietta Eder im Gespräch mit der Redaktion in Bezug auf die Erfahrungen mit der vorausgegangenen Bundestagswahl. Deshalb wolle man nun realistisch bleiben und sich nicht vor dem amtlichen Wahlergebnis am 26. September mit möglichen Koalitionen beschäftigen.

Marietta Eder: "Atmosphäre ist echt positiv"
Aber, und das lässt Eder durchblicken, während sie in der Geschäftsstelle der Partei in Schweinfurt sitzt, so kurz vor der Wahl glaubt man wirklich an einen Erfolg. "Ich glaube schon, dass sich mittlerweile etwas verstetigt hat, auch weil es sich an Personen festmacht", so die 43-Jährige. Zudem höre sie von vielen Menschen, dass sie es Armin Laschet (CDU) nicht zutrauen. "Da ist Olaf Scholz natürlich der Richtige, eben nicht nur für die 'normale' Regierungshandlung, sondern eben auch in Krisensituationen."
Eder erzählt von "super Gesprächen", von "viel Zuspruch", welchen sie auch in Schweinfurt erfahre. "Egal ob im Park, auf der Straße oder am Infostand: die Atmosphäre ist echt positiv", sagt die Stadträtin und betont, dass der Wahlkampf bei so viel Rückenwind natürlich etwas leichter von der Hand gehe. "Gerade hier geht es viel ums Thema Rente, um Gesundheit, Vorsorge, Arbeitsbedingungen. Und das sind nicht nur unsere Themen, sondern auch die der Bevölkerung", so Eder. Die wichtigste Frage sei, "wie wir in Zukunft wirtschaften und wer davon profitiert". Zudem müsse man etwa eine Verkehrswende hinbekommen und dennoch an die denken, die auf ihr Auto angewiesen sind.
Inhaltlich sei man also gut aufgestellt. Doch kommt nach Jahren der Ernüchterung und schlechten Wahlergebnissen die jetzige Euphorie nicht überraschend? "Wir waren die Ersten, die Olaf als Kandidaten benannt haben, wir waren die Ersten mit Programm", erklärt Eder einen Grund für den Aufschwung ihrer Partei. Auch als die Umfragewerte noch schlechter aussahen und alles auf Schwarz-Grün hindeutete, sei man positiv geblieben. "Da sagten wir uns: Schauen wir mal, was wirklich am 26. September passiert, und das sagen wir auch immer noch", so Eder, wohlwissend, dass es sich bislang nur um Umfrageergebnisse handelt.

Kampf um das Direktmandat könnte "spannend" werden
Dennoch hat sich die Stimmung, das Selbstverständnis der SPD deutlich gewandelt. Schien es vor Monaten noch alternativlos, dass Anja Weisgerber (CSU) erneut das Direktmandat des Bundestagswahlkreises Schweinfurt/Kitzingen erringen wird, rechnet sich die SPD nun realistische Chancen aus, den eigenen Kandidaten nach Berlin schicken zu können. Für die Sozialdemokraten geht erneut der Schonunger Ingenieur Markus Hümpfer ins Rennen, der vor vier Jahren mit 17,1 Prozent das zweitbeste Ergebnis aller Kandidatinnen und Kandidaten holte. Laut Marietta Eder sei das Rennen dieses Mal "sehr spannend", und "das wäre natürlich eine bombastische Geschichte, wenn es Markus schaffen würde".
An einem leicht bewölkten Nachmittag, wenige Tage vor der Bundestagswahl, steht jener Direktkandidat Markus Hümpfer an einem SPD-Infostand in Schonungen. Er verteilt Flyer, unterhält sich mit Passanten. Auch bei ihm sei die Stimmung gut, jedoch nicht ausgelassen, versichert Hümpfer. Denn: "Es ist ja noch nichts gewonnen." Verglichen mit der Bundestagswahl 2017 sei die Situation nun eine ganz andere. "Die Amtsinhaberin steht nicht mehr zur Wahl, die Karten werden jetzt komplett neu gemischt", erklärt sich Hümpfer die positive Ausgangslage, in der seine SPD nun mit Inhalten punkten könne.
"Da reibt man sich ungläubig die Augen"
Doch warum geht es erst seit einigen Wochen so steil nach oben, woher könnte das vermeintliche Umdenken unter den Wählern kommen? Für Hümpfer hat dies nicht nur mit den Fähigkeiten des SPD-Kanzlerkandidaten zu tun. Auch das Fehlverhalten der beiden anderen Bewerbenden spiele eine Rolle. "Armin Laschet ist einfach in zu viele Fettnäpfchen getreten", so der Schonunger. Auch Annalena Baerbock habe sich mitunter unvorteilhaft verhalten.
Insgesamt, so Hümpfer, stünden die Chancen sowohl für ihn persönlich als auch für seine Partei nicht schlecht. Zahlreiche CSU-Stammwähler hätten ihm bereits versichert, dieses Mal seiner Partei die Stimmen zu geben. Der rasante Aufschwung der SPD habe ihn selbst schon auch überrascht. "Da reibt man sich ungläubig die Augen", findet auch Schonungens Bürgermeister Stefan Rottmann. Der SPD-Politiker erinnert sich noch gut an die aussichtslose Situation zu Beginn des Jahres. Nun sei man richtig froh, auch mal positive Schlagzeilen zu schreiben. Über Hümpfer sagt er: "Es wäre natürlich eine tolle Geschichte, wenn einer aus unserem Gemeinderat gleichzeitig im Bundestag sitzt."
Im Wahlkampf will Rottmann selbst nicht über andere Parteien herziehen, sondern viel mehr auf die eigenen Stärken setzen. "Deshalb finde ich es fragwürdig, wenn die Konkurrenz versucht, uns schlecht zu machen, das grenzt manchmal sogar an Populismus", so der Bürgermeister. Letztlich sollte es darum gehen, diejenigen zu wählen, die am meisten Engagement zeigen und nicht die, die man immer schon gewählt hat.
Florian Töpper empfindet Stimmung in der SPD als "optimistisch, entschlossen und arbeitsfreudig"
Auf Nachfrage der Redaktion äußerte sich auch Landrat Florian Töpper (SPD) zum Aufschwung seiner Partei kurz vor der Bundestagswahl. Auch wenn er betont, seine Neutralitätspflicht als Amtsträger im Wahlkampf sehr ernst zu nehmen. Auftritte und Äußerungen als Landrat kämen für ihn deshalb auch bei Parteiveranstaltungen in dieser Phase nicht in Betracht. Seine Äußerungen dürften daher nicht als Wahlaufruf des Landrats verstanden werden. Als SPD-Mitglied jedoch nehme Töpper die Stimmung in der Partei derzeit als "optimistisch, entschlossen und arbeitsfreudig" wahr.
Töpper ist seit 1998 SPD-Mitglied. "Auch in schwierigen Phasen habe ich immer an die Zukunft der Sozialdemokratie geglaubt, insofern freut und bestätigt mich der momentane Aufschwung." Eine tragende Rolle spiele die Zugkraft des Kanzlerkandidaten, der mit Persönlichkeit und Kompetenz überzeuge, "aber auch die große Geschlossenheit der SPD, die angesichts der enormen Herausforderungen der kommenden Jahre auch ein wichtiges Signal über den Wahltag hinaus ist", so Töpper. Sowohl auf Bundes- als auch auf lokaler Ebene erlebe er die SPD in einem engagierten und trotzdem sehr sachlichen und "angenehm unpolemischen Werben um jede einzelne Stimme", was offenbar gut bei den Bürgerinnen und Bürgern ankomme.
Sehnsucht nach politischem Wechsel wächst
Im Gespräch mit mehreren Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wird deutlich: Der Glaube ist da, die Hoffnung wird immer größer, die Sehnsucht nach einem politischen Wechsel wächst. Doch die "Talsohle", durch die die Partei in der Vergangenheit gehen musste, hat auch in Zeiten der Euphorie Spuren hinterlassen. Fast scheint es so, als wolle man den guten Umfragewerten nicht hundertprozentig trauen. Zu groß ist die Befürchtung, am Ende wieder den Kürzeren zu ziehen. Bleibt aus Sicht der SPD zu hoffen, dass Politik eben doch kein Glückspiel ist.
Eine frühere Version des Artikels wurde mittlerweile um das Statement Florian Töppers ergänzt.
Der Deutschen Lust am Untergang wurde zuletzt vor 76 Jahren durchexerziert.
Wer dies wieder will, sollte den Faschistenverein rund um Höcke wählen. Die haben den Untergang Deutschlands fest im Blick und steuern die Zerstörung Deutschlands und Europas ernsthaft an.
Alle anderen Parteien wollen, sicher auf unterschiedlichen Wegen, aber doch den Vorteil für die Einwohner Deutschlands.
Ob Sie Ihren Söhnen einen guten Rat gegeben haben bezweifle ich stark.
Die diesjährigen Wahlen sind wie der Versuch, am Samstag Abend gegen 19:50 Uhr noch frisches Obst kaufen zu wollen.
Polen wäre ne Alternative für Sie.
Schon mal Polnisch lernen.
Freie Presse, unabhängige Justiz, usw... Tolles Land für Ihren Lebensabend👍
Alle Werte erfüllt, für die Sie eintreten.