
"Unbedingt" und "dringend" muss der Kitzinger Luitpoldbau, das ehemalige Prinzregent-Luitpold-Bad an der B8, saniert werden. Das machte Bauamtsleiter Oliver Graumann den Stadträten in der Sitzung am Donnerstagabend klar. Die Folge: Die städtischen Einrichtungen Stadtbücherei und Volkshochschule, die dort residieren, müssen sich eine neue Bleibe suchen.
Und das wohl auf Dauer. Denn wenn der Luitpoldbau renoviert sein wird, kann die Stadtbücherei nicht mehr zurück. Neue Bestimmungen schreiben einen größeren Raumbedarf vor, der sich an dieser Stelle nicht verwirklichen lässt, wie Hauptamtsleiter Peter Grieb auf Nachfrage der Redaktion erklärt. Und Graumann ergänzt, dass eine Sanierung, bei der die tonnenschweren Regale der Bücherei statisch zu berücksichtigen wären, deutlich teurer käme als eine sonst übliche.
Deshalb hat Oberbürgermeister Stefan Güntner seine Fühler ausgestreckt und dem Stadtrat jetzt eine Option aufgezeigt, über die er gern im Detail verhandeln würde. Der Clou: Am Ende könnte eine Win-win-Situation entstehen.
Profitieren könnten Kitzingen und Unternehmer Rosentritt
Güntner hat mit dem Immobilienunternehmer Wolfgang Rosentritt (Würzburg) gesprochen, der in der Stadt schon viele Projekte verwirklicht hat. Rosentritt gehört ein Gebäude-Ensemble in der Schrannenstraße, darunter die Hausnummer 33, der ehemalige Bareiss. Das Anwesen hatte er vor Jahren gekauft, weil er dort – erweitert um das benachbarte Bürgerzentrum, das der Stadt gehört – ein Hotel geplant hat. Für so ein Hotel in der Stadt hatte Rosentritt Bedarf erkannt und die Lage an der Mainpromenade als aussichtsreich eingestuft.

Doch erst Corona und dann die steigenden Baupreise ließen das Projekt in weite Ferne rücken. Das Vorhaben scheint sich auf absehbare Zeit wirtschaftlich nicht realisieren zu lassen. Also ist Hausbesitzer Rosentritt an einer neuen Nutzung interessiert, und darüber will er mit Güntner sprechen.
Die Grundidee: Rosentritt könnte sich vorstellen, seine Gebäude in der Schrannenstraße in einem Rutsch zu sanieren. Der spannendste Teil dieses Projekts ist aus Sicht der Stadt das Haus Nr. 33. Der Immobilienunternehmer stellt sich vor, im Erdgeschoss einen Gastronomiebetrieb unterzubringen, der sich zur Mainpromenade hin öffnet. Schon das ist für die Stadt interessant, hat sie doch mit hohem Aufwand die Promenade saniert. Ein belebendes Café oder Gasthaus dort würde dem OB gut ins Konzept passen.
In den beiden darüber liegenden Geschossen könnte die Stadtbücherei einziehen – barrierefrei. Sie würde ihren Raumbedarf von heute 720 auf dann 900 Quadratmeter Fläche erweitern und könnte damit auch inhaltlich neue Angebote für ihre Klientel schaffen. Die bisherigen Gedankenspiele sehen vor, dass die Stadt sich auf etwa 20 Jahre einmietet, möglicherweise mit der Option, das Haus während dieser Zeit zu erwerben.
Aus dem alten Lagerhaus soll die neue Stadtbücherei werden
Das ehemalige Lagerhaus scheint jedenfalls statisch für die hohen Lasten der Büchereiregale ausgelegt zu sein, so erfuhren es die Räte in der Sitzung. Wegen dieser Belastung würden OB Güntner und Bauamtsleiter Graumann die Bücherei auch gern so schnell wie möglich umziehen.

Das kleinere Problem stellt die Vhs dar, die Büro- und Schulungsräume im Luitpoldbau nutzt. Das Fernziel für sie lautet: Umzug ins stillgelegte Stadtmuseum. Dort hat sich allerdings für die nächsten fünf Jahre ein Teil der gegenüberliegenden Polizeiinspektion eingemietet. Sie wartet auf den dringend nötigen Neubau in den Marshall Heights, der wohl erst Anfang 2030 bezogen werden kann. Noch ist dieser Bau nicht begonnen. So lange muss sich die Vhs also längstens noch gedulden.
Und was wird am Ende aus dem Luitpoldbad? Auch dafür gibt es einen Vorschlag der Stadtverwaltung. Nach der Sanierung könnte der historische Bau der Kitzinger Musikschule eine neue Heimat bieten.
Auch der Bahnhof kam als Bücherei-Standort ins Spiel
In der Diskussion um die Zukunft der Bücherei brachten einige Stadträte auch andere Optionen ins Spiel, etwa den ebenfalls sanierungsbedürftigen Bahnhof, der bereits der Stadt gehört. Doch für OB Güntner liegt das Gebäude zu weit ab vom Schuss und habe im Obergeschoss auch Probleme mit den Gewichten der Bücherregale. Die Schrannenstraße bevorzugt der OB auch deshalb, weil die Bücherei dort zur Belebung des Areals beitragen soll und überdies für die Grundschulen gut erreichbar wäre.
Am Ende bestanden die Räte auf der Vorstellung von Alternativen, inklusive der dafür fälligen Kosten, um alle Möglichkeiten vergleichen zu können. Dies will Graumann nachliefern. Parallel wird Güntner die Gespräche mit Rosentritt weiterführen.