
Zeitungsleser*innen sind sensibel, häufig sensibler als Leute, die sich vorwiegend aus dem Internet informieren. Dort ist der Umgangston bekanntlich rauer. Nun bedarf es allerdings keiner allzu starken Feinfühligkeit, um manchen sprachlichen Fehlgriff in der Zeitung abzulehnen. Ich zitiere ein Beispiel.
Familie H. lässt mich wissen, dass sie die Bezeichnung „Serienkiller“ für eine Fußballmannschaft bisher nicht gekannt hat. Sie spricht damit eine Überschrift an, die am 10. Februar im Sportteil zu lesen war: „Die Kickers als Serienkiller“(Kopie am Textende). Und die Familie fügt hinzu: In Zeiten eines heftigen Sprachgebrauchs, durch den Menschen verleumdet würden, solle man den Schreibstil nicht auf ein solches Niveau absenken.
"Marktschreierische Überschrift"
Etwas härter kritisiert Leser F. S.. Er hält diese „marktschreierische Überschrift“ für unsäglich. Erfolgreiche Fußballer als „Serienkiller“ zu apostrophieren, stelle „einen Schuss über die Latte des Erlaubten und somit ein Eigentor der Redaktion dar“. Das sei unwürdig, „besonders wenn in der derselben Ausgabe über den schrecklichen Amoklauf in Thailand, dem tragischen Anlass entsprechend, angemessen und sachlich berichtet wird“. F. S. lässt erkennen, dass es beim Sport doch um Freude und Fairness gehen solle.
Auch aus meiner Sicht hätte man jenes Wort aus der Kriminalsprache, das für einen Serienmörder stehen könnte, besser nicht für einen Fußballbericht verwendet. Die Tatsache, dass die Kickers nicht zum ersten Mal mit einem Sieg die Erfolgsserie eines Gegners beendet haben, lässt sich nüchtern und doch zutreffend sagen.
Die Sportsprache
Mich hat die Verwendung des Begriffes überrascht, weil sich die Sportredaktion längst von einem militärisch-kriegerischen Sprachgebrauch verabschiedet hat. Vorbei ist es mit „Abwehrschlachten“ oder „Nebenkriegsschauplätzen“, selbst wenn „Bomber der Nation“ (für Gerd Müller) diese gute Entwicklung überlebt hat.
Dass es eine eigene Sportsprache gibt, kann man sogar Wikipedia entnehmen. Dort zählt man sie zu Sondersprachen. Sie existiere neben der Studentensprache, Soldatensprache, Jägersprache, Seemannssprache, Kanzleisprache, Ganovensprache, Fliegersprache oder Juristensprache.
Fairness und Freude
Nun will ich das schöne Thema Sport nicht alleine mit einem schlimmen Begriff belasten. Es liegt mir daran, darauf hinzuweisen, dass demgegenüber Fairness eine große Bedeutung für die Sportredaktion hat. Die Serie „Fair ist mehr“, die es seit 1992 gibt, wird in den nächsten Wochen wieder mit der Auszeichnung von Fairness im Sport enden. Sollten Ihnen als Leser*innen mal faire Gesten bei einem Sportereignis auffallen, melden Sie die auch der Sportredaktion oder mir. Darüber kann Freude aufkommen, wie von Herrn F. S. gewünscht.
Hier anklicken: Fair-ist-mehr-Galaabend 2019 mit Marcel Reif
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Anton Sahlender, Leseranwalt. Siehe auch www.vdmo.de
