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| Kritische Leser haben sich mit Berichterstattungen über Missbrauchsfälle und Kirchenasyl beschäftigt. Justizia steht auch dabei für den Rechtsstaat.
Zeichnung: Christine Brey
Anton Sahlender
| aktualisiert: 27.04.2023 03:44 Uhr
Kirche ist ein Thema, das vielen Leserinnen und Lesern am Herzen liegt, wohl weil mit ihrem Glauben verbunden. So fällt es einigen schwer, kritische Beiträge zu ertragen, etwa zu Missbrauchsvorwürfen und deren Aufarbeitung. Jüngst ärgerte sich ein Leser darüber, dass sogar auf der 1. Seite ein Artikel dazu angekündigt war, der im Inneren erschienen ist (27.3. „Acht neue Vorwürfe“). Dabei handele es sich doch um die Wiederholung alter Vorwürfe. Ja, Wiederholungen sind zu lesen, aber auch acht Fälle, die bis dato nicht öffentlich bekannt waren. Hier vorausgegangene Berichte: "Bischof wollte ein weiteres Gutachten" "Schwierige Suche nach der Wahrheit"
| Schon auf der Titelseite angekündigt: Acht neue Missbrauchsvorwürfe ....
| Der Missbrauchsbeauftragte präsentiert acht neue Vorwürfe (Der angekündigte Bericht in der Zeitung) ....
Unvermeidliche Wiederholungen
Journalismus bedarf oft der Wiederholung. Wenn der Missbrauchsbeauftrage der Diözese bilanziert und es dabei um die Aufarbeitung von Vorwürfen geht, lassen sie sich kaum vermeiden. Sie sind zum Verständnis der gesamten Nachricht notwendig. Zudem ist oft von Fällen die Rede, die lange zurückliegen.
| Berichte wie diese sind unvermeidlich. Manche Kritiker nennen sie "kirchenfeindlich".
Notwendige Kritik wird geübt
Eine Leserin schreibt, dass sie über diese Artikel schmunzeln müsse. Wörtlich: “Gleiche Sätze, gleiche Ausführungen, immer das Gleiche“. Sie fragt, ob die Autorin persönlich involviert sei, weil sie die Katholische Kirche so leidenschaftlich bekämpfe. Sie mutamaßt Nähe zu einer Sekte. Ich habe die Frau um Fairness gebeten, niemand in der Redaktion ist bei einer Sekte, auch nicht die Autorin. Der Beitrag ist korrekt. Niemand bekämpft die Kirche. Das lässt sich an der Berichterstattung ermessen, die sich übers Jahr kirchlichen Ereignissen widmet. Aber Kritik wird geübt, wenn sie notwendig ist. Und das ist bei Missbrauchsvorwürfen und deren Aufarbeitung mitunter der Fall.
Klar darf sich in einem Rechtsstaat niemand über Gesetze stellen. Diesem Grundsatz steht die Berichterstattung über das Kirchenasyl in ihrer Gesamtheit nicht entgegen. Kritische Aspekte sind da auch aufgegriffen. Allerdings geht es grundsätzlich um Hilfe für Menschen in Notsituationen. Aktuell um den Schutz für Asylbewerber gegen Abschiebung in unsichere Regionen – infolge einer politischen Entscheidung. Es geht um Humanität und Menschenrechte, der sich grundsätzlich auch Journalisten verpflichtet fühlen. Das Leben der Abgeschobenen könnte wieder in Gefahr geraten. Wichtig: Asyl gewährt man in aller Regel jeweils im begründeten Einzelfall, niemals aber Straftätern.
Keine Gefährdung des Rechtsstaates
Der Rechtsstaat respektiert hier bislang einen christlichen Akt von Gnade und Barmherzigkeit. Der greift nicht ein, solange dazu keine Veranlassung besteht. Man kann in dieser Haltung auch eine Stärke des Rechtsstaates sehen. Dabei wird ihn positive Berichterstattung über Kirchenasyl nicht gefährden können, wohl ebensowenig wie das Kirchenasyl selbst.