Es sieht beinahe so aus wie jedes Jahr: Auf den Tennisanlagen der Region fliegt die gelbe Filzkugel wieder. Die meisten Sandplätze sind hergerichtet, endlich dürfen Spielerinnen und Spieler wieder über den roten Sand flitzen. Ein Bild, das man so lange nicht gesehen hat. Vorbei ist also die Zeit, in der die im Fernsehen übertragenen Turniere der Profis der einzige Berührungspunkt mit dem "weißen Sport" waren.
"Wir sind froh, dass wir den Schläger endlich wieder schwingen dürfen", freut sich Christopher Enser-Bönisch, Mitglied im Präsidium bei Weiß-Blau Würzburg. Während Mannschaftssportarten im Freien laut neuem Infektionsschutzgesetz ab einer Inzidenz von 100 untersagt sind, bleibt der Tennissport unter freiem Himmel als kontaktloser Einzelsport davon unberührt – sieht man mal vom wohl verzichtbaren Händeschütteln der Gegner und dem Abklatschen beim derzeit für haushaltsferne Personen ohnehin untersagten Doppel ab.
- Lesen Sie auch: Gerbrunner Klub klagt gegen das Tennis-Verbot in Bayern
- Lesen Sie danach: Tennis-Verbot: Gerbrunn bekommt Unterstützung vom Verband
Doch gilt es, die Hygiene- und Verhaltensregeln des Bayerischen Tennis-Verbandes (BTV) zu beachten. Die wurden den Mitgliedern von ihren Vereinen mitgeteilt und hängen auf vielen Anlagen ebenfalls offen einsehbar aus. Das hilft, sich dort regelkonform zu verhalten, damit dem Verein als Platzinhaber beim Verstoß keine Strafe droht.
"Diese Vorgaben müssen im Sinne der Gesundheit unserer Mitglieder umgesetzt werden", erklärt Enser-Bönisch, "wir fordern das nicht, um jemanden zu ärgern, sondern die Regeln sind bindend, damit wir unseren Sport ausüben dürfen." Sind die Regeln verinnerlicht, kann es losgehen – aber nur im Freien, denn die Nutzung der Tennishallen ist untersagt.
Das passiert idealerweise kontaktlos von zu Hause aus. Vereine, die eines der zahlreichen Online-Buchungssysteme verwenden, haben eindeutig einen Vorteil. Das hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Viele – gerade größere – Klubs haben die Zettelwirtschaft hinter sich gelassen und zur digitalen Erfassung gewechselt. So lässt sich der Platz mit wenigen Klicks am Smartphone oder PC belegen, was auch die Nachverfolgung von Kontakten erleichtert, sollte die nötig werden. Vereine, die nicht über ein solches Buchungssystem verfügen, müssen den Aufenthalt der Spielenden mit Namen und Vornamen, Aufenthaltszeitraum, einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse in Papierform dokumentieren, so dass auch hier, falls notwendig, die Infektionsketten nachverfolgt werden können.
Richtlinie ist die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz vor Ort. Ein vom BTV erstellter Stufenplan gibt an, was wann erlaubt ist. Er gilt seit 8. März und bezieht sich nur auf den Außenbereich und kontaktfreien Sport. Beim Inzidenzwert unter 50 dürfen Einzel und Doppel sowie Gruppentraining mit maximal zehn Personen und Training in Gruppen von bis zu 20 Kindern bis 14 Jahre stattfinden.
Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100, sind Einzel sowie Doppel mit Spielern aus maximal zwei Haushalten erlaubt. Training ist mit höchstens zwei Haushalten und fünf Personen, plus Trainer, wenn er nicht am Sportgeschehen teilnimmt, und in Gruppen von bis zu 20 Kindern bis 14 Jahre möglich.
Liegt der Inzidenzwert über 100, dann beschränkt sich das sportliche Geschehen auf dem Tennisplatz auf Einzel, Doppel mit Personen aus einem Haushalt und Training mit maximal zwei Personen – oder mehreren Personen aus einem Haushalt plus Trainer, wenn er nicht am Sportgeschehen teilnimmt.
Weitere Öffnungsschritte sind geplant. Sie richten sich nach den Bekanntgaben der Regierung, die dann in der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung veröffentlicht werden, und der Freigabe der regionalen Behörden.
Grundsätzlich müssen alle Spielenden auch auf der Tennisanlage und dem Platz einen Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten. Jeder ab 15 Jahre muss eine FFP2-Maske tragen. Für Kinder zwischen sechs und 15 Jahren reicht eine Alltagsmaske. Auf dem Platz dürfen alle die Masken abnehmen, denn auf dem rund 600 Quadratmeter großen Platz scheint keine Ansteckungsgefahr gegeben,wenn sich jeder nur auf seiner Hälfte bewegt.
Auf der Tennisanlage gar nicht, denn sowohl Umkleiden als auch Duschen sind geschlossen. Das heißt, bereits im Tennisoutfit erscheinen, eventuell Kleidung zum Wechseln im Freien mitnehmen und zu Hause duschen.
Toiletten dürfen und sollen geöffnet sein, bestückt mit ausreichend Seife und Einmalhandtüchern. Desinfektionsmittel sollte ebenfalls bereitstehen.
Dafür gibt es keine Vorschriften, doch Desinfektionsmittelspender aufzustellen, wird empfohlen.
Die Spieler betreten mit Maske und im Abstand von mindestens eineinhalb Metern nacheinander die Spielfläche und jeder geht zu einer Sitzgelegenheit, die auch in normalen Zeiten auf jeder Seite des Platzes weit genug auseinander stehen. Dann darf die Maske abgenommen werden und das sportliche Vergnügen kann kontaktlos, ohne Händeschütteln oder dergleichen, beginnen.
Ohne die Corona-Pandemie wären die ersten Turniere bereits absolviert, unterfränkische Meisterschaften im Freien ausgespielt und Mannschaftsspieler stünden für den Auftakt in die unmittelbar bevorstehende Medenrunde in den Startlöchern. Darauf müssen sie in diesem Jahr noch warten. Bei unveränderter Infektionslage in den kommenden zwei Wochen sieht der BTV vor, den Start der Mannschaftsspiele vom anvisierten 1. auf den 14. Juni zu verschieben. Ob die Pandemie dann erneut einen Strich durch diese Rechnung macht, ist noch nicht abzusehen.