500.000 Euro – auf diese Summe werden laut Stadtverwaltung die Kosten für einen Abriss des Fußgängerstegs am Schweinfurter Hauptbahnhof geschätzt. Geld, das man sinnvoller investieren könnte, meinen die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Schweinfurter Stadtrat. Und machten mobil. Es gab eine kleine Demo am Steg, Nachfragen bei einem Schweinfurter Architektenbüro, Gespräche mit der Industrie – und schließlich einen Antrag zu den Haushaltsberatungen in dieser Woche: sanieren statt abreißen.
Ein Schulterschluss von Rot-Grün für den Erhalt und den Ausbau eines attraktiven Nahverkehrs, wie beide Fraktionen betonen. Wer möchte, dass die Menschen auf Bahn und Bus umsteigen, müsse es ihnen so einfach und angenehm wie möglich machen. Der Fußgängersteg, der eine schnelle Querung des Hauptbahnhofs hin zu den Werken von SKF und ZF oder auch der Niederlassung der DB Cargo ermöglicht, sei ein Baustein. Und ein wichtiger dazu.
Denn, so Peter Hofmann: Die Alternative nutzt niemand. Vom Bahnhof mit dem Bus zum Roßmarkt und dann mit dem Bus in die Ernst-Sachs-Straße. Viel zu umständlich. Seit einem Jahr ist der Fußgängersteg am Hauptbahnhof gesperrt. Etliche Pendler wären in der Folge wieder aufs Auto umgestiegen, so die Beobachtung von SPD und Grünen.
Was auch Linken-Stadtrat Frank Firsching unterschreiben würde. Bei Flyer-Aktionen des DGB am Schweinfurter Hauptbahnhof habe man in der Zeit danach weit weniger Pendler getroffen als sonst. Dass dies mit Corona und mehr Homeoffice zu tun habe, wie Umwelt- und Ordnungsreferent Jan von Lackum anspielte, glaubt Firsching nicht. Die Beobachtung stamme nicht aus der Hochzeit der Pandemie. Die Zahlen, die von Lackum vorlegte, allerdings schon: 354 Querungen habe die Stadt pro Tag auf dem Steg gezählt. Das war im Herbst 2021.
Für SPD und Grüne ist klar: Der Fußgängersteg ist wichtig für den Nahverkehr und wird es, wenn der ÖPNV ausgebaut werden soll, noch mehr werden. Deshalb ihr Antrag, in den Haushalt für 2023 eine Million Euro für die Sanierung des Fußgängerstegs einzuplanen. Nach Auskunft von Architekten, so Peter Hofmann, sind große Teile der tragenden Konstruktion intakt. Ebenso das Fundament. Der Gehbelag, also die Bretter und die Querstrebungen seien sanierungsbedürftig.
Aber reicht diese eine Million Euro überhaupt? Jan von Lackum hat daran echte Zweifel. Die Stadt selbst hatte vor einem Jahr ebenfalls die Kosten schätzen lassen. Mit einem ganz anderen Ergebnis. Eine Sanierung würde demnach das doppelte kosten, der Ausbau zum barrierefreien Steg sogar 10 bis 13 Millionen Euro. Sehr grobe Kostenschätzungen, gab von Lackum zu, "es gibt keine Pläne".
Genau das sei der Knackpunkt. Keiner wisse, wie hoch die Investition tatsächlich sein müsste. Entscheidend dafür, wie teuer die Sanierung kommen würde, sei auch, ob und wie man bei der Sanierung in den Bahnbetrieb eingreifen müsse.
Deshalb sein Vorschlag: Für 100.000 Euro wird die Stadt eine Planung machen lassen. "Dann wissen wir, was wir brauchen." Und dann, so Oberbürgermeister Sebastian Remelé, könnten die Stadträtinnen und Stadträte immer noch entscheiden, "was ihnen der Steg wert ist". Was er selbst denkt, wurde auch klar. Die Stadt habe festgestellt, "dass der Steg eben nicht stark frequentiert ist", so der OB mit dem Hinweis auf das Ergebnis der Zählung.
Erhoben in Zeiten, in denen Homeoffice noch stärker genutzt worden ist, entgegnete Marietta Eder (SPD). Die Fraktion habe von vielen Bürgerinnen und Bürgern sowie von Unternehmen positive Rückmeldungen dafür bekommen, dass sie gegen den Abriss des Fußgängerstegs ihr Veto eingelegt habe.
Auf Vorschlag von Peter Hofmann geht der Vorschlag für eine Planung "in die richtige Richtung". Allerdings sollte die Stadt mit der Bahn und der DB Cargo wegen einer Beteiligung an dem Projekt noch einmal verhandeln. Auch Gespräche mit der Industrie könnten sich lohnen. Eine erste Bereitschaft, sich vielleicht auch mit Arbeitsleistung zu beteiligen, sei erkennbar, so Hofmann.
"Viel Spaß bei den Verhandlungen mit Bahn und DB Cargo", wünschte CSU-Fraktionsvorsitzender Stefan Funk. Weniger ironisch, aber nicht wirklich optimistisch klang auch die Bemerkung von OB Remelé: Es habe solche Gespräche schon gegeben, allerdings seien die "schon etwas her".
Der Vorschlag, 2023 eine Planung in Auftrag zu geben, die Klarheit über den finanziellen Aufwand einer Sanierung bringen soll, wurde im Hauptausschuss einstimmig angenommen.
- da wird die Innenstadt "beruhigt" was ein massives Verkehrschaos jeden Tag z.B. Kreuzung Theater und Celtis zur Folge hat. Die Anwohner haben nun mit Autoschlangen vor den Fenstern zu kämpfen
- da wird in der Galgenleite ein aufgemalter Fahrradweg aus dem Himmel gezaubert obwohl seit unzähligen Jahren ein echter Fahrradweg gegenüber existiert. Auf die geänderte Verkehrsführung an der Ampel wird aber nicht mit Schildern hingewiesen. Stehen Autos bereits an der Ampel weiß kein Mensch, dass da was geändert wurde. Die Radfahrer sollen aber anscheinend irgendwo vor der Ampel dann die Seite wechseln??
- und nun soll auch noch eine Brücke weg, die die einzige Verbindung zwischen Bahnhof und Ernst-Sachs-Str. ist?
Man hat das Gefühl die Stadt versucht alles um die Bürger zu verärgern. Wer diese Entscheidungen alle trifft sollte von seinem Posten enthoben werden.
Bürgernähe ist hier fehl am Platz.
Derart "schwierige" Großprojekte wie Fußgängerstege haben Bauämter früher nebenher gemacht.
Wenn dann mit 13 Millionen für einen halbwegs brauchbaren Steg gerechnet wird muss man befürchten, dass die Stadt von einer Wahnsinns-Inflation ausgeht.
Lt. Stadtverwaltung kostet eine Sanierung 2 Millionen Euro, barrierefrei sogar 10 - 12 Millionen. Das hieße ein barrierefreier Ausbau kostet 8 - 11 Millionen mehr. Wie kommen die Planer der Stadt auf solche irrsinnig Summen?
Was für einen barrierefreien Bau benötigt wird sind lediglich 2 Aufzüge,auf jeder Seite Einer. Rechnet man nun für 1 Aufzug mit Kosten von 100.000 - 200.000 € so kommt man auf max. 400.000 € als zusätzlichen Aufwand. Somit hätten wir Gesamtkosten von ca. 2,5 Millionen €uro und nicht wie die Stadtverwaltung behauptet 10 - 12 Millionen. Jetzt ist interessant welche Argumentation der OB und seine Planenten vorbringen.
gez: Norbert Sandmann
Fachberater für Barrierefreies Bauen
Den Steg in seiner heutigen Form zu modernisieren halte ich für falsch ... er gehört in die heutige Zeit versetzt, soll heißen er müßte verlängert werden, so daß die Hbf- u. die E.-Sachs-Str. auch überquert wird u. das barrierefrei !!!
Erhoben in Zeiten, in denen Homeoffice noch stärker genutzt worden ist, entgegnete Marietta Eder (SPD)."
Realer Irrsinn.
Mit dem schwachen Argument bräuchte man in den Wohngebieten in SW zukünftig auch keinen Gehweg und keine Anwohnerstraße mehr erneuern. Die sind ja ebenfalls nicht stark frequentiert.