Es kommt wieder Bewegung in die Frage, wo und wie ein benötigter weiterer Kindergarten in Gerolzhofen entstehen könnte. Zu verdanken ist dies zwei Gerolzhöfer Investoren. Sie haben der Stadt jüngst Pläne unterbreitet, in dem einstigen Butterwerk zwischen Kolping- und Friedenstraße eine Kindertagesstätte (Kita) für acht Gruppen zu errichten. Die Entscheidung liegt nun beim Stadtrat sowie beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) als potenziellen Betreiber einer Kita. Die Zeit drängt – aus verschiedenen Gründen.
Die Stadt steht ein Jahr, nachdem sie grundsätzlich den Bedarf von fast 130 Betreuungsplätzen für Kleinkinder unter drei Jahren und über Dreijährige anerkannt hat, unter Druck. Denn bislang wurden im Stadtrat nur Vorschläge für Standorte erörtert, ohne handfeste Ergebnisse zu liefern; zuletzt wurde der östliche Teil des Geomaris-Freibadgeländes im Zentrum der Diskussionen favorisiert, unter Vorbehalt.
Ein solch lange Debatte über das jetzt neu ins Spiel gekommene einstige Butterwerk wird es nicht geben. So viel steht schon einmal fest. Denn die Gerolzhöfer Unternehmer René Kühl (44) und Christoph Rosentritt (38), denen das im Jahr 1984 von den Milchwerken Mainfranken aufgegebene Molkerei-Areal am westlichen Rand der Altstadt je zur Hälfte gehört, haben feste Vorstellungen, bis wann die Stadt sich entschieden haben muss, ob dort eine Kita entsteht oder nicht. "Wenn sich bis Ende des ersten Quartals 2024 nichts tut, dann werden wir Bauanträge im Stadtrat einreichen", kündigt Kühl im Gespräch mit dieser Redaktion an.
Ohne Kita gäbe es mehr Wohnraum
Sollte dies eintreten, würden die beiden Investoren in den entkernten Bestandsgebäuden ausschließlich Wohnungen und gewerbliche Nutzflächen planen, ohne Kita. "Aus Investorensicht haben wir ohnehin nichts von einer Kita", sagt Kühl. Der Bau von Wohnungen, wie es bereits nach dem Verkauf des Areals durch den Aryzta-Konzern im Frühjahr 2018 angekündigt wurde, würden mehr einbringen. Doch für die Stadtentwicklung Gerolzhofens, das macht Kühl deutlich, sei ihm die Vorstellung einer in den Komplex integrierten Kita durchaus sympathisch und wichtig.
Die Pläne hierfür, die Kühl und Rosentritt vorliegen, sind bereits sehr konkret. Diesen zufolge könnte eine Kita in dem in den 1960er Jahre erbauten Gebäudetrakt im Norden des Areals entstehen. Dort waren einst vor allem Produktionsräume der Molkerei und des folgenden Besitzers, des Backwarenherstellers Hiestand/Aryzta, untergebracht. Im Erd- und Obergeschoss könnten so auf 1000 Quadratmetern Gruppenräume und die dazugehörige Infrastruktur entstehen; der vorhandene Keller ist hierbei noch nicht einberechnet. Die Flächen, die über einen Aufzug zu verbinden wären, würden laut Kühl allen geltenden baulichen Vorgaben für Kitas genügen.
Hierzu zählten auch zwei Außenbereiche mit zusammen gut 1000 Quadratmetern. Diese könnten auf der Freifläche entstehen, die sich nördlich anschließt (einstiges Lager des Steinmetzbetriebs Tully) sowie zwischen dem Baukörper aus der 60er Jahren und dem Bestandsbau aus dem Jahr 1906, in dem die Investoren – unabhängig vom Ausgang der Frage, ob nebenan eine Kita entsteht – im Erdgeschoss mehrere Büro- und Gewerbeflächen und darüber bis zu acht Wohneinheiten erstellen möchten Das Gebäude würde hierfür komplett entkernt werden.
Umbau mit angezogener Handbremse
"Im Moment warten wir ab. Wir hätten schon längst anfangen können mit dem Umbau", beschreibt Kühl die aktuelle Lage. Den Vorschlag einer Kita im alten Butterwerk sei der Stadt Ende des vergangenen Jahres unterbreitet worden.
Die Stadt möchte die Standortfrage für einen zusätzlichen Kindergarten bald, möglichst noch im Februar vom Stadtrat entscheiden lassen. Dies ist auf Nachfrage von Bürgermeister Thorsten Wozniak zu erfahren. Verantwortliche der Stadt hätten das infrage kommende Gebäude bereits besichtigt und der erste Eindruck falle durchaus positiv aus. Der Butterwerk-Gebäude scheint für das vorgesehene Kita-Konzept mit Krippen- und Regelgruppen geeignet, fasst Wozniak die Einschätzung zusammen. Barrierefreiheit und ein modernes Raumkonzept würden sich verwirklichen lassen, und die Lage im Stadtgebiet sowie die Anfahrtsmöglichkeiten und Parkplätze entsprächen den Anforderungen.
Ein detaillierter Kosten- und Finanzierungsplan fehle nach Auskunft von Wozniak noch. Hierfür müsste das Gebäude von Fachplanern und Architekten geplant werden.
Eine Million Euro pro Gruppe
Eine grobe Kostenschätzung der Investoren geht von Gesamtkosten von etwa acht Millionen Euro aus – also eine Million pro Kita-Gruppe. Davon würden deren Informationsstand nach die Hälfte bezuschusst werden. Diese Kosten – inklusive der Förder-Risiken – kämen auf die privaten Investoren zu. Die Stadt als Mieterin der Kita müssten den Berechnungen von Kühl und Rosentritt zufolge mit 216.000 Euro Mietkosten pro Jahr rechnen. Nachprüfbar sind diese Angaben hier nicht.
"Mein Eindruck ist, dass der Betrieb im Butterwerk möglich ist, auch aus Sicht des Betreibers", sagt Bürgermeister Wozniak. Thomas Lindörfer als Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Schweinfurt als dem einzig bekannten möglichen Betreiber einer zusätzlichen Kita in Gerolzhofen, klingt nach einer Besichtigung des Gebäudes etwas reservierter. Der Standort wäre machbar, sagt er, doch nicht in der ursprünglich angedachten Größe. Seiner Aussage nach seien dort keine acht Gruppen unterzubringen.
Festlegen möchte er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Zuerst müsste sich die Stadt entscheiden und dem BRK einen konkreten Standort-Vorschlag unterbreiten. Im nächsten Schritt werde sich das BRK dann entscheiden, stellt Lindörfer klar.
Mögliche Eröffnung im Herbst 2025
Zum vorgesehenen Zeitplan sagt Wozniak: Im Februar soll der Stadtrat einen Beschluss fassen, so dass dann umgehend geplant werden kann. "Die Eröffnung des Kindergartens könnte voraussichtlich im Herbst 2025 erfolgen."
Nach Aussage von Wozniak diskutiere die Stadt noch weitere Gebäude und Grundstücke, auch provisorische Maßnahmen. "Für Provisorien wäre aber insbesondere die personelle Ausstattung eine schwierige Hürde, insofern gehe ich nicht von einer Zwischenlösung aus." Deshalb hält der Bürgermeister für sich fest: Der Standort am Geomaris, wo eine Kita in Modul- oder Massivbauweise entstehen könnte, und das Butterwerk sind seine Favoriten.
Um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, veranstaltet der CSU-Ortsverband am Mittwoch, 31. Januar, um 18 Uhr einen kommunalpolitischen Abend im alten Butterwerk. Eingeladen sind alle Interessierten.