Der frühere Landrat und Haßfurter Bürgermeister Rudolf Handwerker feiert am heutigen Samstag seinen 80. Geburtstag. "In verschiedenen Funktionen hast Du über insgesamt 42 Jahre hinweg die Menschen Deiner unterfränkischen Heimat stets bestens vertreten. Du hast mit großem Weitblick wichtige Weichenstellungen vorgenommen, die Entwicklung der Region vorangebracht und den Bürgerinnen und Bürgern neue Zukunftsperspektiven eröffnet", schreibt Bayerns Innenminister Joachim Hermann in seiner Gratulation.
Handwerker kam am 2. März 1944 in Klingenberg am Main (Landkreis Miltenberg) zur Welt. Er studierte nach dem Abitur zunächst Rechtswissenschaften an der Universität Würzburg. Nach zwei juristischen Staatsprüfungen kam der Jurist 1973 als Beamter an das Landratsamt Haßberge. Im Jahr 1978 wurde Rudolf Handwerker zum Ersten Bürgermeister der Stadt Haßfurt gewählt. Dieses Amt übte er zwei Wahlperioden bis zum Jahr 1990 aus.
In jenem Jahr wurde er erstmals, als Nachfolger von Walter Keller, zum Landrat des Landkreises Haßberge gewählt. Bei drei weiteren Wahlen bestätigten die Bürgerinnen und Bürger Rudolf Handwerker in seinem Amt, das er bis zum Jahr 2014 inne hatte. Seit 1975 Mitglied in der CSU, war Rudolf Handwerker außerdem von 1978 bis 1990 und von 2014 bis 2020 Mitglied im Kreistag. Seine Partei führte er auch lange Jahre als Kreisvorsitzender an.
"Wir können uns glücklich schätzen, einen Vollblutpolitiker wie Rudolf Handwerker über fast ein Vierteljahrhundert an der Spitze unseres Kreises gehabt zu haben", sagt Landrat Wilhelm Schneider zu seinem Amtsvorgänger. Als er 1990 die Nachfolge von Walter Keller angetreten hat, war genau die Zeit des großen Umbruchs, so Schneider.
Und plötzlich war der Eiserne Vorhang gefallen
Der Landkreis Haßberge, eben noch durch den schier unüberwindlichen Eisernen Vorhang von Thüringen getrennt, rückte mit einem Schlag mitten ins Zentrum von Deutschland und Europa. Dieser Umbruch, also die Grenzöffnung und Wiedervereinigung, erforderte einen Visionär, einen Macher und Organisator, der die Herausforderungen annahm und Hand anlegte, einen Handwerker im wahrsten Sinne des Wortes.
Und der war Rudolf Handwerker. 24 Jahre lang habe er seinem Namen alle Ehre gemacht und quasi als fleißiger Handwerker und Architekt am "Gebäude" Landkreis Haßberge mitgebaut; und unsere Region wie kein anderer geprägt, gestaltet und weiterentwickelt. "Auch durch die Partnerschaften mit dem Distrikt Tricastin in Frankreich, mit Lindesberg in Schweden, Kyriat Motzkin in Israel und dem polnischen Landkreis Klobuck hat Rudolf Handwerker vielen Haßberglern die Tore zur Welt geöffnet", so Landrat Wilhelm Schneider.
Ein jahrzehntelanger Weggefährte von Rudolf Handwerker ist Haßfurts Altbürgermeister Rudi Eck: "Gefunkt hat es zwischen uns beiden schon als Sportler und begeisterte TV-ler so zum Beispiel bei vielen Ski-Langlauf-Wochenenden in Neubau im Fichtelgebirge." Es folgte 1978 ein gemeinsamer Start in der Kommunalpolitik. Rudi Eck war damals jüngster Stadtrat im Team des neuen Bürgermeisters Rudi Handwerker.
"Für mich war Rudi ein großes Vorbild in seiner Arbeitsweise und seiner Begeisterungsfähigkeit", so Rudi Eck, der von damals revolutionären Ideen wie dem Straßenfest, dem Freizeitzentrum, der Eishalle und der Stadthalle spricht, die in kurzer Zeit sichtbar die Attraktivität der Kreisstadt steigerten.
"36 gemeinsame Jahre Kommunalpolitik mit Rudi Handwerker, waren eine unglaublich schöne, wertvolle und erfolgreiche Zeit!", sagt Rudi Eck, der Rudolf Handwerker als einen Glücksfall für Haßfurt und für den Landkreis Haßberge bezeichnet. Für sein Engagement wurde der Altlandrat bereits mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, mit der Kommunalen Verdienstmedaille in Silber und mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet und darüber hinaus als Ehrenbürger der Stadt Haßfurt gewürdigt.
An diesem Wochenende war in Haßfurt eigentlich ein Festakt zu Ehren des Altbürgermeisters und Altlandrats Handwerker vorgesehen, der aber aus gesundheitlichen Gründen des Jubilars nicht stattfinden kann.