Friedrich Rückerts größtes Verdienst ist wohl, dass er in einer Zeit der radikalen Umbrüche durch Industrialisierung und Revolution gespürt hat, wie wichtig Verständnis füreinander durch Sprache ist. „Weltpoesie alleine ist Weltversöhnung“ war sein Mantra. Es bedeutet, dass es mit dem Auswendiglernen einer Sprache alleine nicht getan ist. Rückert wollte sich durch die fremden Sprachen auch immer die dahinter stehenden Gesellschaften und Völker in ihrem Denken erschließen, sie verstehen und kennenlernen. Sprache war für ihn nie Mittel zum Zweck wie sie es heute ist, wenn man zum Beispiel Englisch lernt, nur um als Börsenmakler in London viel Geld zu verdienen. Über die heutige Sprachlosigkeit im Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei wäre er entsetzt.
Das Poetikum ist sich dieser Bedeutung Rückerts bewusst, ohne bedeutungsschwanger zu sein. Und deswegen ist es so sehenswert.