Ältere werden sich noch erinnern. Früher, als die Nachbarn aus dem Urlaub zurück kamen, lud das erholte Ehepaar von nebenan zur Diaschau ins Wohnzimmer. Bei Käse-Igel und köstlichem Schoppen zeigten sie ihre Landschafts-Fotos aus Südtirol oder vom Gardasee. Schier endlos reihte sich Dia an Dia. Später, als Computer und Digitalfotografie aufkamen, hat sich das gewandelt. Die Urlaubsfotos wurden nicht mehr auf das weiße Tischtuch an der Wand projiziert, sondern als Multimediashow auf dem großen Flachbildschirm gezeigt. Nur die Käse-Igel und die Schoppen blieben die gleichen.
Heutzutage, Bundeskanzlerin Merkel nennt dieses Zeitalter Neuland, verschicken Menschen ihre Fotos direkt vom Urlaubsort an ihre Nachbarn. Nur heißen die jetzt Follower und das Wohnzimmer nennt sich Instagram. Das ist eine von 500 hippen Plattformen im Internet. Warum erwähnen wir das? Weil sich auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt offensichtlich gerne auf Fotos sieht - und sie eifrig seinen aktuell 1485 Followern zeigt. "Würzburger Baustellensommer" nennt der OB seine atemberaubende Dia-Schau auf Instagram.
Zwischen Rathausplatz und Hohlkasten
Weil ältere Leute mit dem modernen Zeugs aber nichts anfangen können, der Baustellen-OB (der Kürze wegen BOB), auch auf ihre Wählerstimmen nicht verzichten möchte, schickt die Pressestelle des Rathauses Bilder auch an die Zeitung. So erfahren dann auch die treuen analogen Abonnenten, dass Baumeister BOB keinen Mist, sondern richtig baut. So steht er mal im legeren Kurzarmhemd am Johann-Sperl-Hohlkasten und hält einen Bauplan in die Kamera. Oder präsentiert sich in Anzug und Krawatte auf dem neuen Rathausplatz in Heidingsfeld. Ob der OB nun auch mit den besten Fotos einen Baustellen-Kalender, wie die muskelbepackten Jungs der Würzburger Berufsfeuerwehr herausbringen möchte, ist nicht bekannt.
Weil BOB aber auch gerne Fahrrad fährt, auch das erfahren wir aus Instagram, befürchten Autofahrer, dass es jetzt immer mehr Fahrradstraßen in der Stadt geben wird. Ein Anfang in der Büttnerstraße ist gemacht. Der Sinn: Wenn nur noch Radfahrer unterwegs sind, soll die Luft in der Stadt besser werden.
Vorfahrt für Rollerfahrer
Tolle Sache, aber richtig Sinn macht die Fahrradstraße nicht. Denn Autos dürfen hier auch weiterhin fahren, weil "Kfz frei" unter dem Schild steht. Und Fußgänger werden geduldet. So bleibt also in der Büttnerstraße alles beim Alten.
Dabei könnte der OB so richtig groß rauskommen. Mit einer bundesweit einmaligen bedingungslosen E-Scooter Straße, in der nur Roller fahren erlaubt ist. Das wäre wieder mal Provinz auf Weltniveau. Echt wahr!
Sehr schön