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Würzburg/Schweinfurt
So viele Covid-19-Patienten sind derzeit in unterfränkischen Kliniken
Die aktuelle Entwicklung der Fallzahlen unterscheidet sich von den vorherigen Wellen. Nur wenige Infizierte erkranken schwer an Covid-19. Die Krankenhäuser rechnen mit einem Anstieg.
Die Inzidenzen steigen. Aber liegen in den unterfränkischen Krankenhäusern auch wieder mehr Covid-19-Patienten? Unser Archivbild zeigt Pflegepersonal im Rhön-Klinikum in Bad Neustadt. 
Foto: Daniel Peter | Die Inzidenzen steigen. Aber liegen in den unterfränkischen Krankenhäusern auch wieder mehr Covid-19-Patienten? Unser Archivbild zeigt Pflegepersonal im Rhön-Klinikum in Bad Neustadt. 
Manuela Göbel
 |  aktualisiert: 08.02.2024 10:39 Uhr

In Unterfranken steigt die Zahl der Menschen, die sich mit Corona infiziert haben, wieder an. Am Donnerstag lag die Inzidenz in Würzburg, Aschaffenburg und im Landkreis Schweinfurt bei über 50. In der Stadt Schweinfurt lag sie bei 133. Steigt damit auch die Zahl an Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern?

Diese Frage ist auch deshalb interessant, weil sich die Corona-Politik künftig stärker an der Lage in den Kliniken ausrichten will: Da inzwischen Risikopatienten und gut 59 Prozent der bayerischen Bevölkerung geimpft sind, soll bald nicht mehr alleine die Inzidenz, sondern stärker auch die Krankenhaus-Belastung durch Corona-Fälle der Maßstab für Beschränkungen sein. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder plant eine "Krankenhaus-Ampel", die die Belastbarkeit der Kliniken signalisiert.

Ein Covid-Patient auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Würzburg

Im Universitätsklinikum Würzburg würde eine solche Ampel auf Grün stehen: Im größten Krankenhaus der Region wird momentan nur ein Covid-19-Patient auf der Intensivstation behandelt. "Das ist der erfreuliche Effekt der Impfung", sagt Prof. Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg: "Sie bietet einen sehr großen Schutz vor schweren Verläufen, auch bei einer Infektionen mit der Delta-Variante des Coronavirus."

Laut Kurzai habe es bei ähnlichen Inzidenzen im Frühjahr wesentlich mehr schwere Krankheitsverläufe gegeben, als das aktuell der Fall ist. In der dritten Welle im Frühjahr wurden in der Uniklinik bis zu 13 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch betreut. Drei Viertel der Intensivbetten waren damals durch sie belegt.

Auf der Intensivstation im Würzburger Klinikum Mitte wurden im April acht Covid-19-Patienten betreut. Damals war die Situation dort angespannt. Heute sind laut Pressesprecherin Daniela Kalb zwei Patienten auf der Intensivstation, einer davon muss beatmet werden. Laut Klinik sind beide Patienten nicht geimpft. Zusätzlich werden zwei weitere Covid-19-Patienten auf anderen Station betreut.

Ähnlich sieht es im Klinikum Main-Spessart aus: Ein Patient auf der Intensivstation und drei auf der Normalstation. 

Mehrere Kliniken haben keine Covid-19-Patienten auf Intensivstationen

Die Mehrzahl der befragten Krankenhäuser behandelt aktuell keine an Covid-19-Erkrankte intensivmedizinisch. Sie haben aber einige Fälle auf der Normalstation. In der Klinik Kitzinger Land und im Rhön-Klinikum Bad Neustadt sind das jeweils zwei Patienten und in der Ochsenfurter Main-Klinik ist es einer. Die Haßberg-Kliniken in Haßfurt betreuen zwei Verdachtsfälle, bei denen das Test-Ergebnis noch aussteht, unter strengen Hygiene-Maßnahmen auf Normalstation. Wie viele dieser Patienten ungeimpft und wie viele geimpft sind, haben die befragten Kliniken aus Datenschutzgründen nicht beantwortet. 

Aufgrund der steigenden Inzidenzen gehen die Krankenhäuser aber von einem Anstieg der Fallzahlen in den nächsten Wochen aus - und sind darauf vorbereiten. "Der ausgewiesene Isolierbereich auf Normalstation kann bei Bedarf jederzeit vergrößert und den aktuellen Entwicklungen angepasst werden", sagt zum Beispiel Dominik Greim, stellvertretender Pflegedienstleiter der Haßberg-Kliniken. 

"Der Anstieg der Fallzahlen in den Kliniken ist jetzt weniger steil als der der Infektionszahlen."
Prof. Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg

Der momentane unterfränkische Corona-Hotspot ist Schweinfurt und im dortigen Leopoldina-Krankenhaus liegen auch die meisten Covid-19-Patienten: Insgesamt sieben - und einer davon mit Beamtmungstherapie auf der Intensivstation. Auch im Leopoldina stünde eine Ampel noch auf Grün. "Aktuell läuft der Krankenhaus-Betrieb weitestgehend ohne Einschränkungen", sagt Pressesprecher Christian Kirchner. Als im April im Leopoldina-Krankenhaus sieben Patienten intensivmedizinisch betreut wurden, mussten Operationen verschoben werden.

Auch in Schweinfurt rechnet man mit einem weiteren Anstieg der Krankenhaus-Fallzahlen. "Vor dem Hintergrund steigender Inzidenzen werden wir mit Beginn der nächsten Woche unsere Task-Force wieder regelmäßig einsetzen", sagt der Leopoldina-Sprecher.

Prof. Kurzai: Kliniken werden auch im Herbst Kapazitäten haben

Der Würzburger Mikrobiologe Oliver Kurzai hält die Inzidenz unverändert für ein wichtiges Frühwarnsystem. "Aber der Anstieg der Fallzahlen in den Kliniken ist jetzt weniger steil als der der Infektionszahlen." Die Gefahr der Überlastung des Gesundheitssystems bestehe deshalb nicht mehr. "Auch wenn im Herbst die Fallzahlen weiter zunehmen, werden wir in den Kliniken Kapazitäten haben."

Das bedeute aber nicht, dass die Situation für Ungeimpfte ungefährlich sei. Aus seiner Erfahrung in der Praxis weiß Kurzai, dass schwere Krankheitsverläufe gerade bei jüngeren Patienten, die jetzt häufiger behandelt werden, zu langfristigen Komplikationen führen. "Das sollte niemand unterschätzen."

 
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  • H. B.
    Hat Schweinfurt nicht zwei Krankenhäuser?
    Wie siehts da aus?
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  • P. S.
    Gut, und wenn der Gesetzgeber die PPUGV wieder aussetzen würde, was er schon mal getan hat, wäre die Kapazität sicher noch einiges höher. Aber wir werden ja sehen ob es überhaupt nötig wird.
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  • A. M.
    Folge wird sein, dass noch mehr Pflegekräfte die Kliniken verlassen werden. Man hat lange genug mit Pflegekräfte rumgespielt. Eine Teilschuld ist da leider dieses System mit PPUGV. Wie sagten sie so schön, man wird sehen!
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    Es ist eigentlich verachtend den Mitarbeitern gegenüber anstatt weiteren Restriktionen, ja tatsächlich gegen Ungeimpfte, hier von einer Aussetzung des PPUGV zu sprechen.

    Es sollten sich alle wünschen JETZT nicht krank zu werden, denn die benötigen die Unterstützung im Krankenhaus.
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