zurück
Würzburg
OB-Kandidatin Eva von Vietinghoff-Scheel: "Ich hatte als Anwältin oft das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen"
Eva von Vietinghoff-Scheel bewirbt sich um das Amt der Oberbürgermeisterin. Im Podcast "Würzburg wählt" erzählt sie, was sie prägte und was sie bewegt.
Im Podcast spricht Eva von Vietinghoff-Scheel über ihre Kandidatur für die OB-Wahl in Würzburg.
Foto: Silvia Gralla | Im Podcast spricht Eva von Vietinghoff-Scheel über ihre Kandidatur für die OB-Wahl in Würzburg.
Ivo Knahn
Ivo Knahn
 |  aktualisiert: 24.03.2025 02:29 Uhr

Im Main-Post-Podcast "Würzburg wählt" geben die Kandidatinnen und der Kandidat für das Oberbürgermeisteramt Einblick in ihren persönlichen und politischen Werdegang. Welche Schicksalsschläge und Erfahrungen prägen heute die Arbeit der vier Politikerinnen und des Politikers? Einen Auszug aus dem Gespräch von Chefredakteur Ivo Knahn mit Eva von Vietinghoff-Scheel finden Sie hier:

Frage: Sie haben vor der Bundestagswahl auf Instagram ein Video veröffentlicht, in dem Sie erzählen, dass Sie selbst 14 Jahre Ausländerin waren.

Eva von Vietinghoff-Scheel: Ja, mein Vater war in der Entwicklungshilfe und meine Familie war immer im Ausland unterwegs. Ich wäre beinahe in Marokko auf die Welt gekommen. Meine Schwester ist drei Jahre vor mir in Peru auf die Welt gekommen, ich bin dann doch einfach nur in Leonberg geboren. Dann waren wir in Burundi, später im Kindergarten und in einer Art Vorschule im Jemen. Später waren wir sieben Jahre in Chile, da hat sich mein Vater einen Jugendtraum erfüllt und 400 Hektar Land gekauft. Das war natürlich für mich eine herrliche Kindheit.

Anzeige für den Anbieter Spotify über den Consent-Anbieter verweigert
Was ist Ihnen aus dieser Zeit bis heute geblieben?

Von Vietinghoff-Scheel: Ich weiß, dass man überall auf dieser Welt leben kann, dass es überall auf dieser Welt nette Menschen gibt. Das finde ich sehr beruhigend. Ich habe noch nie eine andere Erfahrung gemacht, als dass man immer auch Menschen hatte, die einem geholfen haben, die einen unterstützt haben. Das ist auch der Grund, warum ich sage, wenn irgendjemand meine Hilfe braucht, dann bekommt er die.

Sie sind Juristin, wollten aber nicht als Anwältin arbeiten. Warum nicht?

Von Vietinghoff-Scheel: Ich war kurze Zeit Anwältin in Frankfurt in einer Großkanzlei. Ich war im Bereich Pharmarecht und Lebensmittelrecht tätig. Unser Mandant war eine große Firma mit viel Geld, die sich sehr gute Juristinnen und Juristen leisten kann. Und dann war da ein kleiner Geschädigter gegenüber - ich hatte einfach oft das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen.

Sie wurden Verwaltungsjuristin und haben viel in Behörden gearbeitet. Die meisten Menschen verbinden mit Behörde auch Bürokratie, und das wird selten positiv beschrieben.

Von Vietinghoff-Scheel: Bürokratie kann einen schon wahnsinnig machen. Aus meiner Sicht ist das Hauptproblem, dass den Menschen, die letztendlich entscheiden, zu wenig Spielraum gegeben wird. Ich glaube, wir müssen wieder lernen, Verantwortung abzugeben, zu vertrauen, dass die Menschen, die eine Entscheidung treffen, diese im besten Sinne treffen. Natürlich, es gibt überall schwarze Schafe, aber die kriegen wir auch nicht durch noch mehr Vorgaben eingefangen.

Ihr Mann Christoph Vogel ist bei den Freien Wählern und stellvertretender Landrat in Main-Spessart. Sie sind bei der SPD. Streiten sie?

Von Vietinghoff-Scheel: Wir sprechen über Politik nicht so tief, dass wir da streiten würden. Wir tauschen unsere Meinungen aus, aber wir müssen uns auch nicht gegenseitig überzeugen. Ich freue mich, dass ich über meinen Mann einfach auch andere Aspekte und die Sichtweisen der Freien Wähler kennenlerne. Manchmal ist man ja doch auch in seiner Blase unterwegs und das will ich eigentlich nicht. Ich will immer bereit sein, wirklich alles gut anzuhören und mir Gedanken machen zu können. Und ich finde, am Ende kann man seine Meinung auch mal ändern.

Die Fragen und Antworten sind ein Auszug aus einem etwa 40-minütigen Podcast mit Eva von Vietinghoff-Scheel im Vorfeld der Oberbürgermeister-Wahl am 4. Mai. Das ganze Gespräch und die Gespräche mit den anderen Kandidatinnen und dem Kandidaten gibt es auf YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.

 
Themen & Autoren / Autorinnen
Würzburg
Ivo Knahn
Freie Wähler
Main-Post Würzburg
OB-Wahl Würzburg 2025
Podcasts
SPD Würzburg
Schwestern
YouTube
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden Jetzt registrieren

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits von 50 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen
Kommentare
Aktuellste
Älteste
Top
  • Heike Pauline Grauf
    Frau von Vietinghoff-Scheel stammt aus einem alten Adelsgeschlecht. Ihr Vater war in der Entwicklungshilfe tätig und konnte davon(?) 400 Hektar Land in Chile kaufen. Sie weiß, dass man "überall auf dieser Welt leben kann". Nur, Deutschland ist ziemlich voll. Für Geringverdiener gibt es kaum mehr Wohnraum. Sicherlich ist das Vietingshoffsche Adelsgeschlecht freudig bereit, deutschen Armutsmigranten auf diesen 400 Hektar kostengünstig eine neue Heimat zu bieten. Der Absturz von Industrie, Abfallwirtschaft und Individuen schreitet beängstigend voran. Den nüchternen Schöngeist packt die Auswanderungswut, wenn er diese von weggeworfenem Müll und Cannabisgeruch regierte Stadt betritt. Riecht so der Krieg? Anscheinend. Die einzige Waffe, die der Deutsche noch bedienen kann, ist die shotgun bong. HELP. Unglaublicher O-Ton Eva von Vietinghoff-Scheel: "wenn irgendjemand meine Hilfe braucht, dann bekommt er die." Gut zu wissen. Ich brauche auch Hilfe. Diese Frau MUSS Obine werden!
    • Bitte melden Sie sich an Gefällt mir () Gefällt mir nicht mehr ()
    • Antworten
  • Heike Pauline Grauf
    Leider verstößt der Kommentar gegen die Kommentarregeln auf mainpost.de. Wir haben den Kommentar deshalb gesperrt.
    • Bitte melden Sie sich an Gefällt mir () Gefällt mir nicht mehr ()
    • Antworten
  • Heinrich Juestel
    Für Würzburg ein Gewinn. Als Juristin verwaltungsaffin, als Geschäftsführerin der Landkreis-GmbH zeigte sie wortschaftlichen Sachverstand. Da in verschiedenen Kontinenten aufgewachsen, kann sie über den provinziellen Tellerrand blicken. Ihr Mann bei den Freien Wählern: Also auch offen für andere Argumente ausserhalb der eigenen Blase und keine familiäre Klüngelwirtschaft.
    • Bitte melden Sie sich an Gefällt mir () Gefällt mir nicht mehr ()
    • Antworten
  • Norbert Meyer
    Scheint mir die einzigste, die für das Amt geeignet ist !!
    • Bitte melden Sie sich an Gefällt mir () Gefällt mir nicht mehr ()
    • Antworten
  • Martin Deeg
    Eine ehrliche Juristin, für die nicht zuerst Status, Geld und Macht zählt - ausgerechnet in Würzburg?

    Und sich eine Meinung erst durch Zuhören und andere Sichtweisen zu bilden ist schon sehr außergewöhnlich und mutig in dieser Welt, in der die „Kernkompetenz“ der führenden Politik das Schüren von Ängsten, die mackerhaft grimassierend zur Schau getragene „Gewissheit“ und die Verächtlichmachung des Gegners ist.
    • Bitte melden Sie sich an Gefällt mir () Gefällt mir nicht mehr ()
    • Antworten