
Im Main-Post-Podcast "Würzburg wählt" geben die Kandidatinnen und der Kandidat für das Oberbürgermeisteramt Einblick in ihren persönlichen und politischen Werdegang. Welche Schicksalsschläge und Erfahrungen prägen heute die Arbeit der vier Politikerinnen und des Politikers? Einen Auszug aus dem Gespräch von Chefredakteur Ivo Knahn mit Eva von Vietinghoff-Scheel finden Sie hier:
Eva von Vietinghoff-Scheel: Ja, mein Vater war in der Entwicklungshilfe und meine Familie war immer im Ausland unterwegs. Ich wäre beinahe in Marokko auf die Welt gekommen. Meine Schwester ist drei Jahre vor mir in Peru auf die Welt gekommen, ich bin dann doch einfach nur in Leonberg geboren. Dann waren wir in Burundi, später im Kindergarten und in einer Art Vorschule im Jemen. Später waren wir sieben Jahre in Chile, da hat sich mein Vater einen Jugendtraum erfüllt und 400 Hektar Land gekauft. Das war natürlich für mich eine herrliche Kindheit.
Von Vietinghoff-Scheel: Ich weiß, dass man überall auf dieser Welt leben kann, dass es überall auf dieser Welt nette Menschen gibt. Das finde ich sehr beruhigend. Ich habe noch nie eine andere Erfahrung gemacht, als dass man immer auch Menschen hatte, die einem geholfen haben, die einen unterstützt haben. Das ist auch der Grund, warum ich sage, wenn irgendjemand meine Hilfe braucht, dann bekommt er die.
Von Vietinghoff-Scheel: Ich war kurze Zeit Anwältin in Frankfurt in einer Großkanzlei. Ich war im Bereich Pharmarecht und Lebensmittelrecht tätig. Unser Mandant war eine große Firma mit viel Geld, die sich sehr gute Juristinnen und Juristen leisten kann. Und dann war da ein kleiner Geschädigter gegenüber - ich hatte einfach oft das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen.
Von Vietinghoff-Scheel: Bürokratie kann einen schon wahnsinnig machen. Aus meiner Sicht ist das Hauptproblem, dass den Menschen, die letztendlich entscheiden, zu wenig Spielraum gegeben wird. Ich glaube, wir müssen wieder lernen, Verantwortung abzugeben, zu vertrauen, dass die Menschen, die eine Entscheidung treffen, diese im besten Sinne treffen. Natürlich, es gibt überall schwarze Schafe, aber die kriegen wir auch nicht durch noch mehr Vorgaben eingefangen.
Von Vietinghoff-Scheel: Wir sprechen über Politik nicht so tief, dass wir da streiten würden. Wir tauschen unsere Meinungen aus, aber wir müssen uns auch nicht gegenseitig überzeugen. Ich freue mich, dass ich über meinen Mann einfach auch andere Aspekte und die Sichtweisen der Freien Wähler kennenlerne. Manchmal ist man ja doch auch in seiner Blase unterwegs und das will ich eigentlich nicht. Ich will immer bereit sein, wirklich alles gut anzuhören und mir Gedanken machen zu können. Und ich finde, am Ende kann man seine Meinung auch mal ändern.
Die Fragen und Antworten sind ein Auszug aus einem etwa 40-minütigen Podcast mit Eva von Vietinghoff-Scheel im Vorfeld der Oberbürgermeister-Wahl am 4. Mai. Das ganze Gespräch und die Gespräche mit den anderen Kandidatinnen und dem Kandidaten gibt es auf YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.
Und sich eine Meinung erst durch Zuhören und andere Sichtweisen zu bilden ist schon sehr außergewöhnlich und mutig in dieser Welt, in der die „Kernkompetenz“ der führenden Politik das Schüren von Ängsten, die mackerhaft grimassierend zur Schau getragene „Gewissheit“ und die Verächtlichmachung des Gegners ist.