Die australische Justiz stellt die Geduld der Angehörigen der getöteten Simone Strobel auf eine harte Probe: In einer vorbereitenden Anhörung im australischen Lismore fiel am Mittwoch auch im dritten Anlauf keine Entscheidung darüber, wann der Prozess beginnt. Der soll nach fast 18 Jahren den rätselhaften Tod der 25-jährigen Erzieherin aus Rieden (Lkr. Würzburg) klären.
Dies berichteten Cathy Adams und David Kirkpatrick von der lokalen "Lismore City News" nach der Anhörung. Dort hatte der Generalstaatsanwalt "um mehr Zeit zur Vorbereitung des Verfahrens" gegen Simones Ex-Freund Tobias M. gebeten, der des Mordes verdächtigt wird. Der 42-Jährige stammt aus dem Landkreis Main-Spessart und lebt seit Jahren in Australien.
Verdächtiger Tobias M. beteuert seine Unschuld
Nach einer kurzen Anhörung vor Richter Jeff Linden im Amtsgericht Lismore wurde der Fall erneut vertagt, auf den 15. März 2023. Damit erscheint immer wahrscheinlicher, dass ein Prozess – wenn überhaupt – erst 2024 beginnt. Es werde "ein langwieriger Prozess", sagte ein leitender Ermittler am Rande der Anhörung den Reportern.
Auch bei dem neuen Vorbereitungstermin in drei Monaten muss der Verdächtige nicht persönlich vor Gericht erscheinen, der nach seiner Festnahme im Juli gegen Kaution und strengen Auflagen auf freiem Fuß ist. Tobias M. lebt im westaustralischen Perth. Er wird verdächtigt, seine damalige Freundin nach einem nächtlichen Streit erstickt und auf einem nahen Sportgelände versteckt zu haben. Ihre Leiche wurde erst nach fünf Tagen gefunden.
Der Verdächtige beteuert seine Unschuld. Er machte sich aber durch Handlungsweisen und Aussagen verdächtig, die Ermittler denken lassen, dass er die Tat und seine Rolle dabei zu vertuschen versuchte. Er muss sich dreimal pro Woche bei der Polizei melden. Sein Pass ist eingezogen, ihm ist verboten, mit anderen Beteiligten in Kontakt zu treten – speziell mit seinen zwei Reisebegleitern bei dem tödlichen Vorfall, die wieder in Unterfranken leben. Die Polizei ist überzeugt davon, dass beide mehr über den Vorfall wissen, als sie zugeben. Ihre hiesigen Anwälte bestreiten das.
Paralleles Verfahren in Deutschland denkbar
Denkbar wäre für die hiesige Justiz ein paralleles Verfahren in Deutschland – wenn sie wüsste, welche belastenden Indizien die Australier für eine Schuld von Simones Ex-Freund haben. Bereits Ende Juli hatten die australischen Behörden öffentlich die Auslieferung der beiden Deutschen für den Prozess gefordert – wohl wissend, dass eine Auslieferung nach deutschem Recht kaum möglich ist.
Fünf Monate nach lautstarken Ankündigungen vor den Kameras der australischen Medien ist indes kein formelles Auslieferungsbegehren bei Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach in Würzburg angekommen, das ihm Ermittlungen erlauben würde. Dies bestätigte Seebach jüngst erneut auf Anfrage.
Er hat seinerseits im September die australischen Ermittler per Rechtshilfe-Ersuchen um Aufklärung gebeten. Bisher bekam er – wie er auf Anfrage sagte – aber lediglich eine formale Bestätigung, dass das Schreiben aus Würzburg eingegangen sei.
Vernehmung in Deutschland für Prozess in Australien?
Theoretisch könnten die australischen Behörden laut Bundesjustizamt mit einem Rechtshilfeersuchen die deutschen Kollegen bitten, die Verdächtigen in Bayern zu vernehmen, sogar in Anwesenheit australischer Beamter. Dies ist aber bisher offenbar nicht geschehen.
Den Verdächtigen drohten in Australien höhere Strafen als in Deutschland, sagte der in Australien und Deutschland tätige Juraprofessor Greg Taylor der Nachrichtenagentur dpa. "In Australien gibt es keine Höchststrafe für Mord. Es ist buchstäblich lebenslänglich möglich", sagte Taylor. Das gelte auch für Beihilfe zum Mord. Grundlage sei das Strafrecht des Bundesstaats New South Wales.
Ich bin nicht sicher, aber: Vielleicht gibt es ja ganz am Ende doch eine noch höhere Instanz als das Strafrecht...
Manfred Schweidler, Reporter dieses Berichts.
Wie schlimm muss das für die Freunde und die Familie sein?
Ich bin der Mainpost dankbar für die Berichterstattung, finde aber das in letzter Zeit in einigen Berichten eine Erwartung geschürt wurde die nicht eingetroffen ist. Vielleicht geht es aber auch nur mir so.