Als Thomas Obmann 1996 gemeinsam mit seiner Frau Johanna in Hafenlohr ein Haus baute, blieben ihnen bei der Art der Heizung nur zwei Möglichkeiten: eine Ölheizung oder eine Wärmepumpe. Einen Gasanschluss gab es damals in ihrer Straße nicht. Mit Öl zu heizen, kam für Obmann nicht in Frage. "Mir war klar, dass ich in meinem Neubau keinen Öltankraum haben möchte", sagt er. Neben dem störenden Geruch war für ihr vor allem der Gedanke, dass fossile Energieträger endlich sind, ausschlaggebend.
Eine Wärmepumpe fand er deshalb interessant, denn Strom werde es immer geben, so Obmann. Mit der Technik kannte er sich damals schon ein wenig aus, weil er beruflich in der Baustoffbranche beschäftigt war. Über seinen Beruf hatte er auch Kontakt zu dem Heizungsbauer Roman Weimann, der als Wärmepumpen-Pionier im Landkreis Main-Spessart gilt. Heute sind Wärmepumpen in aller Munde. "Doch für private Haushalte waren Wärmepumpen damals ganz neu", erzählt Obmann. Die Firma von Weimann sei damals die einzige gewesen, die solche Geräte überhaupt eingebaut habe – alle anderen angefragten Heizungsbau-Firmen hätten ihm sogar davon abgeraten.
Behörde genehmigte keine Grundwasser-Bohrung
Auch wenn er sich mit Weimann gut beraten fühlte, war es doch ein kleines Wagnis. Schließlich konnte man damals nicht im Internet recherchieren oder Erfahrungsberichte von anderen lesen. "Es war nicht blauäugig, aber schon mutig", sagt Obmann rückblickend. Ihm habe gefallen, dass der Heizungsbauer mit so großem Engagement bei der Sache war.
Kurz bevor es mit den Bohrungen losgehen sollte, kam es dann doch noch einmal anders als geplant. Eigentlich sollte das Haus eine Grundwasser-Wärmepumpe bekommen, bei der eine Erdsonde 60 Meter tief in den Boden geht. "Das ist die effizienteste Variante bei Wärmepumpen", erklärt Obmann. Doch die nötige Genehmigung dafür bekam er nicht: Denn das Wasserwirtschaftsamt hatte Bedenken, das Grundwasser anzubohren. Zu diesem Zeitpunkt war das Haus aber schon so weit gebaut, dass für einen Heizraum mit Öltank kein Platz mehr gewesen wäre.
Gemeinsam mit dem Hersteller des Gerätes fanden sie dann eine Alternative: Statt einer 60 Meter-Bohrung wurden schließlich acht Bohrungen mit Abständen von zwei Metern gemacht, jeweils zehn Meter tief. So ergaben sich insgesamt 80 Meter Leitungslänge. Rechnerisch sollte er damit auf die gleiche Leistung wie bei der ursprünglich geplanten Variante kommen. "Wir haben jetzt eine ganz normale Erdwärmepumpe, das hat nichts mehr mit Grundwasser zu tun", so Obmann.
Durch das Umplanen wurde das Projekt zwar deutlich teurer als geplant und hat auch länger gedauert, "aber es hat uns damals auch gereizt, so etwas Innovatives zu machen", sagt Johanna Obmann. An die Bohrungen selbst, die sie als aufregend empfunden habe, erinnert sie sich noch gut: "Da kam eine Spezialfirma extra aus dem Schwarzwald. Unsere Nachbarn hatten das Haus frisch verputzt und bei uns kam nur roter Staub raus."
Durch Ökostrom wird das Haus CO2-neutral beheizt
Die Entscheidung für eine Wärmepumpe haben die Obmanns dennoch nicht bereut: Seit 26 Jahren läuft das Gerät ohne Probleme. "Die Wartungskosten sind bis heute bei null", so Thomas Obmann. Und auch für den Kaminkehrer falle nichts an. Die Anschaffungskosten waren dennoch nicht gering: Circa 35.000 Mark hat das Komplettpaket gekostet, mit zwei Wärmepumpen (für die Heizung und das Warmwasser), den Bohrungen und der Fußbodenheizung. "Ich weiß nicht, ob wir insgesamt billiger als mit einer normalen Heizung gefahren sind, aber darum ging es gar nicht. Der ökologische Gedanke war uns einfach wichtig." Die Familie beziehe Ökostrom und könne das Haus so quasi CO2-neutral heizen.
Die Wärmepumpe verbraucht jährlich zwischen 6000 und 8000 Kilowattstunden Strom und hat eine Jahresarbeitszahl von vier: Das bedeutet, dass eine Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme erzeugt. "Damals gab es einen Sondertarif von E.ON für Wärmepumpen, da hat die Kilowattstunde nur 8,5 Pfennig gekostet", erzählt Obmann. Für circa 600 Mark habe er so das ganze Haus beheizt, inklusive Warmwasser. "Das war unschlagbar günstig zu der Zeit." Mit den steigenden Stromkosten habe sich das im Laufe der Jahre natürlich relativiert, heute hat er Stromkosten von circa 1600 Euro, für die Wärmepumpe und das Warmwasser.
In kalten Winternächten springt ein zusätzlicher Heizstab an
Wenn es im Winter mal ganz kalt werde, springe ein zusätzlicher Heizstab an, der im Gerät verbaut ist. Dieser lässt die Vorlauftemperatur auf 38 bis 40 Grad steigen. "Das schafft die Erdwärme allein nicht, da liegt die Vorlauftemperatur bei rund 35 Grad", so Obmann. Wenn der Heizstab anspringt, steige der Stromverbrauch natürlich stark an. "Da laufen dann schon einmal fünf Kilowatt die Stunde durch", so Obmann. An der Gesamtrechnung merke er, ob es ein kalter oder warmer Winter war.
Dass im vergangenen Jahr viel über klimafreundliches Heizen debattiert wurde und es einen regelrechten Ansturm auf Wärmepumpen gab, haben die Obmanns aufmerksam verfolgt. Denn normalerweise hält das Gerät circa 20 bis 25 Jahre. Inzwischen müssen sie sich also darauf einstellen, bald ein neues Gerät anzuschaffen. "Als wir in den Nachrichten ständig gesehen haben, dass nichts mehr geliefert werden kann, hatten wir schon Angst, dass wir nichts mehr bekommen, wenn die Wärmepumpe kaputt geht", erzählt Johanna Obmann lachend. "Aber sie läuft noch."
Und natürlich auch wieder eine gute Werbung für die Heizungsfirma.
Mit freundlichen Grüßen
Ralf Zimmermann, Main-Post Digitales Management
Christine Behringer