
Vor zwei Jahren hat der TSV Rödelsee seine Mannschaft vom Spielbetrieb der Handball-Bezirksliga zurückgezogen. In der zweituntersten Spielklasse trat der Klub aus der 2000 Einwohner zählenden Gemeinde im Landkreis Kitzingen, der über Jahre als Handball-Aushängeschild in Unterfranken galt und bis in die Dritte Liga aufgestiegen war, zuletzt an.
Zur Saison 2025/26 wagen die Rödelseer das Comeback. Radovan Suchy, seit einem Jahr Vorsitzender des Vereins, bestätigt das: "Wir werden wieder eine Männer-Mannschaft melden." Vereinsmitglied und Handball-Schiedsrichter Hartmut Heß hatte darauf gedrängt, dass es nicht sein könne, dass der TSV mit seiner sportlichen Vergangenheit keine Handballer mehr habe.
Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden sei das Drängen intensiver geworden. Schließlich steht der 48-Jährige für die erfolgreichen Zeiten des Rödelseer Handballs mit Meisterschaften und Aufstiegen bis in die Dritte Liga. Allerdings war Suchy auch dabei, als sich der Verein aus jener Liga zurückzog und fortan in der Bezirksoberliga startete, aus der der TSV schließlich 2022 absteigen musste. Im Jahr darauf, noch eine Klasse tiefer, kam das sportliche Aus.
Mit Handball-Abteilungsleiter Jürgen Schmitt habe er erste Gespräche geführt und gemerkt, dass auch bei potenziellen Spielern ein Interesse vorhanden sei, obwohl der TSV in der untersten Liga, der Bezirksklasse, starten müsse. "Nach und nach hat es an Fahrt aufgenommen", berichtet Suchy. Es seien "einfache Gespräche" gewesen, Überzeugungsarbeit habe das Duo nicht leisten müssen. "Die jungen Leute waren begeistert, dass beim TSV wieder was geht."
Früherer Spieler bringt sich selbst als Trainer ins Spiel
Zusätzlichen Anschub erhielt das Vorhaben mit der Zusage von Maximilian Häckner als Trainer. "Eigentlich hatten wir ihn als Spieler auf der Liste", gesteht Suchy. Für die erweiterte Aufgabe habe sich der 35-Jährige selbst ins Spiel gebracht. Die Verantwortlichen nahmen dankend an: "Maxi ist als Spieler sehr erfahren und hat als Trainer in Michelfeld hervorragende Arbeit geleistet." Häckner spielte für den TSV in der Dritten Liga, bis sich der Verein 2016 aus dieser zurückzog. Daraufhin ging er für sechs Jahre als Spielertrainer zum SV Michelfeld.
Der TSV Rödelsee ist Häckners Heimatverein, nur für kurze Zeit hatte er den Klub verlassen, um von 2006 bis 2008 für den HSC Bad Neustadt zu spielen. Dass er als Trainer zugesagt habe, "hat die Gespräche enorm erleichtert", sagt Suchy. Als "eine spannende Mischung von ganz jung bis ganz alt" sieht Häckner den circa 15 Spieler zählenden Kader.
Er macht keinen Hehl daraus, dass die Bezirksklasse auf Dauer nicht der Anspruch sein dürfe, weiß aber auch: "Zuerst müssen wir zueinanderfinden. In Rödelsee sind jedenfalls alle froh darüber, dass es wieder Handball zu sehen gibt." Auch Suchy möchte in seiner neuen Rolle keine hohen sportlichen Ziele ausrufen: "Als Trainer hätte ich das getan. Als Vorsitzender ist es für mich wichtiger, dass wir die Männer-Mannschaft langfristig etablieren."
Ob die Rödelseer ihre Heimspiele wie früher in der Sickergrundhalle in Kitzingen austragen, sei bislang nicht final entschieden. Gerne würde der TSV laut Suchy in die alte, nun rundum erneuerte Heimspielstätte zurückkehren: "Das ist unsere erste Option. Wenn die modernisierte Halle in Kürze eröffnet wird, ist sie ein echtes Schmuckstück."