
Ein mächtiges Bollwerk gegen Kriminalität im Internet entsteht derzeit in Ochsenfurt. 20 regionale Unternehmen und Institutionen beteiligen sich finanziell am Technologietransferzentrum für Cyber-Sicherheit, kurz TTZ-WUE, das die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) in der Klingentorpassage aufbaut. Jetzt wurde der Stiftungsvertrag unterzeichnet.
Der Schutz vor Cybercrime sei inzwischen zu einer elementaren Herausforderung für Unternehmen und öffentliche Verwaltungen geworden, sagte Informatik-Professor Sebastian Biedermann, der Leiter des TTZ-WUE, bei einem Pressetermin im Dezember. Laut dem Bundeskriminalamt waren 2023 vor allem Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und IT-Dienstleister Ziel von Cyberangriffen. Dabei geht es unter anderem um den Diebstahl sensibler Daten. Unternehmen und Verwaltungen werden häufig mit sogenannter Ransomware erpresst. Die Schadsoftware verschlüsselt Daten, die erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder freigegeben werden. Der Branchenverband Bitcom beziffert den Schaden durch Cybercrime in Deutschland auf jährlich über 200 Milliarden Euro.
"Mit dem TTZ-WUE schaffen wir einen Ort, an dem praxisnahe Forschung auf aktuelle Herausforderungen der Cybersicherheit trifft", so Sebastian Biedermann bei der Unterzeichnung des Stiftervertrages. Ziel sei es, gemeinsam mit Unternehmen und Institutionen innovative Lösungen zu entwickeln, die digitale Systeme widerstandsfähiger machen und aktiv zum Schutz von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft beitragen. Die Zusammenarbeit erlaube dem TTZ-WUE eine Forschung nah an den Anforderungen der betrieblichen Praxis. Gleichzeitig profitieren die beteiligten Partner von den aktuellsten Entwicklungen der Cyber-Sicherheit.

"Mit dem Technologietransferzentrum wird eine schlagkräftige Einrichtung geschaffen, um Cyber-Angriffe abzuwehren und sichere Lösungen für die Zukunft zu entwickeln", wird THWS-Präsident Jean Meyer in einer Pressemitteilung der Hochschule zitiert. In Ochsenfurt entstehe damit eine hochmoderne Forschungseinrichtung, die zeige, dass Hochtechnologie nicht nur in den Metropolen angesiedelt sein muss, sagt Landrat Thomas Eberth. Vom TTZ-WUE verspricht sich Eberth eine Stärkung des Landkreises als Innovationsstandort und wichtige Impulse für Wirtschaft und Verwaltung.
Cyber-Abwehr durch Künstliche Intelligenz ist ein Forschungsschwerpunkt
Drei Forschungsschwerpunkte beschäftigen das TTZ nach den Worten ihres Leiters maßgeblich. Im ersten geht es um die Verbindung von Cyber-Sicherheit und künstlicher Intelligenz. Die KI eröffne zwar neue Möglichkeiten für die Sicherung digitaler System, so Biedermann, werde aber auch von Angreifern genutzt, um klassische Sicherheitsmechanismen zu umgehen. Die Forschung konzentriere sich deshalb auf die Entwicklung robusterer KI-Modelle.

Ein weiterer Schwerpunkt beschäftigt sich mit der "Threat Intellgence", also dem frühzeitigen Erkennen von Bedrohungslagen. Dazu betreibt das TTZ mehrere sogenannte "Honey Pots". Dabei handelt es sich um virtuelle Server, die nach außen den Anschein haben, als enthielten sie sensible Daten. Frühzeitig will man so die Taktiken von Angreifern erkennen, um Sicherheitsstrategien vorausschauend zu verbessern und Unternehmen aktiv vor neuen Bedrohungen zu schützen.
Im Forschungsschwerpunkt Sicherheits-Management geht es schließlich um den Faktor Mensch. Hier werden unter anderem praxisnahe Schulungskonzepte erarbeitet und automatisierte Kontrollmechanismen entwickelt, die Unternehmen und Institutionen ganzheitlich in ihrer Sicherheitsarchitektur unterstützen.
Zurzeit unternimmt Professor Sebastian Biedermann gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden und den Stifterunternehmen eine Bestandsaufnahme, um deren Bedarfe zu ermitteln. Daraus sollen dann konkrete Forschungsprojekte abgeleitet werden. Langfristig sollen am TTZ-WUE neben Professor Biedermann zwei technische Mitarbeiter und sechs bis sieben wissenschaftliche Mitarbeiter oder Doktoranden tätig sein.
Nach fünf Jahren soll sich das TTZ-WUE wirtschaftlich selbst tragen
Die jährlichen Gesamtkosten des TTZ-WUE in Ochsenfurt beziffert THWS-Präsident Jean Meyer auf 1,0 bis 1,2 Millionen Euro. Die Räumlichkeiten in Ochsenfurt werden vom Landkreis Würzburg bereitgestellt, die leitende Stiftungsprofessur wird von den Stiftungsunternehmen gesponsert. Im Rahmen des Programms "Hightech Transfer Bayern" fördert der Freistaat das Projekt über einen Zeitraum von fünf Jahren. Nach dieser Zeit, so hofft Meyer, soll sich das Zentrum wirtschaftlich selbst tragen können.
Als Stifter am TTZ-WUE sind beteiligt: Landkreis Würzburg, Stadt Ochsenfurt, IHK Würzburg-Schweinfurt, Handwerkskammer für Unterfranken, AKDB, Bavaria Yacht GmbH, BDO Cyber Security GmbH, BDO Digital GmbH, Blutspendedienst des BRK, Daimler Truck AG, Forkium Deutschland GmbH, Knauf Information Service GmbH, N-ERGIE AG, perma-tec GmbH & Co. KG, REEL GmbH NKM Noell Special Cranes, Schaeffler Technologies AG & CO. KG (Vitesco Technologies GmbH), Secure Cloud Services AG, Sparkasse Würzburg Mainfranken, SSI Schäfer Automation GmbH, TakeASP AG.