
Wer mit offenen Augen durch Aub geht, kann an vielen Ecken Spuren jüdischen Lebens entdecken. Denn anders als in vielen anderen fränkischen Gemeinden hatte die Stadt im südlichen Landkreis Würzburg vom Mittelalter an bis zur Zeit des Nationalsozialismus durchgängig auch jüdische Bewohnerinnen und Bewohner. Dieser Aspekt der Vergangenheit war im Auber Spitalmuseum bislang allerdings kaum repräsentiert. Das soll sich nun ändern. Eine neue Abteilung im ersten Stock des Museums mit dem Titel "Ortswechsel – Zeitenwechsel" rückt ab sofort die wechselvolle Geschichte der Jüdinnen und Juden in Aub in den Fokus. Eine Geschichte der Ausgrenzung und Unterdrückung, Annäherung und Gemeinschaft.
Schautafeln, ein Video, eine Hörstation sowie verschiedene historische Gegenstände – vom Kleiderbügel aus dem jüdischen Geschäft bis zum Chanukka-Leuchter – geben einen Einblick in die verlorene Welt der jüdischen Bevölkerung. Ein Stadtplan zeigt, an welchen Orten jüdische Familien lebten, wo sie beteten und bestattet wurden. "Es ist schön, dass jetzt dieser Teil der Ortsgeschichte gewürdigt wird, der lange außen vor war", sagt der ehrenamtliche Museumsleiter Georg Pfeuffer. Bislang waren nur eine Vitrine und einige kleine Schautafeln dem Thema gewidmet.
Funde in der neuen Synagoge lieferten Informationen
"Als das Museum 2004 eröffnet wurde, hatten wir einfach noch nicht das Wissen, das wir heute haben", erklärt Pfeuffer. Das ist mittlerweile anders. Besonders die Funde in der neuen Synagoge haben in den vergangenen Jahren viele Erkenntnisse über jüdisches Leben in Aub gebracht. 2016 haben Wissenschaftlerinnen dort eine Genisa - eine Art Depot zur Aufbewahrung unbrauchbar gewordener Schriften und anderer Kultgegenstände - geborgen. Später haben Grabungen zudem eine Mikwe – ein rituelles Tauchbad – zu Tage gebracht. "Ohne die Arbeiten dort, könnte man vieles jetzt nicht zeigen", sagt Pfeuffer, der selbst an den Ausgrabungen vor Ort beteiligt war.

Erste jüdische Familien haben sich in Aub bereits im 13. Jahrhundert angesiedelt. "Die sind hierhergekommen, weil der Ort ein Knotenpunkt zweier Fernhandelsstraßen war", erklärt der Museumsleiter die Hintergründe.
Dass jüdische Familien schon von dieser Zeit an Teil von Aub waren und neben der christlichen Bevölkerung hier lebten, sei für ihn eine wichtige Botschaft der Ausstellung. "Sie waren keine Fremden, auch wenn sie die meiste Zeit als Außenseiter behandelt wurden, weil sie nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehörten." Auch davon erzählt die Ausstellung. Von Antisemitismus, Ausgrenzung und Gewalt.
Auf einem Rundgang durch die Stadt gibt es noch mehr zu entdecken
Ein Zeitstrahl führt Besucherinnen und Besucher chronologisch durch die Geschichte – von der ersten schriftlichen Erwähnung eines jüdischen Bürgers 1291, über die Blütezeit im 17. Jahrhundert, bis hin zu den Deportationen in der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei gehe es in der Ausstellung um mehr als nur die Auber Ortsgeschichte, sagt Pfeuffer. "Hier kann man sich im Lokalen anschauen, wie die jüdische Geschichte in etwa in ganz Deutschland verlaufen ist."

Wer die Spuren jüdischen Lebens auch außerhalb des Museums erkunden möchte, kann die Entdeckungsreise bei einem Spaziergang durch Aub fortsetzen. Dort liefert ein Rundgang mit fünf Stationen noch mehr Informationen zu jüdischer wie christlicher Vergangenheit. Zusätzlich zu Infotafeln können sich Besucherinnen und Besucher dort mit dem Smartphone QR-Codes scannen und kleine Film-Clips abrufen.
Parallel zur neuen Abteilung ist im Spitalmuseum demnächst auch eine thematisch passende Sonderausstellung mit dem Titel "Zwischen Licht und Erinnerung" zu sehen. Die Ausstellung zeigt Werke von Benyamin Reich, einem in Israel geborenen Fotografen, der seit mehr als 15 Jahren das jüdische Leben in Deutschland in analogen Bildern auf künstlerische Weise abbildet.
Die feierliche Eröffnung der Abteilung sowie die Vernissage der Fotoausstellung finden am kommenden Sonntag, 30. März, von 15 bis 19 Uhr im Spitalmuseum statt.