
Etwa 100.000 Menschen wurden zwischen 1450 und 1750 in West- und Mitteleuropa als vermeintliche Hexe hingerichtet. Dieser Irrglaube kostete in Ochsenfurt neben einem Mädchen auch einem Schusterjungen das Leben. Einblicke in diese düstere Zeit gab der promovierte Historiker, Archivdozent und Lehrbeauftragte an der Universität Würzburg, Dr. Robert Meier, im Rahmen eines durch das Stadtarchiv Ochsenfurt ausgerichteten Vortrag. In den Ochsenfurter Hexenprozessen der Jahre 1617/18 und 1627/28 nahm das Schicksal der beiden Ochsenfurter ihren Lauf.
Soziale Randgruppen als Sündenböcke
In jener Zeit herrschten Krieg und Einquartierung von Soldaten. Die sogenannte "kleine Eiszeit" vernichtete durch Starkwetterereignisse die Ernten und die Pest wütete im Land. Schuldige für die Miseren waren in den Hexen schnell gefunden. Vor allem im Ort "verschriene" Frauen, wie Ammen, Witwen, unehelich Geborene und Kräuterfrauen, kurzum sich am Rande der Gesellschaft bewegende Personen, waren Ziel des sich zusammenrottenden Mobs, der allerorten lautstark eine Bestrafung der Hexen verlangte.

Informationen aus Domkapitelsprotokollen, Centprotokollen und aus den städtischen Recessbüchern zeigen ein spannendes Bild der Verläufe jener Hexenprozesse in Ochsenfurt. Es wird deutlich, dass das seit langer Zeit vermittelte Bild der Bischöfe als Hexenschlächter differenziert betrachtet werden muss, da mehrere Faktoren zusammenspielten, um die Hinrichtungen auszulösen. In Ochsenfurt wurden zwar 1617 drei Frauen angeklagt, verhaftet und gefoltert, jedoch aufgrund ihrer Aussagen wieder freigelassen, da sie nicht als Hexen überführt werden konnten.
Hexenverfolgung in Ochsenfurt forderte zwei Opfer
Ins Auge sticht dabei, dass die Stadtverwaltung und die Centschöffen in Ochsenfurt mitnichten aktiv an der Hexenverfolgung beteiligt waren. Sie versuchten öfter, die Prozesse nach Würzburg zu verlagern, um kein Urteil fällen zu müssen. Auch in der zweiten großen Prozesswelle im Jahre 1627 traf es die Stadt.
Damals rotteten sich 150 Bürger nach einem Unwetter im April auf den Straßen zusammen, zogen vor den Centgrafen und verlangten die Bestrafung der durch die Masse bereits ausgemachten Hexen. Das sogenannte "Butzenmadel" wurde inhaftiert und gefoltert. Es starb am nächsten Tag, vermutlich an den Folgen der "Befragung". Weitere Frauen wurden inhaftiert und verhört, jedoch wieder freigelassen.
Das zweite und damit letzte Todesopfer des Jahres 1627 in Ochsenfurt war der sich selbst der Hexerei bezichtigende Schusterjunge Götz. Der junge Schusterlehrling litt vermutlich unter dem starken psychischen Druck, den sein Umfeld auf ihn ausgeübt hat. Schließlich hatte sich Götz mit einem Geständnis beim Centgrafen selber angezeigt. Das Geständnis enthielt alle Punkte, die erfüllt sein mussten, um die Todesstrafe auszusprechen. Nach längerer Haft und Verhandlung wurde er schließlich in Würzburg enthauptet und anschließend verbrannt.
Ochsenfurt steht mit "nur" zwei Opfern noch moderat da
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die aus dem 19. Jahrhundert stammende Sichtweise, der "hexenfressenden" fränkischen Bischöfe wohl als Legende des Kulturkampfes anzusehen ist. Sicher gab es in einigen Ämtern und der Stadt Würzburg selbst furchtbare Prozesswellen, jedoch trifft dies nicht flächendeckend zu.
Die Ochsenfurter Stadtherren des Domkapitels sowie die Centschöffen zeigten weitaus weniger Entschlossenheit, den Forderungen aus der einfachen Bevölkerung nach rascher Hinrichtung vermeintlicher Hexen nachzugeben, als anderorts. Mit "nur" zwei Todesfällen kann die Hexenverfolgung in der Cent Ochsenfurt als moderat bezeichnet werden, auch wenn jedes Opfer dieser Verfolgungen eines zu viel war.
Unser Gastautor Georg Menig ist Historiker und Stadtarchivar in Ochsenfurt.
Rund 25.000 Menschen wurden in Deutschland wegen Hexerei hingerichtet, in Würzburg sollen es mehr als 350 gewesen sein, darunter laut Stadtarchiv "eine verhältnismäßig hohe Zahl von Kindern und Klerikern". Zu ihnen gehörte die Subpriorin des Klosters Unterzell, die am 21. Juni 1749 auf Höchberger Gemarkung enthauptet und am Hexenbruch verbrannt wurde. Sie gilt als letztes Opfer der Hexenverfolgungen in Franken." ... Im aktuellen Bericht ist kein Zeitraum angegeben. Eine Erklärung dieser Diskrepanz täte gut!
Religiöser Wahn und vor allem religiöse Macht tun einfach nicht gut.
Für meinen Geschmack haben die Kirchen immer noch viel zuviel Einflussnahme auf unsere Gesellschaft, vor alllem auf die Gesetzgebung. Wir in D sind leider noch weit von einem sekularen Staat entfernt.
http://www.hexen-franken.de/hinrichtungsorte/katholische-herrschaften/gerolzhofen/
Selbstreflektion tritt in Rudeln und wenn andere einen Manipulieren nun mal leider sehr selten auf...