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Kitzingen/Würzburg
Gewaltsamer Tod in Kitzinger Gemeinschaftsunterkunft: Schwere Vorwürfe gegen Regierung von Unterfranken
Am Landgericht Würzburg wird gegen einen 37-Jährigen verhandelt, der einen Zimmergenossen im Schlaf erschlagen haben soll. Zeugen werfen der Heimleitung Versäumnisse vor.
 In einem Sicherungsverfahren muss sich ein Mann vor dem Landgericht Würzburg wegen Töten eines anderen Flüchtlings in der Gemeinschaftsunterkunft Kitzingen verantworten. Wäre die Tat zu verhindern gewesen?
Foto: Daniel Bockwoldt |  In einem Sicherungsverfahren muss sich ein Mann vor dem Landgericht Würzburg wegen Töten eines anderen Flüchtlings in der Gemeinschaftsunterkunft Kitzingen verantworten. Wäre die Tat zu verhindern gewesen?
Manfred Schweidler
 |  aktualisiert: 08.02.2024 18:58 Uhr

Statt Stellung zu beziehen, hält sich die Regierung von Unterfranken bedeckt. Auf Nachfrage teilt sie nur mit, sich während des laufenden Prozesses um den gewaltsamen Tod eines Flüchtlings in Kitzingen nicht äußern zu wollen. Der Konflikt zwischen dem getöteten Iraners und dem mutmaßlichen Täter in der Gemeinschaftsunterkunft der Regierung war offensichtlich bekannt gewesen.

Eine ehrenamtliche Flüchtlingshelferin machte jetzt öffentlich, dass die beiden Männer die Heimleitung um eine Lösung des Konflikts gebeten hatten, die den Tod des 27-jährigen Iraners im Dezember 2021 vielleicht verhindert hätte: Beide hatten bei der Verwaltung demnach mehrfach darum gebeten, den psychisch auffälligen Beschuldigten in ein anderes Zimmer zu verlegen. Er hatte zuvor bereits in einem Einzelzimmer der Unterkunft gelebt.

Landsleute im Zeugenstand: Nachts für Unruhe gesorgt 

Am ersten Verhandlungstag sagten afghanische Landsleute des Beschuldigten aus, es habe mehrfach Konflikte zwischen den beiden Männern gegeben. Dabei sei auch die Polizei eingeschaltet gewesen. Der nach eigenen Angaben an Schizophrenie erkrankte 37-jährige Angeklagte sei nachts herumgelaufen, haben Türen und Fenster zugeschlagen und gegen ein Bett getreten. Vor Gericht gestand der Geflüchtete am Dienstag, den Zimmergenossen mit einem Pflasterstein im Schlaf erschlagen zu haben.

Regierung von Unterfranken: "Überwiegend auch abseits unserer unmittelbaren Zuständigkeit"

Die Flüchtlingshelferin Silke Babel hatte eine Woche nach dem mutmaßlichen Mord Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen gegen die Heimleitung gestellt. Auf Anfrage dieser Redaktion zu den Vorwürfen bestätigt ein Sprecher der Regierung nur: "Richtig ist, dass der Angeklagte zum maßgeblichen Zeitpunkt in einer Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Unterfranken (Innopark Kitzingen) untergebracht war."

Und weiter: "Es liegt uns fern, auf Zeugenaussagen und Beweisaufnahmen am Landgericht durch irgendwelche Aussagen, überwiegend auch abseits unserer unmittelbaren Zuständigkeit, Einfluss zu nehmen, indem wir uns dazu als Unterkunftsverwaltung vorab über die Medien mitteilen."

Man gehe davon aus, dass "die relevanten Sachverhalte" im öffentlichen gerichtlichen Strafverfahren "entsprechend behandelt werden".

 
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  • R. B.
    In Deutschland ist es normal, dass bei der Tötung eines Flüchtlings die Schuld nicht beim eigentlichen Täter, sondern bei der Gesellschaft oder anderen Gruppen gesucht wird. Die Frage, ob wir jemals in der Lage waren und sind, so viele Millionen Flüchtlinge aufzunehmen und entsprechend ihrer Bedürfnisse unterzubringen, wird unter den Teppich gekehrt. Der Fragesteller wird vielmehr unverzüglich als "Rechter" identifiziert und als solcher behandelt.
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  • S. C.
    Ist ja wieder mal drollig:

    "Schwere Vorwürfe gegen Regierung von Unterfranken"....... "Zeugen werfen der Heimleitung Versäumnisse vor."

    Ein Mann erschlägt einen anderen mit einem Pflasterstein, wem sollte man da zuerst Vorwürfe machen? Vielleicht erst mal dem Täter?

    Oder genügt es, "nach eigenen Angaben schizophren" zu sein, und schon ist man aus der Sache raus?
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  • H. S.
    Vorwürfe? Na wenn das Schule macht, gibt es genug Vorwürfe....
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