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Winterhausen
Aus für Bäckerei Fuchs: Wird in Winterhausen in Zukunft noch Brot gebacken?
Jetzt brummt der Laden. Warum Bäckermeister Andreas Rother trotzdem zum 30. November schließt und welche Ideen Winterhausens Bürgermeister für die Zukunft hat.
Stollen und Plätzchen hat Bäckermeister Andreas Rother frisch gebacken. Es gibt sie noch bis Ende November. Mitarbeiterin Petra Heilig wechselt danach in ein Hotel.
Foto: Antje Roscoe | Stollen und Plätzchen hat Bäckermeister Andreas Rother frisch gebacken. Es gibt sie noch bis Ende November. Mitarbeiterin Petra Heilig wechselt danach in ein Hotel.
Antje Roscoe
 |  aktualisiert: 09.02.2024 03:18 Uhr

Brot, Feingebäck, Kuchen, Teegebäck, Stollen . . . Die Regale in der Bäckerei Fuchs in Winterhausen sind gut gefüllt. Die Kunden geben sich die Klinke in die Hand. Der Laden läuft. Seit Inhaber Andreas Rother im Oktober angekündigt hatte, zu schließen und daraufhin eine Benefizaktion im Ort auf die Beine gestellt wurde, kaufen deutlich mehr Menschen beim  Handwerksbäcker in der Alten Brückenstraße ein.

"Hätten wir diesen Zulauf die letzten fünf Jahre gehabt, gäbe es die Probleme nicht," sagt Bäckermeister Rother. "Dann hätte ich genug auf der Seite". Dass er nicht genug auf der Seite hat, um die gestiegenen Energiekosten zu schultern, liege unter anderem daran, dass er die Bäckerei erst vor fünf Jahren übernommen hat und die beiden Corona-Jahre seine Rücklagen aufgezehrt hätten.

"Hätten wir diesen Zulauf die letzten fünf Jahre gehabt, gäbe es die Probleme nicht."
Bäckermeister Andreas Rother

Die Preisbremsen für Energiekosten kommen im März für ihn zu spät. "Ganz schnelle, unbürokratische Hilfe hätte ich mir gewünscht. Nicht geschenkt", sagt Rother. Trotz der beeindruckenden Solidarität im Ort, könne er die Schließung Ende des Monats nicht verhindern. Ein Bäckergeselle und zwei Verkäuferinnen in Teilzeit verlieren durch die Schließung ihre Arbeitsplätze. Und auch seine Mutter hatte immer mitgearbeitet.

Weil mit der Schließung der Bäckerei ein wichtiges Stück der Nahversorgung und ein sozialer Treffpunkt in Winterhausen verloren geht, versucht Bürgermeister Christian Luksch einen Nachfolgelösung zu finden.  Dass Rother schließt, sei nicht zu vermeiden gewesen, sagt Luksch. Der erste Dezember sei für einen Neubeginn zu kurzfristig.

Neue Bäckerei als Genossenschaft?

Luksch hat eine Gesprächsrunde mit dem Bäcker, Vertretern einer genossenschaftlich betriebenen Bäckerei in Wombach bei Lohr, den AktivSenioren und interessierten Winterhäusern initiiert. Eine Genossenschaft sei eine mögliche Betriebsform, aber man sei ergebnisoffen für alles, was funktioniert.

Dafür würden Wirtschaftlichkeitsberechnungen gebraucht. Auch eine eingeschränkte Öffnung sei vorstellbar, da Freitag und Samstag die umsatzstärksten Tage seien. Es sei ein ergebnisoffener Prozess, bei dem die Gemeinde begleitet. "Idealismus und Gemeinschaftsgefüge haben wir. Das allein reicht aber nicht", sagt Luksch.

Die Arbeitsgruppe, die er in zwei bis drei Wochen zusammenhaben möchte, soll bei der Neustrukturierung helfen und mit Sachverstand für Finanzen, Marketing und Personal zu einem tragfähigen wirtschaftlichen Konzept kommen. Dafür brauche er noch Unterstützung.

Das Modell aus Wombach sei nicht direkt übertragbar, so Luksch. Dort sei ein finanziell solider Betrieb in eine Genossenschaft überführt worden. Bäckermeister Rother gefällt die Idee einer Genossenschaft. Er wird sich in der Handwerkskammer beraten lassen. Um die Energiekosten zu sparen sei neue Technik für Öfen und Kühlung interessant. Auch eine Photovoltaik-Anlage auf den 400 Quadratmetern Dachfläche wäre eine Idee. Wenn sich eine Vorgehensweise abzeichne, werde es einen Info-Abend geben, sagt Rother. 

"Was mir so weh tut, ist Aufhören zu müssen. Das Feedback war jetzt absolut positiv", sagt Bäcker Rother kurz vor der Schließung seines Ladens. "Ich mag meinen Beruf." Für die Backstube gibt es auch noch einen ordentlichen Schlussakkord: die Aufträge für die Wurstbuden der Weihnachtsmärkte in Winterhausen am kommenden Wochenende und in Sommerhausen an allen vier Adventswochenenden wird Rother erledigen. Das seien nochmal vier Wochenenden "Hardcore" in der Backstube. Und Bildhauer Thomas Reuter, der Initiator der Benefiz-Konzertaktion plant am 2. Dezember um 12 Uhr eine künstlerische Interpretation zur Schließung der Dorfbäckerei.

 
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  • U. A.
    Hätten die Winterhäuser statt dem jetzigen Gedöns früher das teure Gebäck im Ort gekauft und wären nicht zum viel günstigern Discounter gefahren hätte die MP einen Aufhänger weniger.
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  • G. B.
    Einen Job wird er als Bäcker aber schon finden. Das sollte nicht das Problem sein.
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  • M. K.
    Ich hoffe auf eine Lösung!
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  • M. G.
    *Irgendwie spricht man auch was vor 5 Jahren war, den Zulauf hätte man damals schon haben sollen? Diese Situation gärt schon länger? Kann es sein dass da auch etwas kaufmännisch nicht so gut funktioniert. Wir sind doch von Würzburg auch immer zur Bäckerei Fuchs gefahren und haben jeden Samstag 10 Kipf und ein Landbrot gekauft. Das wRen einfach 13 km für uns. Was machen dann die Familienbetriebe in Würzburg mit 90 Beschäftigten? Mir ist diese Einstellung nicht ganz nachvollziehbar*
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  • B. L.
    Was soll das, hat der Bäcker während Corona nichts verkauft. Diese Aussage ist doch ein Aprilscherz.
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  • S. O.
    "'Idealismus und Gemeinschaftsgefüge haben wir. Das allein reicht aber nicht', sagt Luksch."

    Tolle Voraussetzungen sind das aber schon. Viel Erfolg dem Bäcker, den Winterhäusern und allen, die dort einkaufen (gingen).
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