
Der Sonntag, 14. Mai, verspricht spannend zu werden. Nicht nur für die Menschen in der Türkei oder die Menschen mit türkischen Wurzeln, die in Deutschland leben. Für ganz Europa wird es Bedeutung haben, was am Sonntag passiert. An diesem Tag stehen in der Türkei die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen an. Allgemein wird ein enges Rennen zwischen Kemal Kilicdaroglu, dem Herausforderer von der Republikanischen Volkspartei (CHP), und Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan (AKP) erwartet.
Wie ist die Stimmung bei Schweinfurterinnen und Schweinfurtern mit türkischen Wurzeln? Wir haben uns umgehört bei Menschen, die in der Region bekannt sind. Zum Beispiel bei Ayfer Rethschulte, dritte Bürgermeisterin von Schweinfurt. "Wir sind sehr gespannt, wie es ausgeht", sagt sie.
Sie wünscht sich, dass alles friedlich abläuft. Und den Menschen in der Türkei, dass die wirtschaftliche Lage besser wird, es einen Aufschwung gibt, dass jeder seine Meinung sagen kann. Sie hofft, dass ihr Heimatland demokratischer wird und auch die Türkei ein positiveres Bild bekommt in der Welt. Auch wünscht sie sich, dass Menschen dort freier ihre Meinung äußern können.
Harte finanzielle Lage für den Mittelstand in der Türkei
Die Inflation in der Türkei sei dramatisch. Sie weiß von ihren Familienangehörigen, wie hart die finanzielle Lage vor allem für den Mittelstand ist. Auch sei die Lage für die Erdbebenopfer schlimm. Wer wählen kann, sollte seine Entscheidung aus der Warte der Menschen in der Türkei treffen, sagt sie. Nicht aus der Deutschland- oder Euroverdiener-Perspektive.
Ayfer Rethschulte kämpft seit Jahren dafür, dass Migrantinnen und Migranten, die in Deutschland leben, bei den Kommunalwahlen wählen dürfen: "Man sollte dort wählen können, wo man lebt und es einen betrifft." Das wäre ihrer Meinung nach wichtig.
Nurcan Hofmann, die mit Ayfer Rethschulte und Bürgermeisterin Sorya Lippert das Benefizessen für Erdbebenopfer in Syrien und der Türkei veranstaltet hat, ist oft in der Türkei. "Die Inflation ist der Wahnsinn", bedauert sie die Menschen dort. "Ich frage mich, wie die Menschen über die Runde kommen." Sie hofft, dass die Wahl friedlich verläuft. Sie wünscht sich, dass das Land demokratischer wird und die Korruption endet.
Hoffen auf eine friedliche Wahl
Halil Cesur, Ausbildungsakquisiteur bei der GbF (Gesellschaft zur beruflichen Förderung) beobachtet, dass beide Lager sich große Mühe geben, die Wähler und Wählerinnen, die in Deutschland leben, zu mobilisieren. Gut 20 Prozent der Wählerinnen und Wähler seien noch unentschlossen, habe er sich informiert. Stimmen aus Deutschland könnten sicher eine wichtige Rolle spielen. Er wünscht sich wie Ayfer Rethschulte und Nurcan Hofmann Frieden: "Die Leute sehnen sich nach Frieden".
Zehra Akcay ist Anwältin und kommunalpolitisch engagiert. Im Ausland sind sehr viele Türkischstämmige wählen gegangen, beobachtet sie. Sie hofft, dass es zu einem Wandel kommen wird. "Die Hoffnung ist begründet", sagt sie. Sie verfolgt die Nachrichten, steht mit einer türkischen Politikwissenschaftlerin in Kontakt.
Die Rechtslage und die Wirtschaftslage in der Türkei müssten sich ändern, meint sie. Auch die Situation der Frauen müsse sich verbessern. Auch sie hofft, dass alles friedlich ablaufen wird. Besorgt zeigt sie sich über Zeichen der Eskalation - so sei Kemal Kilicdaroglu bei einer Veranstaltung mit Steinen beworfen worden.