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Schweinfurt
Antrag an Stadtrat: Warum es in Schweinfurt mit dem kommunalen Wärmekonzept schneller gehen muss
Ulrike Schneider und Stefan Labus sind überzeugt: Die Menschen in der Stadt brauchen eine Antwort auf die Frage, wie sie in Zukunft heizen können. Und zwar bald.
Stefan Labus hat sein Reihenhaus mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Den Antrag seiner Stadtrats-Kollegin Ulrike Schneider unterstützt er, aus Überzeugung.
Foto: Josef Lamber | Stefan Labus hat sein Reihenhaus mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Den Antrag seiner Stadtrats-Kollegin Ulrike Schneider unterstützt er, aus Überzeugung.
Katja Beringer
 |  aktualisiert: 08.02.2024 10:21 Uhr

Menschen, die verunsichert sind, Menschen, die sich jetzt noch schnell eine neue Gasheizung einbauen lassen – die Schweinfurter Stadträtin Ulrike Schneider und ihr Kollege Stefan Labus kennen viele davon. Und das macht beiden Sorgen. Dass auch in Schweinfurt schnell Tatsachen geschaffen werden, bevor das neue Gebäudeenergiegesetz, besser bekannt als Heizungsgesetz, 2024 in Kraft tritt. Nach der Sommerpause soll es vom Bundestag verabschiedet werden.

Ulrike Schneider (Zukunft./ödp) hat deshalb einen Antrag an die Stadt gestellt. Darin fordert sie die zeitnahe Wärmeplanung und eine Forcierung des Fernwärmeausbaus. Bis 2028 muss Schweinfurt eine solche Wärmeplanung vorlegen. Viel zu spät, meint Schneider, die von Stefan Labus (Freie Wähler) darin unterstützt wird.

Die Menschen bräuchten eher "größtmögliche Klarheit", um planen zu können. Klarheit in dem Punkt, ob in ihren Straßen Fernwärmeleitungen möglich und geplant seien, ob sie "in absehbarer Zeit" mit einem Fernwärmeanschluss rechnen könnten.

Ein Punkt, den auch die Redaktion vor kurzem hinterfragt hat. Doch die Aussagen der Stadtwerke waren, bis auf zeitnah geplante Projekte, eher vage. Wo genau wird die Fernwärme ausgebaut und bis zu welchem Umfang wäre dies möglich? Eine Antwort blieben die Stadtwerke schuldig. Auch Stadtwerke-Chef Thomas Kästner verweist in dem Punkt gern auf die Politik. Die müsste richtungsweisende Entscheidungen treffen.

Für Schneider ist klar: Die Stadt sollte den Ausbau der Fernwärme unterstützen, auch finanziell 

Das, meint Schneider, muss bald passieren. Für sie ist der Weg klar – in Richtung Ausbau der Fernwärme. Dafür könnte und sollte auch die Stadt Schweinfurt Geld in die Hand nehmen. Schließlich sei die Fernwärme in dem Moment, wenn die Kohle, die neben dem Hausmüll heute verfeuert wird, komplett von getrocknetem Klärschlamm ersetzt wurde, ökologisch sinnvoll. 

Wie Schneider hofft auch Labus auf "mehr Mut zur richtigen Entscheidung", wie er es nennt. Beide sitzen nicht nur im Stadtrat, sondern auch im Aufsichtsrat der Stadtwerke. Und sind sich einig: "Es braucht große Schritte".

Dass es geht, dass sie nicht nur reden, sondern auch nach ihrer Überzeugung handeln, wollen beide zeigen. Schneider mit dem Verweis auf den Fernwärmeanschluss ihres Hauses in der Innenstadt. Dieser Anschluss, sagt sie, sei maßgeblich bei der Kaufentscheidung vor rund 13 Jahren gewesen.

Wärmepumpe statt Gas: Für Stefan Labus hat die grüne Technik die Feuerprobe bestanden

Stefan Labus hat seine zehn Jahre alte Gastherme stillgelegt. Statt dessen sorgt eine Wärmepumpe für angenehme Temperaturen im Winter. Die erste Kälteperiode hat er nach dem Einbau im Oktober 2022 schon erlebt. Fazit? Es funktioniert, war kuschelig warm.

15 Kilowatt Leistung bringt die Wärmepumpe. Der Einbau war einfach, sagt Labus. Die Wärmepumpe steht vor dem Haus, zieht Luft von außen, versorgt das Heizungs- und auch das Warmwassersystem. Umbauten brauchte es nicht, erklärt der Stadtrat. Ganz normale Heizkörper reichten aus.

Wie viel muss man investieren? Der Freie-Wähler-Stadtrat rechnet es vor

Und das in einem Haus, das sicher nicht ideal gedämmt ist, wie Labus sagt. Baujahr 1984. 150 Quadratmeter, ohne Fußbodenheizung. Statt Gas zu verfeuern, hat Labus seine Wärmepumpe laufen lassen. Die Folge: eine Verdopplung der Stromkosten. Das ist schon jetzt Schnee von gestern. Seit Februar liefert den Strom eine 9,9 Kilowattpeak Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Kostenpunkt für Wärmepumpe und Photvoltaik: 35.000 Euro, sagt Labus, der mit seiner Entscheidung mehr als zufrieden ist. Das zeige, dass nicht nur in perfekt isolierten Neubauten oder aufwendig sanierten Altbauten diese Technik einsetzbar ist.

Wärmepumpe im Altbau: Vortragsabend am 20. Juli will mit "Alten Mythen aufräumen"

Genau das ist Thema eines Vortragsabends der Lokalen Agenda 2030 am Donnerstag, 20. Juli, um 18 Uhr in der Stadthalle. Es geht um Wärmepumpen im Altbau und darum, mit Alten Mythen Schluss zu machen, wie es in der Einladung heißt. Ein Energieberater klärt auf, Bürger berichten von eigenen Anlagen, Vertreter aus Handwerk und Wissenschaft beantworten Fragen.

 
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Kommentare
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  • Manfred Englert
    "Eine Verdoppelung der Stromkosten" sagt mir überhaupt nichts. Es sollten hier Zahlen genannt werden.

    Ich habe auch eine PV Anlage, die im Winter jedoch nicht Produktion an Elektrizität bringt um eine Wärmepumpe ausreichend zu speisen.
    PV ist gut im Sommer, aber im Winter, wenn ich heizen muß???

    Vielleicht bekomme ich ja hier mal einen Tip!?
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  • R. K.
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