
"Wenn jemand sofort geholfen hätte, zum Beispiel mit der Herz-Druck-Massage, oder wenn jemand den Patienten in die stabile Seitenlage gebracht hätte, wäre dem Verletzten viel erspart geblieben", das ist eine Aussage, die man immer wieder bei Einsätzen des Rettungsdienstes oder von Notärzten selbst hört.
"Viele haben Angst, etwas falsch zu machen. Aber nichts zu tun, ist genau das Falsche", sagt Notarzt Ulrich Sauter aus Bad Königshofen. Nicht zu vergessen sei das schnelle Absetzen des Notrufs an die Leitstelle unter der Rufnummer 112 und das Absichern der Unfallstelle. Erste Hilfe müsse man immer wieder trainieren, um so eine Hemmschwelle im Ernstfall zu überwinden.
Es ist eine Pflicht, anderen Menschen zu helfen
Fast drei Jahrzehnte war er leitender Notarzt und kann aus seinem Erfahrungsschatz einiges berichten. Seiner Meinung nach ist ein "Tag der Ersten Hilfe" wie dieser Samstag deshalb genau richtig, um die Menschen wieder auf ihre Hilfspflichten hinzuweisen. In Deutschland sei nämlich jeder Bürger und jede Bürgerin gesetzlich verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Wer nicht hilft, mache sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, die mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Der Gesetzgeber schützt dabei den Ersthelfer: Auch wenn durch Sofortmaßnahmen wie eine Herz-Druck-Massage gesundheitliche Beeinträchtigung entstehen, drohen keine rechtlichen Konsequenzen.
Die ersten Minuten sind entscheidend
Ulrich Sauter nennt die ersten Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder Notarztes als entscheidend für den Patienten, um einen Sauerstoffmangel zu vermeiden. "Viele Menschen haben Berührungsängste und warten deshalb auf den Rettungsdienst. Das ist aber genau falsch", sagt Sauter. Der Notarzt verweist auf verschiedene Szenarien. So sollte bei einem Atemstillstand sofort mit der Herz-Druck-Massage begonnen werden.

"Einfach, ein bis zwei Zentimeter in der Mitte des Brustbeins drücken", so sein Tipp. Wer eine Atemspende dazu geben kann, sollte 30 Mal drücken und zweimal Atem spenden, dann wieder drücken, und zwar so lange, bis der Rettungsdienst vor Ort ist und übernimmt. "Wichtig ist es dabei darauf zu achten, dass sich im Mund keine Fremdkörper befinden", so der Mediziner.
Ganz wichtig: die stabile Seitenlage
Atmet der Verletzte noch, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden, um zu verhindern, dass er eventuell an Erbrochenem erstickt und die Zunge die Atemwege versperrt. Was tun bei blutenden Verletzungen? Der Notarzt verweist auf den Erste-Hilfe-Koffer, den jeder in seinem Fahrzeug mit sich führen müsse. Hier sind Kompressen und Verbandsmaterial für einen Druckverband vorhanden. Bei lebensbedrohlichen Blutungen dürfe man auch wieder abbinden, weiß Ulrich Sauter.
Bei allem sei aber der Selbstschutz wichtig. Gerade bei Verkehrsunfällen komme es immer wieder vor, dass Verkehrsteilnehmer an einer Unfallstelle vorbeifahren, ohne auf die Retter zu achten. Er selbst weiß aus seiner langjährigen Dienstzeit, dass dies auch auf Landstraßen bereits der Fall ist.
Erste-Hilfe-Kurse regelmäßig wiederholen
Zu den Erste-Hilfe-Kursen sagt Ulrich Sauter, dass eine Auffrischung der Kenntnisse immer wichtig ist. Dazu bieten das Rote Kreuz wie auch der Malteser Hilfsdienst und andere Rettungseinrichtungen entsprechende Kurse. Pro Jahr sind es an die 280, weiß Thomas Zentgraf vom BRK-Kreisverband Rhön-Grabfeld in Bad Neustadt.

Angeboten werden Kurse für Betriebe, Führerscheinanwärter und alle Interessierte, da keinerlei Vorkenntnisse erforderlich sind. Im Kurs geht es um den Eigenschutz, das Absichern von Unfallstellen, das Helfen bei Unfällen, Wundversorgung, Verbrennungen, Verätzungen, Vergiftungen und Bewusstlosigkeit. Hinzu kommen akute Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Geübt wird auch der Einsatz eines Defibrillator (AED) bei Herzstillstand.
Die Kurse finden im BRK Rettungszentrum in Bad Neustadt, bei Unternehmen vor Ort sowie an Schulen statt. Angeboten werden auch besondere Fortbildungen wie "Erste Hilfe am Kind" speziell für Eltern, Großeltern und alle, die mit Kindern zu tun haben. Dabei geht es um Vergiftungen, Schock, Erkrankungen im Kindesalter, Störung der Atmung, Wiederbelebung, Knochenbrüche oder auch die Versorgung bedrohlicher Blutungen.

In Kindergärten werden die sogenannten Trau-Dich-Kurse angeboten, an den Grundschulen gibt es den Juniorhelfer. Kursinhalte sind dort zum Beispiel Notruf, Kopfverletzungen, starke Blutungen, Bewusstlosigkeit, Verbände und Knochenbrüche.
Über ihr Kursangebot zum Beispiel in Mellrichstadt beziehungsweise Bad Neustadt informieren das Rote Kreuz und die Malteser unter folgenden Internetadressen:
www.kvrhoen-grabfeld.brk.de
www.malteser-unterfranken.de