
Der Markt Triefenstein beteiligt sich nicht am Regionalwerk Main-Spessart. Dies hat er am Dienstagabend in der öffentlichen Sitzung im Saalbau der Friedrich-Kirchhoff-Stiftung in Lengfurt unter der Leitung von Bürgermeistern Kerstin Deckenbrock mit 14 Nein-Stimmen und einem Ja-Votum des SPD-Gemeinderats Christoph Müller beschlossen.
Das Regionalwerk hat sich vor allem die Energiewende auf die Fahnen geschrieben. Gemeinderätin Stefanie Engelhardt (CSU) bezweifelte, ob mit einem Regionalwerk-Beitritt vor dem Hintergrund einer jährlichen Verpflichtung von 6400 Euro ein Gewinn für die Gemeinde möglich ist.
Auch zweite Bürgermeisterin Karin Öhm (Freie Bürger) äußerte sich kritisch zu einem Regionalwerk-Beitritt. Für sie seien einfach die Kosten zu hoch, ferner habe die Gemeinde bereits genügend Investitionen für erneuerbare Energien getätigt. Auch CSU-Sprecher Wolfgang Virnekäs sprach von "sehr, sehr hohen Kosten". Im Übrigen kämen auf den Markt Triefenstein in naher Zukunft hohe Ausgaben für kommunale Pflichtaufgaben zu, wie zum Beispiel der Kindergartenbau in Lengfurt.
Verdienste der gestorbenen Gemeinderäte gewürdigt
Zu Beginn der Sitzung, an der erstmals auch der neue Geschäftsleiter Tobias Feser teilnahm, hatte Bürgermeisterin Kerstin Deckenbrock die Verdienste der beiden gestorbenen Gemeinderäte Kurt Follmer und Klaus Scheller gewürdigt. Kurt Follmer, der fast sechs Jahrzehnte lang auch Feldgeschworener war, sei von 1990 bis 1996 ein wichtiger Teil des Gemeinderates gewesen. Er habe sich mit "Leidenschaft und Hingabe" für den Markt Triefenstein engagiert, sagte die Bürgermeisterin.
Klaus Scheller, der von 1984 bis 2014 dem Gemeinderat angehörte und von 1996 bis 2008 zweiter Bürgermeister war, sei stets für die Belange der Bürgerinnen und Bürger eingetreten. Er habe "mit seinem strategischen Denken und mit seiner menschlichen Art viele Weichen für die Zukunft gestellt", betonte die Rathauschefin. Als Vorsitzender von "Pro Waldbad" habe sich Klaus Scheller mit "unerschütterlichem Glauben an die Gemeinschaft" dafür engagiert, dass sich das Waldbad heute in einem hervorragenden Zustand befindet.
Sanierung von Schloss Homburg
Im weiteren Sitzungsverlauf hatte die Bürgermeisterin die Sanierung der Friedhofsmauer in Trennfeld angesprochen und eine weitere Beratung im Haupt- und Finanzausschuss angekündigt. Die Kosten für die drei infrage kommenden Sanierungsabschnitte bewegen sich zwischen 70.000 Euro und 160.000 Euro. Für die Sanierung von Schloss Homburg hat der Markt Triefenstein bislang rund 644.600 Euro ausgegeben. Der Kosten- und Bauzeitenplan bewege sich weiterhin in normalem Rahmen, teilte die Bürgermeisterin mit.
Aus der Sicht des Marktes Triefenstein eignet sich ein Areal südöstlich von der Autobahnanschlussstelle Marktheidenfeld am besten für ein neues Umspannwerk für eine künftige Stromtrasse von der Nordsee in den Süden Deutschlands. Für ein weiteres Stimmungsbild soll Kontakt mit der Stadt Marktheidenfeld aufgenommen werden.
Anträge für Aufnahme im Regionalbudget
Für die Aufnahme im Regionalbudget hat der Markt Triefenstein folgende Anträge gestellt: Rettersheim - zweiter Bauabschnitt für die Umgestaltung der "Tächschüssel" (Gesamtkosten: 8554 Euro); Trennfeld - Informationspunkt für den Kulturwanderweg Triefenstein 1 (7852 Euro); Homburg - Lern- und Informationsstandort Schloss Homburg (8309 Euro).
Um den künftigen Energiebedarf für das Gewerbegebiet Almosenberg zwischen Dertingen und Bettingen zu decken, plant das Bayernwerk die Verlegung der Starkstromleitung zwischen Bettingen und Trennfeld. Mögliche Beeinträchtigungen am Rande dieser Trasse seien nicht auszuschließen, hieß es im Gemeinderat.
Kritik an Zementwerk
Viel Kritik war in der Sitzung zu hören, weil das Zementwerk die Einzäunung für den Kalkstein-Abbau weiter in Richtung der Homburger Siedlung am Hackenberg verlegt hat und davon auch der aktuelle Weinwanderweg betroffen wurde. Die Flächenerweiterung sei noch nicht am Ende, war von Wolfgang Virnekäs zu hören. Dem CSU-Sprecher war ferner ein besonderer Schutz der Dornenvögel mit zusätzlichem Aufwand bei der Sanierung des Gebsattel-Schlosses ein Dorn im Auge. Ihn ärgerte, dass bei manchen Projekten dem Vogelschutz mehr Bedeutung als menschlichen Interessen beigemessen werde.
Auf Unverständnis stieß die Flächenerweiterung des Zementwerks auch bei dem Homburger Bürger Peter Wagner, dessen Wohnhaus in Homburg sich nur 600 Meter von der neuen Umzäunung entfernt befindet. Das Zementwerk hatte bereits vor Jahrzehnten den behördlichen Segen für eine großflächige Kalkabbau-Vorrangfläche bekommen. Wenn gesprengt werde, so Wagner, klingelten bei ihm im Regal die Gläser.
Der Homburger Bürger, dem in der öffentlichen Sitzung Rederecht eingeräumt wurde, sprach ferner von einer "beängstigenden Entwicklung" beim Kalksteinabbau. Sämtliche Abbauflächen befänden sich im Eigentum des Zementwerks, machte die Bürgermeisterin noch einmal deutlich. Sie erinnerte an die Zusage von Werksleiter Michael Becker, in Bälde eine neue Trasse für den Weinwanderweg anlegen zu wollen.