
Die Karlstadter Karnevals Gesellschaft Kakage steht in der Kritik: Jochen Schmied, erster Gesellschaftspräsident, hat über die Webseite der Kakage mehrere Beschwerdemails erhalten. Anlass dafür: die Auftritte des Männerballetts an den vergangenen beiden Wochenenden.
Die Prunksitzungen standen in diesem Jahr unter dem Motto "Hollywood in Karscht am Mee". Die Männer tanzten dabei verkleidet als Außerirdische und Agenten, angelehnt an den Film "Men in Black". Einer der Tänzer hatte sich dafür das Gesicht dunkel geschminkt und sollte Schauspieler Will Smith darstellen. Dazu erreichten die Kakage nach Aussage Schmieds mehrere Mails, die das kritisierten.
An diese Redaktion wandten sich zwei junge Frauen, die selbst bei der Kakage aktiv sind. Sie seien nach dem Auftritt bei der ersten Sitzung auf das Männerballett zugegangen und hätten gebeten, dass in der nächsten Sitzung die Schminke nicht mehr aufgetragen werden solle. Das sei ihnen zugesichert worden. Doch auch in der nächsten Sitzung sei die Gruppe wieder mit einem schwarz geschminkten Tänzer aufgetreten. Grundsätzlich versuche sie, sich gegen Rassismus zu äußern und für Minderheiten einzustehen, erklärt eine der beiden Frauen zu ihrer Motivation hinter der Kritik.
Verein setzt sich mit der Kritik auseinander
Ihm sei nicht bekannt, dass jemand direkt auf das Männerballett zugegangen sein, sagt Gesellschaftspräsident Jochen Schmied. Doch das Thema sei beim Vorstand nach der zweiten Sitzung angekommen, der Verein setze sich damit auseinander. Die Diskussion um sogenanntes "Blackfacing", also sich als weiße Person das Gesicht schwarz zu schminken, kommt auch zu Dreikönig bei der Tradition des Sternsingens immer wieder auf. Zuletzt sprach sich der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Würzburg dafür aus, Sternsinger nicht schwarz zu schminken. Dieser Empfehlung schloss sich auch das Bistum Würzburg an.
Dass auch im Karneval darüber diskutiert wird, wie weit Verkleidung und Maskerade gehen dürfen, ist nicht neu. Im vergangenen Jahr entschuldigte sich die hessische Karnevalsgesellschaft Mörlau, als ein schwarz geschminkter Karnevalist zum Empfang von Ministerpräsident Boris Rhein erschien. In Unterpleichfeld (Lkr. Würzburg) kam 2023 der "Pläfelder Mohr" ohne Schminke und mit weißem Kostüm auf die Bühne – eine Reaktion auf eine Diskussion über die Abbildung des Heiligen Mauritius als "Mohr" im Wappen der Gemeinde. Allerdings stellte er sich bei seinem Auftritt hinter die Entscheidung von Bürgermeister und Gemeinderat, das Wappen beizubehalten. Er wolle ja "nächstes Jahr wieder als Mohr auf der Bühne stehen".
Kakage-Präsidium tagte am Montag
Problematisch ist Blackfacing aus mehreren Gründen. Weiße Personen müssen die diskriminierenden Erfahrungen Schwarzer Menschen nicht erleben, negative Stereotypen können dadurch bedient werden. Historisch betrachtet geht in den USA das Blackfacing auf die "Minstrelshows" zurück, in denen weiße Menschen mit Schminke, Mimik und Gestik Schwarze Menschen mimten und abwertend darstellten. Diese Gründe führen Organisationen wie die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus aus der Schweiz auf ihren Internetseiten auf und sie sind immer wieder in Debatten um das Blackfacing zu lesen.
Schmied zufolge hat die Kakage auf die Kritik hin entschieden, die Fotos des Auftritts des Männerballetts von der Webseite zu entfernen. In der anstehenden dritten Sitzung soll der Tänzer ungeschminkt auftreten. "Es ist für uns eine Kleinigkeit, da Abhilfe zu schaffen", sagt Schmied. Das Präsidium habe extra dafür am Montagabend eine Versammlung einberufen.
Kakage sei "bunt, vielfältig und nicht rassistisch"
Der Gesellschaftspräsident betont, die Kakage sei "bunt, vielfältig und nicht rassistisch". Die Auftritte würden vorab von ihm und dem Sitzungspräsidenten abgenommen. In Büttenreden und einem Gesangsbeitrag sei gegen rechtes Gedankengut argumentiert worden. "Wer uns kennt, weiß, wie wir aufgestellt sind."
Im Gespräch räumt Schmied ein, dass er Auftritte, bei denen sich etwa ganze Gruppen schwarz schminken wollen würden, nicht grundsätzlich bei der Abnahme akzeptieren würde. An dieser Nachstellung einer Filmszene mit dem schwarz geschminkten Tänzer, wie es beim Männerballett der Fall war, sehe er allerdings "nichts Verwerfliches". Der Tanz des Männerballetts sei im Vorfeld auch angeschaut und bewilligt worden. Der Tänzer sei dabei aber nicht geschminkt gewesen.
"Die Absicht war nie, zu verunglimpfen", sagt Schmied. Er sieht die Kakage auch nicht in der Rolle, sich persönlich bei den Kritikerinnen und Kritikern zu entschuldigen, da er dahinter keine Betroffenen vermutet. Der Verein nehme das Thema aber ernst.
Persönliche Kritik an dem geschminkten Tänzer habe es in den Mails nicht gegeben, sagt Schmied, dieser stehe auch nicht als Einzelner in der Verantwortung: "Das war eine Gesamtentscheidung." Auch die beiden jungen Frauen, die sich bei der Kakage engagieren und sich an die Redaktion gewandt hatten, sehen keine "bösen Absichten" hinter dem Auftritt. Sie gehen davon aus, "dass viele nicht wussten, dass das rassistisch aufgefasst werden kann".
Heute muss man die Dinge differenzierter sehen.
Viel schlimmer finde ich, dass die "Kultsendung im BR" den "Weisbacher Jüde" ins Fernsehen stellt. Sie MP-Artikel Update Heute 10:05 Uhr
https://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/liveblog-fastnacht-in-franken-2024-was-die-zuschauer-heute-abend-erwartet-art-11374057
Weil der BR das macht, ist das natürlich nicht antisemitisch...
Gewalt ist Gewalt. Blackfacing ist keine Gewalt, Beleidigungen sind auch keine Gewalt.
Wenn man jede menschliche Betroffenheit unter den Begriff "Gewalt" subsumiert, immer anmaßend die größtmögliche Betroffenheitsperspektive antizipierend, verwischt man nicht nur (juristisch eindeutige) Begriffe, man relativiert auch tatsächliche körperliche, psychische und strukturelle Gewalt, tatsächlichen Machtmissbrauch.
Und ganz seltsam wird es, wenn Nichtbetroffene Betroffenen erklären wollen, dass sie sich doch gefälligst als "Gewalt"-Opfer zu fühlen und darzustellen haben, wie es durch ideologisch geprägte Kreise seit längerem geschieht.
Haben diese Leute dann keine Möglichkeit mehr ihre Meinung frei und öffentlich
mitzuteilen ?
Und ob alle moderne Veränderungen richtig sind oder auch einmal eine traditionelle
Aussage Bestand haben kann, wird die Zukunft zeigen .
Darum geht es nicht - wenn man Menschen aufgrund Alter (Respekt?) oder sonstiger Zuschreibungen mit moralischem Zeigefinger Unwissen, Rückständigkeit oder Beharren auf längst überholten Verhaltensweisen etc. vorwirft, wird diese Belehrung in der Regel nicht zu Reflexion und dazu führen, dass diese ihre Meinung ändern - sie werden sich vielmehr, wie auch hier, siehe Forum, auf die eigene Lebenswirklichkeit (!) und Emotionen zu dem Thema beziehen, die eben in der Regel KEINE realen Berührungspunkte mit der Kritik - kulturelle Aneignung? - hat.
Rassistische Klischees finden derweil ganz woanders statt!
Richtig. Nur gilt dieser Satz eben nicht nur für eine Seite...
Wolfgang Sobtzick
Das ist doch ein Allgemeinplatz, der überhaupt nicht zutrifft!
Das Leben ist für jeden (!) eine Aneinanderreihung von Zumutungen und Betroffenheiten - es ist auch die Pflicht eines jeden, nicht ausschließlich und überall diese Betroffenheiten, die ja durchaus traumatisch sein können, zu einem Dogma erheben zu wollen und das allen missionarisch überzustülpen, zumal wenn es - wie hier offenbar - eine Stellvertreterdebatte ist zwischen wohlmeinenden Nichtbetroffenen und sicher nicht rassistisch gemeinter Folklore ohne wirklichen Belang.
Wenn ich z.B. höre, dass die offenbar spektakuläre Veröffentlichung "Nachbarn" von Diane Oliver zu diesem Thema daran leidet, dass die authentischen rassistischen Begriffe der Autorin über ein halbes Jahrhundert später durch den Verlag "zensiert" wurden, ist das bodenlos und fataler Ausdruck dieser falsch verstandenen "Betroffenheits"-Inszenierungen durch Dritte!
Will Smith ist nunmal - im Vergleich zum/zur indigenen Europäer*in und dessen/deren Nachfahren weltweit - "etwas" dunkler - was auch durchaus ok ist, denn Vielfalt funktioniert ohne Unterschiede nunmal eher suboptimal. Will Smith ist aber zweifelsohne ein zentraler Bestandteil der "men in black". Die Nummer hätte daher nicht wirklich ohne eine Nachahmung dieses Schauspielers funktioniert. Natürlich hätte man hierfür einen Gleichfarbigen aquirieren können, dies wäre allerdings dann - insbesondere aus einer gewissen politischen Blase heraus - sicherlich als Rassismus einzuordnen. Ergo bliebe nur die farbliche Nichtsichtbarmachung eines großartigen dunkelhäutigen Schauspielers durch ein ideologisch geleitetes "Nicht-Blackfacing" - und damit ein Unsichtbarmachen von Menschen subsaharischer Herkunft. Na dann...
Das ganze Land blem-blem ...
das kann ich Ihnen gerne beantworten. Nach einer Schätzung von Gesellschaftspräsident Jochen Schmied waren es etwa zehn Mails.
Mit freundlichen Grüßen
Tabea Goppelt
Redaktion
Überschaubar, aber doch mehr, als ich vermutet hätte.