
Wenig Platz für die Wurzeln, viel Asphalt und kaum Boden, in dem Regen versickern kann: Bäume, die mitten in der Stadt und an Straßen wachsen, leiden besonders unter Phasen, in denen das Wetter extrem lange trocken und extrem heiß ist. Thomas Hornung, Leiter des städtischen Tiefbaureferats, wird ernst, wenn er über den Baumbestand in Bad Kissingen etwa an Straßen spricht. Viele dieser Bäume sind in den vergangenen Jahren abgestorben oder sind kurz davor. "Da sehen wir richtig deutlich den Klimawandel", sagt er.
Hohe Sicherungskosten durch Klimawandel
Die Auswirkungen sind nicht nur zu sehen, sondern sie kosten die Allgemeinheit inzwischen auch viel Geld. Rund 200.000 Euro gibt die Stadt jedes Jahr aus, entweder um tote Bäume zu fällen, oder um die Kronen von angeschlagenen Bäumen zu sichern. Dass Bad Kissingen jetzt in den Bestand investiert, sei nicht nur aus Umwelt- und Klimaschutzgründen sinnvoll – Bäume können an Hitzetagen in der Stadt die Temperatur um zwei bis zu acht Grad Celsius senken – sondern spart langfristig Sicherungskosten. "Ökologie und Ökonomie schließen sich nicht aus", betont Hornung.
Es muss also etwas getan werden. 3,4 Millionen Euro nimmt die Stadt in diesem Jahr in die Hand, für Klimaschutz und ein grüneres Stadtbild. Das Geld stammt zu einem Großteil aus einem KfW-Förderprogramm, gut 340.000 Euro steuert die Stadt selbst bei. "Das gibt uns die Möglichkeit, mit einem relativ kleinen Mitteleinsatz großflächig zu agieren", erklärt Oberbürgermeister Dirk Vogel. Unter dem Motto "Wir machen’s uns grüner" investiert die Stadt in ihre Bäume, in klimaresistente Staudenflächen, in Entsiegelung und in eine Naturoase.

Mit 1,87 Millionen Euro den größten Brocken aus dem Budget steckt die Stadt in den Baumbestand an fünf bis sieben Straßen. 124 Neupflanzungen sind vorgesehen. "Die meisten sind Ersatz für Bäume, die bereits abgestorben sind", sagt Hornung. Etwa in der Vernon-, der Winkelser und der Sieboldstraße. Die Bäume dort befinden sich in keinem guten Zustand.
Straßenrand wird für Bäume umgebaut
Die Flächen um die Bäume herum werden entsiegelt, das heißt statt Asphalt wird eine Oberfläche angelegt, in der Wasser versickert. Der Untergrund wird so umgebaut, dass jeder Baum 36 Quadratmeter Platz hat, in dem er seine Wurzeln ausbreiten kann. Zudem werden angrenzende Gehwege und Parkflächen so umgebaut, dass Regenwasser von dort den Bäumen zugeleitet wird und sie somit zusätzlich gegossen werden. "Wir hoffen, dass wir mit dem Umbau auch Bäume, die jetzt schon auf Intensivstation sind, retten und erhalten können", erklärt Hornung. 14.000 bis 16.000 Euro kostet es, einen Baum klimaschutztauglich zu pflanzen und das Umfeld anzupassen.

Besonders hervorzuheben ist die Hausener Straße. Dort sind Bäume bisher nämlich keine vorhanden, 13 neue werden gepflanzt. Vogel betont, dass die Bäume an der Stelle besonders wichtig sind, um den Stadtteil Hausen optisch aufzuwerten und die Aufenthaltsqualität für Fußgänger gerade im Sommer zu verbessern.
Widerstand gegen wegfallende Parkplätze
Aber: Mehr Platz für Bäume bedeutet weniger Platz für Autos zum Parken. In Hausen hat es deshalb eine Infoveranstaltung mit den Anwohnern gegeben. "Die Leute sehen das sehr kritisch", berichtet OB Vogel. Es sei gelungen, im Gespräch die Widerstände auszuräumen und Zustimmung für das Projekt zu bekommen. "Wenn die Maßnahme erst etabliert ist, wird das bei den Bürgern hinterher auf breite Akzeptanz stoßen", ist der OB sicher.
Ebenfalls ein herausgehobener Standort ist die evangelische Erlöserkirche im Zentrum. Die Bäume um die Kirche sind tot. Sie kommen weg, werden durch 14 neue ersetzt. Der Boden wird ebenfalls entsiegelt und vorhandenes Gestrüpp mit Stauden ausgetauscht. "Das wird ein prägnanter Platz. Da freue ich mich sehr, dass wir eine Aufwertung hinbekommen", sagt Vogel mit Blick auf die umliegenden Hotels und deren Gäste.

Was passiert noch?
Neben den Straßenbäumen wird die Stadt rund 90 neue Bäume in städtischen Grünanlagen wie etwa in Friedhöfen und Spielplätzen pflanzen. Eine halbe Million Euro ist dafür vorgesehen. Auch hier dienen die meisten als Ersatz für verstorbene Bäume. Hier kommt das Anpflanzen deutlich günstiger, weil weniger Umbaukosten am Untergrund anfallen.
Der nächste Punkt betrifft Grünflächen entlang von Straßen und Wegen, die bisher vor allem mit Büschen und Hecken bepflanzt sind. Diese werden mit klimaresistenten Stauden ausgetauscht, die wenig Pflege und Wasser benötigen und damit günstiger im Unterhalt sind. Zudem schafft die Stadt damit mehr Lebensraum für Insekten, betont Hornung. Schwerpunkte finden sich am Liebfrauensee und im Terrassenschwimmbad. "Wir haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich solche Grünflächen auf Stauden umgestellt. Wenn wir mit dem Förderprogramm durch sind, sind wir mit bis zu 90 Prozent dieser Flächen fertig", berichtet Tiefbauchef Hornung.
Ein besonderes Projekt ist in der ehemaligen US-Housing-Area im Norden der Stadt angesiedelt: Zwischen der Pfalzstraße und Am Steingraben gibt es einen Bolzplatz mit einem sich anschließenden, wild wuchernden und ungenutzten Areal. Diese Brache soll zu einer Naturoase umfunktioniert werden.
"Der Bolzplatz ist im Moment noch etwas verloren", erläutert Hornung. Die Naturoase soll kein klassischer Spielplatz sein, sondern eher ein öffentlicher Garten, an dem Natur erlebbar wird. Matschspielflächen sind geplant, ein Pavillon zum Ausruhen sowie Sträucher mit essbaren Beeren. "Bei dem Areal dort sind wir stark im Mietwohnungsbereich und die meisten Anwohner haben keine eigenen Gärten", sagt Vogel. Deshalb wolle die Stadt dort ein entsprechendes, öffentliches Angebot schaffen.
Wann wird gebaut?
Im Frühjahr werden die 90 Bäume im Grünen gepflanzt, die Arbeiten für die Stauden und die Straßenbäume finden im Lauf des Jahres statt. Für die Naturoase wird es im Frühjahr eine Bürgerbeteiligung geben, dann wird geplant und bis Frühjahr 2026 umgesetzt.
Ob die Baumarbeiten in der Siebold-, der Columbia- sowie der Steubenstraße verwirklicht werden, ist budgetabhängig. Priorisiert angegangen werden Hausener, Winkelser und Vernonstraße sowie die Evangelische Kirche.