Es ist die 22. Minute, als Ivan Franjic sich den Ball kurz vor der Strafraumgrenze des Gegners zurechtlegt. Er geht ein paar Schritte zurück, tritt noch einmal vor, richtet das Spielgerät erneut aus. Dann nimmt er Anlauf und feuert es über die Mauer hinweg, unhaltbar für Hannovers U-23-Keeper Leo Weinkauf ins Torwarteck.
Es sollte der entscheidende Treffer werden in diesem ersten Aufstiegsspiel gegen den Meister der Regionalliga Nord. Die Partie endete 1:0. Am Sonntag findet in Niedersachsens Landeshauptstadt das Rückspiel statt.
Am Morgen noch, so berichtete Franjics Tainer Marco Wildersinn nach dem Spiel, hatte der Mittelfeldspieler im Training aus einer ähnlichen Situation nur die Latte getroffen. Der Ball sei über das Fangnetz geflogen und auf dem Dach des neben dem Trainingsgelände gelegenen griechischen Restaurants gelandet. Generalprobe eben.
Am Abend dann saß der Schuss. Ein Traumtor. Ähnlich wie das im letzten Ligaspiel gegen die DJK Vilzing zwei Wochen zuvor. Allerdings ein Treffer mit wesentlich mehr Bedeutung.
"Im Endeffekt ist es egal, ob ich so ein Tor erziele oder den Ball einfach reinschiebe", sagte der 26-Jährige aus dem rheinland-pfälzischen Altenkirchen dann auch folgerichtig nach dem Spiel, schiebt aber nach: "Natürlich ist so ein Tor schöner und weckt vielleicht noch mehr Emotionen in einem. Aber am Ende zählt nur, dass er drin war." Findet auch Trainer Wildersinn, der sich ein Schmunzeln aber nicht ganz verkneifen kann: "Die ganze Saison machen wir kein Freistoßtor. Und jetzt zwei innerhalb von zwei Wochen."
Vor proppenvollen Rängen ("Es war wirklich sehr, sehr schön, den Dalle einmal ausverkauft zu sehen") hatten es die 96er den Kickers nicht leicht gemacht. "Hannover hat wirklich sehr, sehr gut gepresst über 90 Minuten. Die haben es nicht zugelassen, dass wir sie so dominieren, wie wir die Gegner in der Liga dominiert haben. Unser Spielaufbau war dadurch nicht so flüssig, wir mussten andere Lösungen finden."
Was Matchwinner Franjic Mut macht fürs Rückspiel in Hannover, ist sein Team: "Wie die Mannschaft gekämpft hat, wie jeder für jeden gelaufen ist, das stimmt einen positiv ein auf Sonntag." Die zu erwartende Kulisse von rund 20.000 Zuschauern bereitet ihm keine Bauchschmerzen: "Wenn wir unser Spiel durchbringen, wenn wieder jeder für jeden läuft, dann entscheiden wir, wie das Spiel endet."
Bleibt noch eine Frage an den Mittelfeldspieler, der den Dallenberg nach dem Spiel in Hannover Richtung Wiesbaden verlässt: War der Treffer am Mittwoch schon sein Abschiedsgeschenk? Franjic schüttelt den Kopf. Grinst. "Ich hoffe, mein Abschiedsgeschenk für Würzburg wird der Aufstieg."