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Fußball
Warum Krums Marco Schorr dem Fußball düstere Zeiten vorhersagt
Zwei Klassen nach unten ging es 2019 für den FSV Krum. Für den Sportleiter war das der richtige Weg. Warum für ihn ein Hamster symbolisch für die Probleme im Fußball steht.
Seit rund 30 Jahren für den FSV Krum auf Achse: Marco Schorr nimmt bei Heimspielen auch gerne das Mikrofon in die Hand.
Foto: Ralf Naumann | Seit rund 30 Jahren für den FSV Krum auf Achse: Marco Schorr nimmt bei Heimspielen auch gerne das Mikrofon in die Hand.
Matthias Lewin
 |  aktualisiert: 08.02.2024 12:29 Uhr

Marco Schorr zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft des Fußballs. "In zehn Jahren wird es keine B- und A-Klassen mehr geben", ist der Sportleiter des FSV Krum überzeugt, dass bis dahin viele Vereine die Segel streichen werden. Der 49-Jährige begründet seine Prognose mit dem fehlenden Nachwuchs und der nun schon "eineinhalb Jahre andauernden Fußballpause".

Seinem eigenen Verein geht es in Sachen Nachwuchs sogar noch gut. Über 20 Jugendspieler habe der FSV im vergangenen Jahr aus der eigenen U 19 in den Herrenbereich übernommen, aber "allein in der U-19-Kreisliga ist von zwölf Mannschaften nur noch der TV Haßfurt eigenständig", sieht Schorr eine ernüchternde Tendenz. "Viele der jungen Spieler haben mittlerweile andere Prioritäten. Da hat der Hamster Geburtstag und die Jungs können deshalb zwei Wochen nicht zum Training", spottet Schorr über die nachlassende Begeisterung für den Fußball. "Das wird den Fußball in den nächsten Jahren killen", zieht der zweifache Familienvater eine ernüchternde Bilanz.

Der FSV Krum selbst bekam diese Entwicklung am eigenen Leib zu spüren. Mit einem 5:3-Sieg in Bad Kissingen verabschiedete sich der FSV Krum Mitte Mai 2019 nach vier Jahren aus der Bezirksliga. Der Abstieg führte die Viktoria aber nicht in die Kreisliga: Der Verein ging freiwillig in die A-Klasse – und auch das nur, weil sich der FSV mit den Sportfreunden Steinbach zusammentat. Nur für sich hätten die Krümler kein Spielrecht für die A-Klasse gehabt und in der B-Klasse neu beginnen müssen. So aber profitierte Krum von der in A-Klasse beheimateten Steinbacher Reserve. Eine Spielgemeinschaft mit Steinbachs erster Mannschaft (Bezirksliga) verbieten die BFV-Statuten.

In der A-Klasse 5 kickt nun – abgesehen von zwei Steinbacher Spielern – eine reine Krumer Mannschaft. Der Großteil der Truppe stammt aus der eigenen Jugend. "25 Spieler haben wir in den letzten beiden Jahren aus unserem Nachwuchs gewonnen, heuer kommen noch einmal sechs aus diesem Topf hinzu", betont Schorr. Mit dem negativen Effekt, dass nicht mehr genügend eigene Spieler in der FSV-Jugend vorhanden sind und Krum nach dem Aufstieg der U 19 in die Kreisliga auch im Nachwuchsbereich mit anderen Vereinen zusammenarbeiten muss.

Der FSV Krum wird wieder eigenständig

"Mit Steinbach haben wir ein sehr gutes Verhältnis, das läuft perfekt", betont Schorr. Trotzdem wird der FSV Krum in der nächsten Saison wieder eigenständig antreten. Stand heute in der A-Klasse 5 und nach wie vor unter Spielertrainer Florian Degen. Der bekommt dann mit Christian Klug, dem bisherigen Goalgetter des Kreisligisten DJK Oberschwappach, einen spielenden Assistenten an die Seite gestellt. "Bei der zweiten und eventuell auch dritten Mannschaft werden wir weiter mit Steinbach zusammen antreten."

"Wir haben richtig gute, junge Fußballer an Bord", weiß Schorr, der für die erste Mannschaft in nächster Zeit das Ziel Kreisklasse anvisiert. An die Bezirksliga denkt er dagegen nicht: "Wir nehmen alles mit, was sportlich geht. Unser Ziel ist aber in erster Linie, unseren kleinen Verein am Leben zu erhalten."

"Keine Kumpels, keine Treffen, kein Bierchen – die werden in ihrer 'Sturm- und Drangzeit' ausgebremst."
Marco Schorr über die Folgen der Corona-Krise für die Jüngeren 

Die Vereinsaktivitäten sind derweil wie bei vielen anderen Vereinen auch ins Internet gewandert. Verschiedene Wettbewerbe sollen das sportliche Leben aufrecht und die Spieler bei Laune halten, sagt Schorr. Ihm persönlich ist es aber "völlig egal, ob die Saison abgebrochen wird oder nicht. Ich mache mir um den Fußball, abgesehen vom FSV, aktuell nur wenig Gedanken. Es gibt derzeit ganz andere Probleme. Soll der Verband mit der Saison machen, was er will."

Vor allem die jüngeren Kicker trifft die lange Pause gewaltig, geht der Geschäftsführer eines Betonwerks davon aus, dass die Pandemie gewaltige Spuren im Fußball hinterlassen wird. "Keine Kumpels, keine Treffen, kein Bierchen – die werden in ihrer 'Sturm- und Drangzeit' ausgebremst. Das fällt uns Alten schon schwer. Für die Jungen ist das aber noch mal härter."

In zwei Wochen ist die letzte Rate für das schmucke Krumer Sportheim fällig: Marco Schorr hat dann eine Baustelle weniger.
Foto: Matthias Lewin | In zwei Wochen ist die letzte Rate für das schmucke Krumer Sportheim fällig: Marco Schorr hat dann eine Baustelle weniger.

Schorr selbst ist bei der Viktoria seit rund 30 Jahren für die sportlichen Belange mitverantwortlich.  Als Stadionsprecher schnappt er sich zudem bei den Heimspielen das Mikrofon und streift sich trotz seiner knapp 50 Jahre nach wie vor das Trikot für die zweite Mannschaft über. "Dafür reicht es noch locker", schmunzelt Schorr.

Das Sportheim ist abbezahlt

Finanziell hatte der FSV in den vergangenen Monaten auch zu knabbern, denn reguläre Einnahmen gab es keine, die letzten Raten für das Sportheim (ist Ende April endgültig abbezahlt) und die anfallenden Nebenkosten wollten dennoch bezahlt werden, wofür die Ersparnisse des Vereins herhalten mussten. Auch ein Spendenaufruf an die Mitglieder half dabei, zudem honorierten Sponsoren die "Laufchallenge" mit rund 1000 Euro. "Wirtschaftlich stehen wir gut da", hat Schorr zum Schluss aber auch gute Nachrichten – zumindest für "seinen" FSV Krum.

 
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