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Würzburg
Sag mal, Oma Christa: Helfen Menschen einander heute seltener als früher?
Man hört es immer wieder: Auf die Hilfe anderer kann man sich heute nicht mehr verlassen. Oma Christa, stimmt es wirklich, dass die Hilfe anderer heute selten geworden ist?
Oma Christa Fischer ist 75, kommt aus Höchberg und gibt ihre Tipps und Erfahrungswerte zu verschiedenen aktuellen Themen wieder. Sie ist "die Oma für alle" und steht mit Rat und Tat zur Seite.
Foto: Thomas Obermeier | Oma Christa Fischer ist 75, kommt aus Höchberg und gibt ihre Tipps und Erfahrungswerte zu verschiedenen aktuellen Themen wieder. Sie ist "die Oma für alle" und steht mit Rat und Tat zur Seite.
Gina Thiel
 |  aktualisiert: 15.07.2024 11:48 Uhr

Diese Redaktion möchte Christa Fischer vorstellen: Unter der Überschrift "Sag mal, Oma Christa....?" wird sie zukünftig zu aktuellen und zeitlosen Themen die Erfahrungen aus ihrem bewegten Leben teilen und mit Ratschlägen zur Seite stehen – wie eine echte Oma eben. Diesmal haben wir sie gefragt, ob Zivilcourage heute wirklich weniger geworden ist.

Ich denke, man muss da unterscheiden, ob man sich selbst in Gefahr bringt, wenn man anderen hilft, beispielsweise bei einer Schlägerei. Oder ob man anderen hilft und sich dabei selbst nicht in Gefahr bringt, beispielsweise wenn man Erste Hilfe leistet.

Ich habe schon den Eindruck, dass es heute gefährlicher ist, Zivilcourage zu zeigen, weil man doch immer Bedenken haben muss, dass man selbst auch eins auf die Nase bekommt. Dann überlegt man sich zweimal, ob man wirklich einschreiten soll –gerade wenn man, wie ich, eine Oma ist. Ich habe die Erfahrung neulich erst gemacht, als ich in der Straßenbahn saß und eine Gruppe junger Männer nach dem Frühjahrsvolksfest einstiegen und eine junge Frau angepöbelt haben.

Da habe ich hin und her überlegt: Wann sage ich etwas? Für mich war klar, sobald sie die Frau anfassen, schreite ich ein. Ich hatte aber auch Bedenken, ob sie mich dann auch angreifen. In dem Moment, wo ich beschlossen habe, dass ich zum Bahnfahrer gehe, ist dann aber ein junger Mann aufgestanden und hat etwas zu der Gruppe gesagt. Das fand ich wirklich gut, aber da ist mir auch bewusst geworden, dass es echten Mut erfordert, Zivilcourage zu zeigen und es nicht ungefährlich ist.

Andererseits habe ich neulich selbst eine ganz tolle Situation erlebt, in der mir geholfen wurde –total uneigennützig und das fand ich sehr rührend. Ich bin mit dem neuen Auto meiner Tochter durch die Stadt gefahren. Vor mir hat eine Frau gebremst und ich bin ihr hinten rein gefahren. Ich stand total unter Schock, weil ich mich einerseits erschrocken habe und andererseits so ein schlechtes Gewissen wegen des neuen Autos hatte.

Als ich ausgestiegen bin, habe ich angefangen zu zittern und ich bin ohnmächtig geworden. Als ich zu mir kam, standen vier Personen um mich herum und haben mir gesagt, dass alles wieder gut wird und nichts Schlimmes passiert ist. Auch die Autofahrerin, der ich hinten reingefahren bin, war sehr nett zu mir und hat meine Hand gehalten und mich beruhigt. Ein junger Mann hat mich dann auf die Seite gedreht, damit ich besser atmen konnte und dann kam auch schon der Rettungswagen.

So richtig realisiert, was da passiert ist, habe ich erst am nächsten Tag und dann tat es mir so leid, dass ich mich bei den lieben Helferinnen und Helfern nicht bedankt habe. Das würde ich hier nun gerne nachholen: Danke.

Selbstverständlich ist es heute nicht und war es auch früher nicht, dass andere Menschen einem in Notsituationen helfen und zur Seite stehen – auch, wenn das bedeutet, dass sie sich selbst in Gefahr bringen könnten. Ich würde jeder Person, die darüber nachdenkt, anderen zu helfen, raten, sich andere Menschen zu holen, die einen unterstützen oder in Gefahrensituationen unauffällig die Polizei rufen.

Wer ist Oma Christa?

Sag mal, Oma Christa: Helfen Menschen einander heute seltener als früher?
Die 75-jährige Höchbergerin kommt ursprünglich aus Bielefeld (Nordrhein-Westfalen), ist stolze Mama und Oma von drei Kindern und fünf Enkelkindern. Sie selbst beschreibt sich als "humorvolle, agile, ältere Dame", steht heute noch regelmäßig auf der Bühne des Würzburger Theater-Ensembles und arbeitet ehrenamtlich im Weltladen. Ihre Erwachsenenjahre verbrachte sie zum größten Teil in verschiedenen afrikanischen Ländern, wie Ghana, Kamerun, Mali oder Tansania, wo sie als Krankenschwester arbeitete.
Heute lebt sie mit ihrer Tochter und deren Kindern zusammen unter einem Dach, wo immer wieder verschiedene Meinungen, Ansichten und auch Generationen zusammentreffen und rege Diskussionen entstehen. "Wir sind eine sehr bunte Familie, in der jeder seine eigene Meinung haben darf, solange diese niemand anderen verletzt", fasst Christa Fischer zusammen.
gith

Die Seniorenvertretung, die Stadt Würzburg und die Stadtgesellschaft haben das Jahr 2023 unter das Motto "Generationen im Dialog –Wir alle werden älter" gestellt. Dazu finden das gesamte Jahr über verschiedene Angebote und Veranstaltungen für Jung und Alt statt. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Website der Seniorenvertretung

 
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