Mehr registrierte Gewalt gegen Polizisten, mehr Verbrechen im Internet - dennoch liegt die Zahl der erfassten Straftaten in Unterfranken auf einem historischen Tiefstand. Und mehr als 72 Prozent davon habe man aufklären können, sagt Polizeipräsident Gerhard Kallert, das sei ebenfalls ein Bestwert. Am Montag stellte der Präsident des Polizeipräsidiums Unterfranken gemeinsam mit Kriminaldirektor Holger Baumbach die Sicherheitsbilanz 2020 vor. "Insgesamt erfreulich", so Kallerts Fazit. "Besonders die Entwicklung bei der Aufklärungsquote freut mich sehr." Sie zeige, dass die Region vergleichsweise sicher sei.
Die Gesamtzahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge gesungen - wenn auch nur um 21 Delikte auf 49 413. Im Vergleich zum Jahr 2002, als die Zahl der Delikte noch bei über 70 000 gelegen habe, sei dies ein großer Fortschritt. "Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung steigt, je weniger Straftaten verübt und je mehr davon aufgeklärt werden", so Kallert.
Auch im bayernweiten Vergleich habe Unterfranken gut abgeschnitten: Die sogenannte Häufigkeitszahl, die die Straftaten pro 100 000 Einwohner beziffert, ist hier im Vergleich der sieben Regierungsbezirke mit 3750 nach Niederbayern (3717) am zweitniedrigsten. Und nur Niederbayern und Oberfranken weisen mit 74,7 Prozent eine höhere Aufklärungsquote auf als die unterfränkische Polizei.
Internetkriminalität nimmt zu
Doch ähnlich wie bei der Verkehrsbilanz gibt es auch bei der Sicherheitsbilanz Bereiche, die Sorgen machen. Internetkriminalität und Callcenter-Betrug, also der mittlerweile als "Enkeltrick" bekannte Anruf bei Senioren, nannten Kallert und Baumbach hier an vorderster Stelle. Bei den Online-Straftaten stellte die Polizei in Unterfranken im vergangenen Jahr eine Steigerung von fast 14 Prozent fest. Auffällig sei hier der Anstieg beim Tatbestand der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte, sagt Kriminaldirektor Holger Baumbach. Häufig seien es Kinder und Jugendliche, die in Klassenchats verbotene oder problematische Inhalte verbreiteten. Nach den Osterferien will die Polizei deshalb eine Aufklärungskampagne dazu starten: "Dein Smartphone - Deine Entscheidung".
Ein typischer Fall von Callcenterbetrug ist laut Kallert der Anruf eines vermeintlichen Arztes aus einer nahegelegenen Klinik, bei dem Senioren zum Bezahlen eines lebenswichtigen Medikamentes für einen Angehörigen aufgefordert würden. In Unterfranken sei die Zahl der Anzeigen in solchen oder vergleichbaren Fällen um knapp 20 Prozent gestiegen. In rund fünf Prozent der Fälle sei bei dem Callcenterbetrug tatsächlich zu einer Geldübergabe gekommen. Seit Dezember informiert die Polizei deshalb in der Kampagne "Leg auf!" über Maschen der Telefonbetrüger und versucht ältere Menschen mit Verhaltenstipps dafür zu sensibilisieren.
Jede Woche werden fünf Polizeibeamte verletzt
"Ein Thema das uns besonders Betroffen macht", so Kallert, sei die Gewalt gegen Polizebeamte. Sie habe im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent zugenommen: "Jede Woche werden fünf Kollegen verletzt", rechnete der Polizeipräsident vor. Insgesamt habe es in Unterfranken 759 Fälle von Gewalt in verschieden Formen gegen Polizeibeamte gegeben, 249 Beamte seien im Dienst verletzt worden. Dabei sei dies nur zu sehr geringen Anteilen auf die Corona-Maßnahmen zurückzuführen, sagt Kallert. In zwei Drittel der Fälle seien die Tatverdächtigen alkoholisiert gewesen.
So wie wir erwarten dürfen, dass sich die Polizei im Rahmen geltenden Rechts bewegt, können die Beamtinnen und Beamten erwarten, dass sie von den Bürgern respektiert werden.
Da scheint mir viel "Imagepflege" dabei zu sein....die Studien von Prof. Singelnstein zur (oft brachialen und völlig überzogenen) Gewalt von Polizeibeamten, die von Staatsanwaltschaften regelhaft NICHT ermittelt und verfolgt wird, sind da doch wesentlich klarer und alarmierender!
Und meine eigene Erfahrung als Polizist hat mich auch gelehrt: einen "Widerstand" muss man sich oft erst einmal verdienen.
Sind nicht alle Beamte/in so aber es gibt sie!!!