Etwa 20.000 Euro hat aktuell alleine eine alte Dame im Landkreis Würzburg verloren. Und vor wenigen Tagen waren Betrügerinnen auch in Bad Mergentheim erfolgreich. Je nach Vermögen kann es auch schnell mehr sein. Den traurigen Rekord hält eine alte Dame in Aschaffenburg: Dreimal binnen zwei Tagen holen Betrüger bei ihr Geld und Goldmünzen ab - und machen so insgesamt gut 100.000 Euro Beute.
Es gibt aber auch Gegenbeispiele - wie das eines 100-jährigen Senioren aus Hameln: Der fiel nicht gleich auf den Rattenfänger herein, der sich am Telefon als sein Enkel ausgab. Zur Sicherheit fragte er nach dem Namen der Freundin seines Enkels. Als der Unbekannte ins Stottern geriet, war schnell klar: Hier wollen Betrüger an sein Vermögen.
Manchmal helfen auch aufmerksame Mitarbeiter der Bank, bei der die Senioren plötzlich grundlos hohe Beträge abheben wollen - wie kürzlich in Schweinfurt. Die hellwache Mitarbeiterin schlug Alarm und bewahrte dort eine 94-jährige Kundin davor, 10.000 Euro Erspartes zu verlieren
Immer häufig fallen clevere Rentner nicht auf die Masche herein
Beim Betrug mit dem „Enkeltrick“ könnte die Polizei verzweifeln: Einerseits trägt ihre jahrelange Aufklärung Früchte, denn immer mehr Senioren legen einfach das Telefon wieder auf, wenn der angebliche Enkel um Geld bettelt. Andererseits ist die Masche nicht tot zu kriegen – weil die Betrüger jetzt den guten Namen der Polizei missbrauchen.
Die Polizei warnt vor solchen oder ähnlichen Telefonanrufen: Ein vermeintlicher Verwandter ruft an. Meist beginnt das Gespräch mit: „Hallo Oma, rate mal, wer dran ist?“ und erfährt so meist den Namen eines Enkels. Der Betrüger gibt sich dann weiter als Verwandter aus, fragt nach Geld, um ihm aus der Patsche zu helfen.
Neuer Trick: Gauner geben sich als Polizei aus
Fliegt dieser Schwindel auf, meldet sich kurze Zeit später ein angeblicher Polizist, Staatsanwalt oder Finanzbeamter und bittet um Hilfe bei der Fahndung nach den Betrügern – und bietet an Geld und Wertgegenstände sicher zu stellen. Diese sehen die Gutgläubigen dann in der Regel nie wieder.
Zu spät misstrauisch
Die Begründung klang aberwitzig: Angeblich brauchte die Nichte dringend Geld für den Kauf einer Wohnung. Die Seniorin glaubte das, ging zu ihrer Bank, hob ihr Erspartes ab und übergab es in einem Café an einen ihr unbekannten Mann.
Erst auf dem Heimweg kam der Landkreisbewohnerin die Geschichte komisch vor. Sie begann bei ihrer Verwandtschaft nachzufragen. Hierbei stellte sich heraus, dass die Dame dreisten Betrügern zum Opfer fiel
Betrüger bundesweit unterwegs
Kurz vor Heilig Abend waren solche Gauner besonders gierig unterwegs: Aus Wiesbaden, Dortmund und Lüdenscheid, aus Freiburg, Karlsruhe und Speyer – und aus Unterfranken. Das perfide dabei: Auf diese Weise werden Senioren nicht nur um die Ersparnisse ihres ganzen Lebens betrogen. Zusätzlich sehen sie sich häufig den Vorwürfen und dem Unverständnis ihrer „richtigen“ Verwandten ausgesetzt. Und sie verlieren das Vertrauen in ihre echten Enkel.
Die perfekt deutsch sprechenden Täter rufen nach Angaben von Polizeibeamten aus Callcentern – früher aus Polen, aber seit dort Polizeiaktionen bestehende Strukturen zerschlagen haben, auch in der Türkei. Bei der Wahl der Opfer orientieren sich die Täter gezielt an Vornamen, die auf ältere Jahrgänge schließen lassen, wie Erna, Klara, Hedwig, Josef, Alfred. Gefährdete Personen sind ältere, vereinsamte, schwerhörige, seheingeschränkte sowie demente Menschen.
Die Hintermänner bleiben oft ungeschoren
Sie schicken – wenn sie das Opfer „am Haken“ haben - Geldboten vorbei, die nur das nötigste wissen. Deshalb kommen Ermittlungen häufig kaum über die Festnahme der Abholer hinaus.
Als Erfinder der Masche gilt Arkadiusz L., Spitzname „Hoss“. Er sitzt in Polen in Untersuchungshaft, die Spur seiner Mittäter zieht sich quer durch ganz Europa. Österreich hat sich (bisher vergeblich) um die Auslieferung des Mannes bemüht, der allein im Deutschsprachigen Raum für Schäden in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro verantwortlich sein soll. Sein Sohn, Spitzname "Lollo" wurde aber voriges Jahr in Hamburg zu über zwölf Jahren Haft verurteilt.
Im Video erklärt. So schützen Sie sich vor den "Enkeltrick" Betrügern:
Quelle Video: UniCredit S.p.A. in Kooperation mit der Polizei