
Die Diskussion um sogenannte "Relaxed Performances" am Mainfranken Theater in Würzburg zeigt eines deutlich: Der Weg zu einer vollständigen Inklusion ist noch weit. Die Idee von Intendant Markus Trabusch, separate Aufführungen für Menschen mit Behinderungen anzubieten, mag auf den ersten Blick pragmatisch erscheinen. Schließlich könnten andere Vorstellungen von Zwischenrufen, die Trabusch als "massive Störung" bezeichnet, unberührt bleiben. Doch dieser Ansatz offenbart eine problematische Einstellung und vor allem ein grundlegendes Missverständnis von Inklusion.
Echte Inklusion bedeutet, dass alle Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Einschränkungen, gleichberechtigt und selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Sonderveranstaltungen für Menschen mit Behinderungen widersprechen diesem Prinzip. Statt Barrieren abzubauen, schaffen sie neue: getrennte Vorstellungen für Menschen mit und ohne Behinderung.
Das Theater sollte ein Vorbild sein
Wie Stadträtin Silke Trost treffend bemerkte, muss eine diverse und moderne Gesellschaft solche Situationen aushalten können. Zwischenrufe und spontane Reaktionen, wie sie im Theater vorkommen, sind Teil der menschlichen Vielfalt – sei es von Kindern oder eben von Menschen mit Behinderungen. Das Theater als kulturelle Institution sollte ein Vorbild sein, wie man mit dieser Vielfalt umgeht, anstatt sie zu separieren. Vor allem aber sollten Ideen mit den betroffenen Personen selbst besprochen und potenzielle Lösungen nicht über die Köpfe hinweg getroffen werden.
Wer die Perspektive der Menschen mit Behinderung einnimmt, der läuft weniger Gefahr, vermeintliche Lösungen anzubieten, die eher Teil des Problems sind. Echte Inklusion ist keine Sonderveranstaltung – sie ist eine Grundhaltung.
Inklusion beginnt nicht bei der Reaktion auf Zwischenfälle, sondern bei der Frage nach der Selbstbestimmung. Oft wird über die Folgen eines Ereignisses gesprochen, doch selten gefragt: War die Teilnahme freiwillig? In Betreuungseinrichtungen wird über kulturelle Aktivitäten häufig kollektiv entschieden – echte Wahlfreiheit fehlt. Dies widerspricht dem Prinzip der Autonomie.
Die Frage lautet: Wer entscheidet und wessen Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt? Ohne aktive Einbindung der Betroffenen bleibt Inklusion eine Illusion. Statt nur auf Zwischenfälle zu reagieren, müssen wir die Prozesse hinterfragen: Gab es Alternativen? Wurden Wünsche respektiert?
Wahre Inklusion setzt Freiwilligkeit voraus. Sie beginnt weit vor einer Veranstaltung – bei der selbstbestimmten Entscheidung der Betroffenen. Nur so wird Teilhabe wirklich gelebt.
muss man also auch, wenn man sich auf eine Vorstellung gefreut hat und im Extremfall feststellen muss, dass das Publikum (wer, wie und warum auch immer, darauf lege ich Wert) lauter ist als die Darstellenden, so dass man vom Stück nur bruchstückweise etwas mitbekommt?
Irgendwie habe ich den Verdacht, Menschen die so etwas fordern, gehen entweder nicht ins Theater oder wären selbst die ersten, die wg. mangelhaften Kunstgenusses ihr Geld zurückwollen (so ähnlich wie ich schon lange den Verdacht habe, eine Menge Leute glauben, wenn sie nur politisch extrem korrekt reden, macht es nix, wenn sie das Gegenteil davon tatsächlich tun/ nennt man glaub ich auch "scheinheilig").
Vielleicht kann man ja Aufführungen für Leute machen, die (wie ich) selber einen autistischen Touch bei sich sehen und die Krise kriegen, wenn in der Vorstellung ständig(!) irgend(!)welche Störungen stattfinden? Aber halt, das wäre ja dann vmtl. auch wieder eine Diskriminierung...
Andrea Berg bspw. hat 2019 medienwirksam mit Diakonie-Oberen ein „Heimspiel inklusiv“ ausgeklungelt, bei dem Menschen mit Behinderung mit „Freikarten“ einem Probelauf des Konzerts beiwohnen dürfen. Corona hat Wiederholungen bislang verhindert.
Es ist auch völlig üblich, Behinderteneinrichtungen Kartenkontingente für verbilligte „Vor-Premieren“ bei Musicals anzubieten.
Beim Musical „Tarzan“ im SI-Centrum Stuttgart bspw. durften so zahlreiche Menschen mit Behinderung einer Vorstellung beiwohnen, die wegen „technischer Probleme“ fünf Mal bis zu einer Dreiviertel Stunde unterbrochen werden musste und bis nach Mitternacht andauerte.
Bei der „echten“ Premiere mit der geladenen Prominenz und regionalen Politgrößen eine Woche später hat dann alles tadellos geklappt….
Und auch wichtig: Die Schauspieler müssen sich ungeheuer stark auf ihre Darbietung konzentrieren können. Das ist im Falle von Störungen besonders schwierig. Auf diese Aspekte wird im Bericht gar nicht eingegangen.