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Würzburg
JVA-Beamter machte Kasse mit Handy-Schmuggel ins Gefängnis
Es ist verboten, aber teuer und möglich: Telefonieren für Gefangene in der Zelle. Der rege Handel mit Mobiltelefonen in der Würzburger JVA landet jetzt vor Gericht.
Handy statt Hering: In einfallsreichen Verstecken finden verbotene Mobiltelefone ihren Weg ins Gefängnis, hier in einer Konservendose, die bei einer Beschlagnahme in Sachsen gefunden wurde. In Würzburg soll ein schmuggelnder JVA-Bediensteter beispielsweise eine Schachtel mit Cornflakes als Tarnung benutzt haben.
Foto: Peter Endig, dpa | Handy statt Hering: In einfallsreichen Verstecken finden verbotene Mobiltelefone ihren Weg ins Gefängnis, hier in einer Konservendose, die bei einer Beschlagnahme in Sachsen gefunden wurde.
Manfred Schweidler
 |  aktualisiert: 07.04.2020 12:50 Uhr

Telefonieren war im Würzburger Knast - wie so vieles - eine Frage des Preises. Polizei und Staatsanwaltschaft haben nach intensiven Ermittlungen Belege für einen illegalen, aber schwunghaften Handel mit Handys gefunden. Das ganze funktionierte offenbar mithilfe eines JVA-Bediensteten, der sich dafür bestechen ließ - und nun vor Gericht landet.

Anklage gegen den beamteten Schmuggler

Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg, bestätigt nicht nur Informationen dieser Redaktion über den Handy-Handel vom Jahresbeginn. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft gegen den Beamten Anklage wegen Bestechlichkeit und auch Drogenhandels erhoben.

Weitere 16 Personen sind angeklagt, darunter Gefangene und deren Angehörige, die dem JVA-Beamten die Handys zum Einschmuggeln besorgt und übergeben hatten.  In drei Fällen wurden Ermittlungen eingestellt.

Telefon im Lampenschirm versteckt 

Unter ihnen ist auch ein wegen Betrugs inhaftierter Schönheitschirurg. Er war im vorigen Sommer offenbar mit einer Telefonkarte erwischt worden, die ihm aus den Kleidern fiel. Das war Auslöser umfangreicher Ermittlungen und Durchsuchungen. Bei diesem Gefangenen fand sich ein Handy, das in einem Lampenschirm versteckt gewesen sein soll.

Der Gefangene erklärte in einer Vernehmung, das Handy sei ihm untergeschoben worden, er habe gar nicht das nötige Werkzeug, um den Lampenschirm zu öffnen. Ob ihm der für seine unverblümte Art bekannte Amtsrichter Thomas Behl das abnehmen wird, muss sich zeigen. Immerhin geht es für diesen Gefangenen beispielsweise darum, ob er seine Strafe von über fünf Jahren voll absitzen muss oder vorzeitig entlassen werden kann für neue Geschäfte, die er seinen Freunden und Gläubigern bereits schriftlich versprochen hat.

Bordellbetreiber soll eine zentrale Rolle gespielt haben 

Eine zentrale Rolle bei den illegalen Geschäften spielt den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge ein Bordellbetreiber (27) aus Oberfranken, der in Würzburg im Knast saß. Er soll den Beamten dazu gebracht haben, für ihn ein Handy in die JVA einzuschmuggeln. Daraus soll sich dann innerhalb kurzer Zeit ein boomender Handel entwickelt haben. Ein weiterer Mittäter soll ein langjährig einsitzender Drogenhändler sein.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Würzburg.
Foto: Norbert Schwarzott | Die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Würzburg.

Die teilweise sehr kleinen Geräte werden am und im Körper sowie in doppelten Böden von Schachteln oder Tuben versteckt, manchmal auch in scheinbar intakten Konservendosen. In diesem Fall sollen zum Beispiel in einer Cornflakes-Packung gleich neun Handys eingeschmuggelt worden sein, fast zwei Dutzend insgesamt.

Zweiter JVA-Bediensteter zeitweise unter Verdacht

Der Beamte der Justizvollzugsanstalt, der seit Dezember 2018 selbst hinter Gittern sitzt, löste auch eine richterlich angeordnete Durchsuchung der JVA aus. In den Verdacht, an den Geschäften mit den Gefangenen beteiligt gewesen zu sein, geriet auch ein Kollege von ihm. Diese Ermittlungen wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft allerdings eingestellt.

Haschisch gegen "Rückenschmerzen" geschmuggelt 

Für die "Gefälligkeiten" hielt der beschuldigte JVA-Beamte den Ermittlungen zufolge die Hand auf und ließ sich mit Bargeld entlohnen. 100 Euro soll der Bedienstete pro Handy bekommen - und dafür seinen Arbeitsplatz riskiert - haben. Hin und wieder habe er aber auch Sonderwünsche wie Haschisch gegen "Rückenschmerzen" erfüllt. 

Die Staatsanwaltschaft sieht das geplante und arbeitsteilige Vorgehen -zwischen dem JVA-Beamten, den Insassen und deren Angehörigen - offenbar als Bandendelikt, was höhere Strafen möglich macht. "Dafür fehlen mir die hinreichenden Anhaltspunkte", sagte auf Anfrage Hanjo Schrepfer, der Verteidiger des JVA-Bediensteten.

Beamter als "kooperationswillig" bekannt?

Die Termine für die Prozesse, die vors Amts- und zwei Kammern des Landgerichts kommen, stehen noch nicht fest. Eine nicht unerhebliche Rolle könnte in den Verfahren auch noch die bisher unbeantwortete Frage spielen, wie lange der Beamte bereits diesen oder andere Arten von illegalem Handel trieb. Denn der als glaubwürdig eingestufte Bordellbesitzer sagte aus, dass ihm der Beamte bereits als "kooperationswillig" bekannt gewesen sei.

 
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