
Handys in der Schule sind umstritten. Manche sehen darin "Konzentrationskiller", andere großes Potenzial für den Einsatz im Unterricht. In Österreich soll ab 1. Mai ein bundesweites Smartphoneverbot an Schulen für die unteren acht Klassenstufen gelten und auch in Deutschland sorgt das Thema für Diskussionen. Mit Hessen will ein erstes Bundesland vom nächsten Schuljahr an die private Nutzung von Handys in Schulen grundsätzlich verbieten.
Geht es nach dem bayerischen Elternverband, soll es auch im Freistaat bald strenger zugehen. Dort wurden die Regeln im Jahr 2022 erst gelockert. Seitdem entscheiden Schulen in Bayern selbst, wie sie den Umgang mit dem Smartphone während der Unterrichtszeit regeln wollen. Verbannt sind Handys lediglich aus Grundschulen und den Grundschulstufen an Förderschulen.
Handys dürfen nur mit Ansage der Lehrkraft verwendet werden
Die weiterführenden Schulen im Ochsenfurter Raum haben dementsprechend jeweils eigene Regeln für das Smartphone auf dem Schulgelände aufgestellt. "Bei uns gilt, dass die Schüler die Handys vor Betreten des Schulhauses ausmachen und in die Schultasche stecken sollen", sagt Michael Hümmer, Rektor der Mittelschule in Ochsenfurt. Ab und an komme das Handy im Unterricht zum Einsatz. "Dann aber mit klarer Ansage von der Lehrkraft", sagt Hümmer.
Dass sich nicht alle an die Regeln halten, sei ihm durchaus bewusst. Größere Vorfälle, bei denen Handys missbräuchlich verwendet wurden oder jemand zu Schaden gekommen wäre, habe es zuletzt aber keine gegeben, so der Schulleiter. "Bei uns kann man rein theoretisch das Handy mit dem Beamer verbinden. Das ist schon mal vorgekommen, aber das sehe ich eher als Streich an."
Wäre es Schülerinnen und Schülern erlaubt, ihr Smartphone frei zu nutzen, gebe es mehr Probleme an der Schule, ist sich Hümmer sicher. "Dann würde es sicher öfter vorkommen, dass zum Beispiel Fotos und Videos von Leuten gemacht werden, die das nicht wollen. Und das lässt sich nur schwer kontrollieren."
Mittelschule Gaukönigshofen verschärft Regeln
An der Mittelschule in Gaukönigshofen haben solche Vorfälle in der Vergangenheit schon öfter für Ärger gesorgt – bis hin zu Anzeigen bei der Polizei. "Das waren Filmclips aus dem Unterricht oder aus den Toiletten, teilweise mit unschönen Inhalten. Oder auch Mobbingvorfälle, bei denen Bilder aufgenommen und weiter verbreitet wurden", sagt Schulleiter Joachim Zürn. Präventivmaßnahmen wie beispielsweise Unterrichtsinhalte oder Vorträge der Polizei, hätten wenig Wirkung gezeigt.
Deshalb gelten an der Mittelschule seit kurzem strengere Regeln für die Handynutzung. Smartphones auf dem Schulgelände oder im Schulbus zu nutzen, ist den Schülerinnen und Schülern dort schon länger untersagt. Daran hätten sich allerdings nicht alle gehalten, sagt Zürn. Jetzt werden die Geräte zusätzlich vor Unterrichtsbeginn eingesammelt und erst am Ende des Schultags wieder zurückgegeben.
Er hoffe, dass die Ausstattung der Schule mit ausreichend vielen Tablets es bald überflüssig mache, Handys im Unterricht zu verwenden – und gleichzeitig trotzdem digitale Medien zum Lernen zur Verfügung stünden.
"Verbieten halte ich eigentlich für den falschen Weg, aber den richtigen Weg haben wir noch nicht gefunden", sagt der Schulleiter. "Es ist unsere Aufgabe, die Kinder zu mündigen Menschen zu machen und wir versuchen ihnen auch zu zeigen, wie Handys sinnvoll und richtig zu benutzen sind. Aber gegen die schillernde Welt von Social Media zum Beispiel haben wir keine Chance."
Gymnasium Marktbreit erlaubt Handynutzung am Nachmittag
Weniger streng geht das Gymnasium Marktbreit, das auch von vielen Schülerinnen und Schülern aus dem südlichen Landkreis Würzburg besucht wird, mit dem Thema um. Wird es nicht gezielt im Unterricht eingesetzt, sei dort die Nutzung von Smartphones am Vormittag ab dem Betreten des Schulgebäudes nicht erlaubt, sagt Schulleiterin Christiane Lehrieder. "Die Schüler sollen sich in der Pause persönlich unterhalten", sagt sie. Ab 12.55 Uhr dürften die Kinder und Jugendlichen ihre Handys auf dem Schulgelände allerdings auch für private Zwecke nutzen.
Darauf habe sich das Schulforum, bestehend aus Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern, geeinigt, so die Schulleiterin. Nach ihren Angaben funktioniere die Regelung gut. "Da stehen auch alle dahinter."