
Aus 40 Stoffteilen besteht das fast 24 Quadratmeter große Tuch, das seit Aschermittwoch ein Wandgemälde des auferstandenen Christus in der St. Josefskirche verhüllt. Es ist das Ergebnis eines einjährigen Gemeinschaftsprojekts: Mehr als 100 Menschen aus Rottenbauer und Umgebung waren an der Gestaltung des Tuches beteiligt. Fastentücher gibt es im Christentum bereits seit dem Mittelalter. Mit ihnen werden von Aschermittwoch bis Karsamstag bildliche Darstellungen Jesus verhüllt – man fastet sozusagen mit den Augen. Für die St. Josefskirche ist es das erste Fastentuch.
Die Idee entstand vor einem Jahr
Die Idee für das außergewöhnliche Projekt entstand in der Osterzeit des vergangenen Jahres. Am Karfreitag wird der Gemeinde traditionell der gekreuzigte Jesu präsentiert. "Das ist irgendwie unsinnig, wenn dahinter an der Wand sechs Meter groß der auferstandene Christus gemalt ist", erklärt Gemeindereferent Frank Greubel. So fasste er gemeinsam mit der ehemaligen Pfarrsekretärin Gabriele Kielenbeck den Entschluss: Ein Fastentuch muss her.
Um aus der Gestaltung ein Gemeinschaftsprojekt zu machen, kauften die beiden zunächst ein 24 Quadratmeter großes Tuch und teilten es dann in 40 gleich große Stoffteile. "Die wurden dann an alle verteilt, die mitwirken wollten", so Greubel. Dazu gehörten zum Beispiel kirchliche Gremien, Arbeitskreise und Schulen. Auch weltliche Vereine wie die Freiwillige Feuerwehr und der TSV Rottenbauer beteiligten sich an der Gestaltung. Die fertig bemalten Stoffteile nähte Kielenbeck anschließend wieder zu einem großen Tuch zusammen. "Das waren etwa 60 Stunden, die ich daran gearbeitet habe", erinnert sie sich.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die fast 24 Quadratmeter Stoff sind gespickt mit Symbolen, Sprüchen und Zeichnungen in unterschiedlichsten Farben. Vorgaben zur Gestaltung habe man bewusst keine gegeben, sagt Kielenbeck. Umso begeisterter sei sie, welche kreativen Wege die Beteiligten zur Gestaltung gewählt hätten. "Man sieht, dass ganz viele Techniken verwendet wurden: Von Malen über Druck zu Applizieren", erklärt sie.
Dass sich die Arbeit gelohnt hat, machen auch die durchweg positiven Reaktionen auf das fertige Fastentuch deutlich. "Es sind sogar Leute extra vom Heuchelhof hergepilgert, um sich das Tuch anzuschauen", sagt Kielenbeck. Greubel ergänzt: "Es ist eben nichts Fremdes, was man irgendwo bei einem Kunsthändler gekauft hat." Die gemeinsame Gestaltung habe die Gemeinde zusammengeschweißt. "Wir sind eine lebendige Gemeinde, das haben wir bildhaft mit dem Tuch ins Bewusstsein gebracht", meint er. Das Tuch soll zukünftig immer während der Fastenzeit aufgehängt werden – eine neue Tradition für St. Josef.