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Stammheim
Stammheim statt Weltreise: Im Gasthaus zur Schmiede hat die neue Pächterin ihr Glück gefunden
Eigentlich waren Koffer und Auto gepackt für eine große Tour. Warum Nadine Lippolis aus Hohenlohe ihre Pläne änderte und jetzt ein fränkisches Gasthaus führt.
Nadine Lippolis aus dem schwäbischen Hohenlohe, die neue Pächterin des fränkischen Gasthauses zur Schmiede in Stammheim, fühlt sich richtig wohl in ihrem neuen Domizil. Sie wollte eigentlich die Welt entdecken, doch dann hat sie sich in das Lokal 'verliebt'.
Foto: Anand Anders | Nadine Lippolis aus dem schwäbischen Hohenlohe, die neue Pächterin des fränkischen Gasthauses zur Schmiede in Stammheim, fühlt sich richtig wohl in ihrem neuen Domizil.
Stefan Pfister
 |  aktualisiert: 16.03.2024 02:43 Uhr

Wenn Nadine Lippolis die Kleinanzeige mit dem Gasthaus auf einem bekannten Onlineportal nicht entdeckt hätte, wäre sie schon seit einigen Monaten in Europa unterwegs. In einem der vielen touristischen Hotspots, wo sie künftig arbeiten und nebenbei die Welt entdecken wollte.

Besonders das Foto mit der "süßen Pergola" hatte es ihr damals angetan, in die sie sich sofort verliebte. Sie nahm Kontakt mit dem Eigentümer auf – eine Stunde später war sie Pächterin des alteingesessenen Gasthauses zur Schmiede in Stammheim.

So schnell kann es gehen im Leben. Das hat die gebürtig aus Hohenlohe in Baden-Württemberg stammende Lippolis im Herbst hautnah erlebt. Ihre Entscheidung bereue sie nicht, sagt sie und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Anfang März hat die 41-Jährige das Gasthaus wiedereröffnet, nachdem es zuvor einige Monate geschlossen war.

Pächterin stammt aus deutsch-italienischer Gastwirtsfamilie

Die neue Wirtin ist mit Leib und Seele Gastronomin, auch weil sie damit groß geworden ist. Sie stammt aus einer deutsch-italienischen Familie, die vier Restaurants im Schwäbischen betreibt. "Ich habe immer mitgeholfen, seit ich neun Jahre alt bin. Und ich wollte nie etwas anderes machen."

Den Außenbereich mit seinen überdachten Sitzplätzen und Pergola hat die neue Gastwirtin aufgehübscht und unter anderem mit dieser neuen Sitzecke auf einem Holzpodest ausgestattet.
Foto: Anand Anders | Den Außenbereich mit seinen überdachten Sitzplätzen und Pergola hat die neue Gastwirtin aufgehübscht und unter anderem mit dieser neuen Sitzecke auf einem Holzpodest ausgestattet.

Im Vorjahr wollte sie ihrem Leben allerdings eine neue Richtung geben, hinaus in die Welt, Neues erleben. Trotz ihrer erst 41 Jahre ist Nadine Lippolis schon zweifache Oma. Sehr jung sei sie Mutter geworden, erzählt sie ganz offen im Gespräch. Nachdem nun alle Kinder aus dem Haus sind, sah sie dafür die Zeit gekommen. Auto und Koffer waren so gut wie gepackt. Dann kam die erwähnte Online-Announce dazwischen.

Fränkisches Gasthaus mit schwäbischem Einschlag

Seit wenigen Tagen führt sie die Lokalität in Stammheim. Zusammen mit einem Koch bietet sie ihren Gästen eine gutbürgerliche Küche. Allen voran mit typisch fränkischen Speisen: Die Palette reicht von herzhaften Brotzeiten wie einer Schmiedeplatte über Suppen, Bratwürsten, Steaks und Schnitzeln bis zu deftigen Gerichten an Wochenenden, zum Beispiel Braten oder Schäufele. Außerdem wird es freitags Fisch geben. Saisonales steht künftig auch immer wieder auf der Speisekarte. 

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Während Lippolis auf Pizza und Pasta gänzlich verzichtet, dafür aber "italienisches Temperament" zu bieten hat, lässt sie ihre schwäbischen Wurzeln nicht außen vor. So dürfen die hausgemachten Spätzle nach dem Originalrezept der Mama im Gasthaus zur Schmiede nicht fehlen.

Direkt am Main-Radweg und Stammheimer Museum gelegen

Aktuell, räumt sie ein, ist die Karte noch bewusst klein gehalten, was sich in nächster Zeit jedoch ändern soll. Dafür ist die Weinkarte umso reichhaltiger, mit einer großen Auswahl an Weinen örtlicher Winzer aus der Stammheimer Lage Eselsberg.

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Die besondere Lage hat das Gasthaus schon in früheren Zeiten zu einem beliebten Treff gemacht. Nadine Lippolis möchte einerseits weiterhin für Radfahrende attraktiv sein, schließlich führt der Main-Radweg direkt am Lokal vorbei.

Deshalb öffnet die Schmiede bereits um elf Uhr (Mittwoch bis Sonntag, Ruhetage Montag und Dienstag) und bietet den Gästen durchgängig eine warme Küche bis in den späten Abend an. Auch Kaffee, Kuchen und Torten hält sie bereit.

Unmittelbar neben dem Gasthaus befindet sich das Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim mit seinen beeindruckenden Ausstellungsobjekten.
Foto: Anand Anders | Unmittelbar neben dem Gasthaus befindet sich das Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim mit seinen beeindruckenden Ausstellungsobjekten.

Andererseits zielt das Restaurant auf Besucherinnen und Besucher des Museums für Militär- und Zeitgeschichte ab, das sich direkt nebenan befindet. Sie ist froh, dass die Zusammenarbeit mit der Einrichtung gut läuft. Man spreche sich im Hinblick auf Veranstaltungen und größere Reisegruppen ab, berichtet die Pächterin. Feste und Familienfeiern sind außerdem in der Schmiede möglich.

Nach Renovierung ist die Hufeisensammlung erhalten geblieben

Bis zur Eröffnung Anfang März hat Nadine Lippolis das Gasthaus auf Vordermann gebracht und viel Energie in die Renovierung gesteckt. Gut drei Monate hat sie alles aufgehübscht und vieles erneuert im Innenbereich, auch wenn manches so geblieben ist wie es war.

Die historische Hufeisensammlung bleibt dem Gasthaus zur Schmiede auch nach dem Pächterwechsel erhalten. Natürlich zeigt die Öffnung nach oben, um das Glück einzufangen.
Foto: Anand Anders | Die historische Hufeisensammlung bleibt dem Gasthaus zur Schmiede auch nach dem Pächterwechsel erhalten. Natürlich zeigt die Öffnung nach oben, um das Glück einzufangen.

Etwa das markante Wagenrad im Gastraum oder die Hufeisensammlung des früheren Gerolzhöfer Schmiedemeisters Erich Ansorge aus dem Jahr 1950. Die findet sich, ebenso wie einige Hufeisen-Funde aus dem Mittelalter aus den Gemarkungen Alitzheim und Oberspiesheim, an der Wand des Stammtisches.

Damit sich auch Familien mit kleinen Kindern wohlfühlen, hat die Gastwirtin einen Wickeltisch und Hochstühle angeschafft. Der Außenbereich mit rund 100 Sitzplätzen und ihrem Lieblingsort, der überdachten Pergola, öffnet, sobald es das Wetter zulässt. Startbereit ist im vorderen Bereich eine urige Sitzgruppe, die sie auf einem Holzpodest errichtet hat.  

Die ersten Tage haben sie nochmals darin bestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. An die Weltreise denkt Nadine Lippolis nicht mehr. In Stammheim hat sie eine neue und feste Heimat gefunden. "Ich bin rundum zufrieden hier. Und der Start war wirklich top."

 
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Kommentare
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  • Wolfgang Sobtzick
    Wenn Frau Lippolis gebürtig aus Hohenlohe ist und sie auch dort aufgewachsen ist (was der Text suggeriert), so hat sie prinzipiell eher fränkische denn schwäbische Wurzeln. Das nach Bayern hineinreichende Hohenlohe zählt mit Tauberfranken zum (ost)fränkischen Teil Baden-Württembergs (https://www.hohenlohe.plus/leben/die-region) und grenzt erst mit dem Fränkisch-Schwäbischen Wald, der seit dem Frühmittelalter bestehenden Sprach- und Stammesgrenze, an Schwaben. Entsprechend war die Region auch Teil des Fränkischen Reichskreises. Die für mainfränkische Ohren bereits etwas schwäbisch anmutende Sprache ist als 'Südostfränkisch' innerhalb des Dialektkontinuums ein Übergangsdialekt zum Schwäbischen, wird jedoch auch in BaWü als 'Ostfränkisch' bezeichnet (Siehe: https://dh-center.uni-tuebingen.de/escience/sprachatlas/#8/49.054/9.465). 'Spätzle' heißen im hohenloher Dialekt übrigens vielerorts "Spätzlich", was einem Franken nördlich von Schweinfurt durchaus vertraut vorkommen dürfte...
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