Der große Kampf für die Einführung der pädagogischen Hilfskräfte in Schweinfurts Grundschulen wurde vor zwei Jahren geführt. Damals überzeugte die SPD die Mehrheit im Stadtrat, diese Unterstützung in den Schweinfurter Grundschulen zuzulassen. Wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den städtischen Haushalt standen die Hilfskräfte nun doch wieder auf der Kippe. Aber: SPD-Stadträtin Julia Stürmer-Hawlitschek und der Integrationsbeirat hatten mit ihren Anträgen, den Einsatz der Hilfskräfte weiter zu ermöglichen, Erfolg.
In der Sache sind sich Schulverwaltung und Stadträte einig, dass es ein Erfolgsmodell geworden ist. Vor allem die Schulleiter gaben positive Rückmeldungen, wie sehr die Hilfskräfte geschätzt werden in ihrer Arbeit mit Kindern, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und per se durch ihre Eltern gefördert werden. Acht Hilfskräfte arbeiten in den Schweinfurter Schulen mit unterschiedlichen Stundenzahlen, jede Schule hat ein auf sie abgestimmtes Konzept erarbeitet.
Es sei "überaus erfreulich", schreibt Stürmer-Hawlitschek in ihrem Antrag, "dass Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien besonders profitieren". Gerade während der Corona-Pandemie müsse man vermehrt für diese Kinder da sein.
Das sieht auch SPD-Fraktonsvorsitzender Ralf Hofmann so: "Ein echtes Erfolgsmodell. Ich habe selten eine Maßnahme erlebt, die solche Reaktionen der Erleichterung im Alltag für die Lehrer hervorgerufen hat." Das Konzept sei wegweisend und helfe der Stadt langfristig.
Unterstützung gab es auch von der CSU-Fraktion. Deren Vorsitzender Stefan Funk sprach sich dafür aus, die nötigen 200 000 Euro wieder in den Haushalt einzustellen, denn es sei eine "Präventionsmaßnahme für die Zukunft der Schüler." Natürlich stehe der Freistaat Bayern in der Verantwortung, "der gesellschaftliche Nutzen für uns steht aber außer Frage." Unterstützung dafür gab es auch von Christiane Michal-Zaiser (proschweinfurt), Ayfer Rethschulte (Grüne) und Frank Firsching (Linke).
Schulreferent Jürgen Montag zweifelt den Nutzen der Hilfskräfte keineswegs an, machte aber noch einmal klar, dass die Stadt hier eine Aufgabe übernimmt, die "ganz klar der Freistaat erledigen müsste." Als freiwillige Leistung der Stadt unter dem Spardiktat der 20-Prozent-Kürzung gehören auch die pädagogischen Hilfskräfte "ganz klar auf den Prüfstand", so Montag. Der Freistaat gehe mit seinen neuen so genannten Teamlehrern in eine ähnliche Richtung. Von 75 für Unterfranken vorgesehenen Teamlehrern kommen aber nur zwei an Schweinfurter Schulen.
Auch Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) erinnerte daran, dass es Aufgabe des Freistaates sei, hier für finanziellen Ausgleich zu sorgen. Er warnte davor, die Finanzierung als Stadt zu übernehmen, denn das führe nur dazu, dass der Freistaat nicht einsteige, weil er ja sähe, dass die Kommunen das übernähmen. AfD-Fraktionsvorsitzender Richard Graupner unterstützte den OB. Wenn man die Sparvorgabe für den Haushalt ernst nähme, müsste man diesen Antrag ablehnen, weil es schlicht Aufgabe des Kultusministeriums sei, dafür aufzukommen.
SPD-Stadtrat Peter Hofmann hielt die Haltung des OB für falsch: "Unsere Bildungspolitik ist prägend für die Sozialstruktur der Stadt in der Zukunft. Sie entscheidet, ob jemand Fachkraft wird oder zum Jobcenter muss." Der Antrag wurde schließlich mit 13:2 Stimmen genehmigt, nur der OB und Richard Graupner stimmten dagegen.