Der Streit um den Skulpturenpark "Deutsche Einheit" am ehemaligen Grenzübergang an der Schanz geht in eine zweite Runde. Der Rhön-Grabfelder Aktionskünstler Jimmy Fell darf laut Anweisung der Thüringer Landrätin Peggy Greiser zwar den Kunstpark derzeit nicht betreten. In E-Mails an die Bundestagskandidaten Dorothee Bär (CSU) auf bayerischer sowie Hans-Georg Maaßen (CDU) und Frank Ullrich (SPD) auf thüringischer Seite lädt er trotz des Betretungsverbotes zu einer Führung auf dem Gelände ein.
Zum 25. Richtfest-Jubiläum des Kunstwerks "Goldene Brücke" will Fell am 3. Oktober ein "DeRichtfest" als "Nichtfeier" organisieren. Außerdem kündigt der Künstler, der in Berlin lebt und aus Niederlauer (Lkr. Rhön-Grabfeld) stammt, für den 9. November die "Ausweihung" der "Goldenen Brücke" an.
Strafrechtliche Überprüfung droht
Jimmy Fell darf den Skulpturenpark Deutsche Einheit nicht mehr betreten, weil er abseits des gepachteten Skulpturenpark-Areals Lehm-Objekte installiert hat. Diese liegen auf Flächen des Grünen Bandes. Im Auftrag der Stiftung Naturschutz Thüringen wurde Fell von der Thüringer Landesgesellschaft aufgefordert, die Lehmskulpturen wieder zu entfernen. Außerdem wurde eine strafrechtliche Prüfung bei Nichterfüllung in Erwägung gezogen.
Weil die zu räumenden Lehm-Objekte Jimmy Fells künstlerische Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der Judenverfolgung bedeuten, bekommt die possenhafte Geschichte um das Areal an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze an dieser Stelle jedoch einen Beigeschmack, der für den einen oder anderen deutlich bitter ist. Fell hat eine Lehmskulptur "Golem" geschaffen, die ein Schwert und den Judenstern trägt. Symbolisch bewacht der Golem "die Opfer von Auschwitz, damit so etwas nie wieder passiert", legt Fell sein Konzept dar. Unweit davon befindet sich eine Stele "Jüdische Madonna". Das Objekt "wurde aufgestellt zum Schutz der Lehmskulpturen Golem-Auschwitz", schreibt Fell weiter.
Kann Kunst "deportiert" werden?
Und nun wird es heikel: Weil eben diese Objekte entfernt werden sollen, damit das Grüne Band seine Naturschutzfunktion erfüllen kann, spricht Fell davon, dass seine Kunst "entfernt/deportiert/vertrieben" werden soll. Der Begriff der Deportation ist nun aber eng verbunden mit den Verbrechen der Nazis, mit der Verschleppung der jüdischen Bevölkerung und von politischen Gegnern in Konzentrationslager.
Auch bei der "Jüdischen Madonna" ist von "deportiert" werden die Rede. Das Objekt stellt eine Verquickung dar von Elementen des Judentums wie des Katholizismus. Mittlerweile fehlt Fells Objekt Golem, das der Witterung ausgesetzt ist, sowie der Judenstern. Außerdem wurde der Lehmkopf halb abgerissen. Für Jimmy Fell liegt hier "antisemitischer Vandalismus" vor.
"Naturschutzbelange" aus dem Hut gezaubert?
Noch einmal stellt sich Fell gegen die Naturschutz-Argumente. Die Küchenschelle werde als Thema "aus dem Hut gezaubert". Er erinnert an Einwände der Grünen bei der Installation des Parks. Damals sei es um den schützenswerten Kalktrockenrasen gegangen. Der Einspruch sei aber seinerzeit abgewiesen worden.
Unterdessen hat sich eine Merkwürdigkeit zu einem möglichen Brandanschlag auf sein Werk "Die Goldene Brücke" geklärt, über den diese Redaktion vor einer Woche berichtet hatte. Damals war ein auffälliger Kettensägen-Einsatz bemerkt worden. Wie sich jetzt herausstellte, wurde der Brand bereits Anfang September von der Feuerwehr im thüringischen Henneberg gelöscht, dabei kam eine Motorsäge zum Einsatz, um den Brandherd freizulegen. Jimmy Fell freut sich im Nachhinein über den Einsatz der Feuerwehr und will sich "erkenntlich zeigen", so der Künstler.
Zwei Führungen bietet Jimmy Fell nun am Sonntag an. Jene um 14 Uhr findet ausgerechnet für Freunde des Bund Naturschutz Bayern, Thüringen und Hessen statt. Im Rahmen einer Kunstaktion will Fell sich auf einer Sänfte über den Ostteil des Skulpturenparks tragen lassen, um das Betretungsverbot im Wortsinne zu übergehen. Interessierte können zum Picknick auf die Schanz bei Eußenhausen kommen. Um elf Uhr will Jimmy Fell dann sein nächstes Projekt "Forest Walk" vorstellen.