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Mellrichstadt
Seit 50 Jahren ist Wolfgang Heuring aus Oberstreu Organist. Die Liebe zur Musik ist nicht sein einziger Antrieb
Wolfgang Heuring ist Organist, leitet Kirchenchöre und ist als Kantor tätig. In einem Gespräch verrät der promovierte Physiker, welche Rolle Musik in seinem Leben spielt.
Organist Wolfgang Heuring an seinem Lieblingsplatz, der Orgel.
Foto: Brigitte Gbureck | Organist Wolfgang Heuring an seinem Lieblingsplatz, der Orgel.
Brigitte Gbureck
 |  aktualisiert: 27.11.2022 02:41 Uhr

Ein seltenes Jubiläum feiert Wolfgang Heuring: Er spielt seit über 50 Jahren Orgel. Darüber hinaus hat er 28 Jahre lang verschiedene Kirchenchöre geleitet, aktuell den Kirchenchor Mellrichstadt. Dafür wird er am Wochenende geehrt.

1967, er war gerade in die zweite Klasse gekommen, fing er an, bei Pfarrer Franz Lang in Oberstreu das Orgelspiel zu erlernen. Bei seinem ersten Einsatz im Gottesdienst reichten seine Beine nicht mal bis hinunter zum Pedal.

In den kommenden Jahren sollte er viel Zeit in der Kirche verbringen: Im Alter von 15 Jahren hat er bis zum 19. Lebensjahr zusätzlich in Mittelstreu jeden Sonntag dreimal bei Frühmesse, Amt und Mittagsandacht gespielt. An den Werktagen war er natürlich weiter in Oberstreu bei Abendmessen, Rosenkranz und Kreuzwegandachten, ewiger Anbetung und anderen Gelegenheiten an der Orgel zu finden.

In einem Gespräch mit dieser Redaktion erzählt er, was ihn motiviert, jeden Sonntag zu den Gottesdiensten aufzustehen: Es mache ihm riesige Freude, die Orgel zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gemeinde zu spielen, beschreibt er seinen Antrieb. Ein gewisses Pflichtbewusstsein sei auch dabei, wenn man eine Verpflichtung angenommen habe.

Neben der Freude am Orgelspielen ist es auch sein Verständnis, dass er das von seinem Schöpfer gegebene Talent auch nutzt. Zwei bis drei Mal in der Woche spielt er beim Gottesdienst. Normalerweise muss er dazu nicht üben, bereitet sich aber trotzdem vor. Bei der Liedauswahl lassen ihm die Pfarrer im Wesentlichen freie Hand. Meist schmückt er die Lieder mit einem Vorspiel oder einer kleinen Improvisation aus.

Das ist sein Lieblingslied

Der Organist erweitert ständig sein Repertoire und spielt am liebsten Orgelwerke von Bach und von französischen Komponisten. Wolfgang Heuring genießt es, beim Üben alleine im Gotteshaus zu sitzen und eins mit der Orgel zu werden. Sein Lieblingslied ist "Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir" von Thomas von Aquin. In diesem Kirchenlied wird das Geheimnis der Eucharistie besungen. Nicht so gerne spielt er dagegen Lieder wie "Bewahre uns Gott, behüte uns Gott". Es sei eine Mischung aus freudiger und ernster Musik und etwas gleichförmig im Spiel. 

Was macht es mit der Orgel, wenn im Winter nicht mehr geheizt wird? Feuchtigkeit und Trockenheit müssen im Rahmen bleiben, weiß der Organist. Im Sommer gebe es mehrere "Heuler", weil die mechanischen Teile in Mitleidenschaft gezogen werden. Zwischenfälle können Wolfgang Heuring aber nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Wie zum Beispiel in der Christmette 2020, als die Orgel nicht mehr aufhören wollte zu pfeifen. Das lag an einem defekten Relais. Die Orgel konnte nur noch ausgeschaltet und abgewartet werden, bis keine Luft mehr im Blasebalg war.

Singen in Zeiten von Corona

Als Dirigent des Kirchenchors freut er sich, dass die Sängerinnen und Sänger mit Begeisterung dabei sind. Leider würde der Nachwuchs fehlen, bedauert er. Im letzten Jahr hätte fast kein Chor zu Weihnachten gesungen, wohl aber der Mellrichstädter Chor. Alle Mitglieder mussten sich am Heiligen Abend auf Corona testen lassen, ebenso vor jeder Probe. Dass alle das über sich ergehen ließen, spricht auch für den Chorleiter und seine Motivationsfähigkeit.

Einige "Lowlights" erwähnte Wolfgang Heuring noch. Neben dem Orgelausfall in der Christmette 2020 blickte er auf die Frühmesse in Mittelstreu zu Neujahr 1977 zurück. In der Nacht hatte er in den Oberstreuer Gaden durchgezecht und schlief auf der Bank neben der Orgel ein. 

Zeit für Hobbys hat Heuring auch

Zeit für Hobbys bleibt aber auch, sei es zum Wandern, zum Langlaufen oder für den Enkel. Aber die Musik ist seine ganz große Liebe. Er ist mit Leidenschaft Organist, das treibt ihn an. Und seine religiöse Ausrichtung. Da ist es keine Frage, früh zum Gottesdienst aufzustehen.

Stationen von Wolfgang Heuring

Während seiner Bundeswehrzeit in Mellrichstadt ab 1978 hat er sonntags in Oberstreu die Orgel gespielt. Auch während seines Studiums von 1980 bis 1990 in Würzburg war er in Oberstreu und in der Sanderau in der St. Andreas-Kirche im Einsatz.
Weitere Stationen waren 1992 die St. Sebald-Kirche in Erlangen, von 2002 bis 2014 am Bodensee, in Rothenbergen bei Gelnhausen und Oberreichenbach bei Erlangen.
Seit 2014 wohnt er wieder in Herschfeld und spielt neben Oberstreu aushilfsweise auch in Hollstadt oder Mellrichstadt. 
1979 begann er als Dirigent des Sängervereins Oberstreu und hat den Kirchenchor bis 1992 geleitet. Für drei Jahre kam der Kirchenchor in Baiersdorf bei Erlangen dazu. Wieder zurück in Bad Neustadt, übernahm er ab 1996 bis 2002 den Kirchenchor in Salz. Ein Glücksfall für den Kirchenchor in Mellrichstadt war dessen Übernahme im Jahr 2017. 
Nicht vergessen werden sollte seine Initiative zur Erneuerung der Orgel in Oberstreu, die nach seiner Aussage nun zu den schönsten und klang-prächtigsten Instrumenten weit und breit gehört. Ergänzt wird dieses klangvolle Werk durch seine liturgische Rolle als Kantor, der die Gottesdienste mit seiner Stimme ausgestaltet. 
Quelle: bgb
 
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  • A. B.
    Meine größte Hochachtung für Leute wie Herrn Heuring! Ob man solche Artikel in 50 Jahren auch noch lesen wird? Wohl kaum.
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