Der Ärger ist groß bei einigen Marktheidenfeldern. Von einer "Tragödie" oder von einer "Sauerei" sprechen manche. "Ich finde es unfair gegenüber den Arbeitskräften", sagt ein 64-Jähriger mit Schirmmütze, der an diesem grauen Vormittag mit seinem Fahrrad am Zelt der IG Metall vorbeikommt. Das Geld sei bei Schneider Eletric schließlich da. Er findet es daher gut, dass die geplante Schließung der Produktion im Gewerbegebiet in Altfeld nicht "sang- und klanglos akzeptiert" wird. Und doch bezweifelt er, ob der Protest dagegen eine Wirkung zeigt. "Die Entscheidung wird nicht in Marktheidenfeld gefällt, sondern in der Zentrale."
Die Stimmung in der Belegschaft ist durchwachsen
Rund 80 Stellen will Schneider Electric von Main-Spessart in den Schwarzwald und nach Frankreich verlagern. Um ein Zeichen gegen den "Personalabbau" zu setzen, haben der Betriebsratsvorsitzende Andreas Kleiner und Gewerkschafter der IG Metall am Freitag an der Schmiedsecke das Gespräch mit Fußgängern gesucht. Auch Unterschriften gegen die Pläne des Konzerns haben sie gesammelt. "Wir wollen dem Unternehmen zeigen, dass sich die Bürger in Marktheidenfeld mit uns solidarisieren", erklärt Kleiner. Das mache wiederum den Beschäftigten in der Produktion neuen Mut, selbst für ihre Stellen zu kämpfen.
Die Stimmung bei der Belegschaft ist laut Kleiner wechselhaft. Nach einer Protestversammlung vor dem Werk in Altfeld hätten die betroffenen Mitarbeiter neue Hoffnung geschöpft. Als sie merkten, dass die Pläne zur Verlagerung der Produktion dennoch zunehmend Gestalt annehmen, sei das aber auch wieder eine Enttäuschung gewesen.
Doch wie realistisch ist es überhaupt, dass man die Stellen in Marktheidenfeld noch retten kann? Es sei noch immer das Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern, betont Kleiner. Er räumt aber auch ein: "Die Verhandlungen sind zäh." Die Geschäftsführung zeige sich nicht zugänglich für die Argumente des Betriebsrats. "Da kann man an soziale Verantwortung appellieren, wie man möchte."
Für Kopfschütteln sorgt bei vielen der Umstand, dass Schneider Electric ausgerechnet in der Corona-Krise viele seiner Mitarbeiter in so eine schwierige Situation bringt. Auf Unverständnis stößt die Entscheidung des Konzerns auch vor dem Hintergrund, dass der Konzern vergangenes Jahr Rekordgewinne erzielte.
Wird die Forschung in Marktheidenfeld dadurch wirklich gestärkt?
Geschäftsführer Thomas Martis begründete die Pläne für die Umstrukturierung damit, dass die Lieferketten des Unternehmens vereinfacht werden sollen. Im September beteuerte Martis gegenüber dieser Redaktion, dass es zahlreiche Alternativen für die Betroffenen gebe. Sie könnten in anderen Bereichen unterkommen oder nach Lahr im Schwarzwald wechseln. Außerdem wolle er den Mitarbeitern die Möglichkeit zur Weiterbildung geben, damit sie bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen.
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Schneider wolle durch die Schließung der Produktion in Marktheidenfeld außerdem die Bereiche Forschung und Entwicklung an diesem Standort stärken, hieß es von Seiten des Konzerns. Es bleiben dort dann noch über 300 Stellen erhalten. Doch Betriebrat Kleiner sieht das nur als Vorwand. "Diese Abteilungen zu stärken, würde bedeuten, viel Personal einzustellen." Tatsächlich würden aber seit einigen Jahren "sehr restriktiv und nur punktuell" neue Mitarbeiter ins Unternehmen geholt.