
Über 20 Straßen in Unterfranken sind nach Mundartdichter Nikolaus Fey benannt. In vielen Kommunen läuft die Diskussion über eine Umbenennung der Straße, vor allem seit eine Würzburger Fachkommission offen gelegt hat, dass Fey sich einer "Vielzahl schwerer Verfehlungen während der NS-Zeit" schuldig gemacht hat. In Karlstadt hat Bürgermeister Michael Hombach die Anwohner der Nikolaus-Fey-Straße in der Neuen Siedlung in einem Brief über die Erkenntnisse der Würzburger Kommission informiert und um eine Stellungnahme zu einer möglichen Umbenennung gebeten.
Für Hauseigentümer und Anwohner Wolfgang Brust ist die Sache klar: "Ich meine, eine Namensänderung ist unumgänglich." Die Problematik sei ihm schon "seit 40 Jahren bekannt". Er wisse allerdings nicht, ob das die Mehrheitsmeinung in der Straße sei. Er zumindest habe die Anfrage der Stadtverwaltung zügig beantwortet.
Ausführliche Infos zu Feys Nazi-Laufbahn
Der vom Bürgermeister unterzeichnete Brief der Stadtverwaltung ging an fünf Hausbesitzer und Grundstückseigentümer und gibt die Ergebnisse der Würzburger Fachkommission in gewisser Ausführlichkeit wieder. Fey (geboren 1881 in Wiesentheid, gestorben 1956 in Gerolzhofen) sei im Nationalsozialismus "engagiert" gewesen, nicht nur Mitläufer, sondern "aktiver Funktionsträger". Weiter heißt es: "Fey trat bereits zum 1. Mai 1933 in die Partei ein und absolvierte danach mehrere Schulungen der NSDAP, um als offizieller Redner der Partei und sogenannter politischer Leiter fungieren zu können und das Amt des unterfränkischen Beauftragten für die Reichsschrifttumskammer zu übernehmen, was einem Zensor gleichkam."

Die Kommission fand auch heraus, dass Fey von 1942 bis 1944 in der Regierung des "Generalgouvernements" in Krakau in der Hauptabteilung Propaganda mitwirkte. Als Generalgouvernement bezeichnete man damals diejenigen Teile Polens, die 1939/41 nicht vom Reich annektiert worden waren und die den Status eines kolonieähnlichen Gebiets erhalten sollten. Auch dies erklärt das Schreiben an die Anwohner.
Schneller Weg zu einem neuen Straßennamen
Die Namensgebung der Straße habe die Verdienste Feys um den Dialekt und die unterfränkische Lebensweise würdigen sollen. Allerdings sei dabei seine dunkle, "braune" Seite vernachlässigt worden. Der Bürgermeister fragt "Kann die Straße weiterhin seinen Namen tragen?" und bittet die angeschriebenen Bürgerinnen und Bürger um eine Antwort bis Mittwoch, 22. Dezember.
Uli Heck, der geschäftsführende Beamte der Stadt, erklärt: "Die Entscheidung, ob es zu einer Namensänderung kommt, obliegt allein dem Stadtrat." Er skizziert einen möglichen Weg zu einem neuen Namen; er ist ähnlich kurz wie die rund 150 Meter lange Straße: Im Februar könnte die Stadt die Bürger um Vorschläge für einen neuen Namen bitten, schon im März könnte der Stadtrat darüber beschließen.
Denn sein etwaiges Fehlverhalten macht ja nicht seine Leistungen zunichte.
Echter errichtete das Juliusspital auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofes. Die Juden, die unter Echter fliehen mussten, protestierten gegen den Affront des Bischofs.