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Würzburg
Technik selbst ausprobieren: Das sind die 5 spannendsten Experimente im Museum für Franken in Würzburg
Wie nimmt unser Auge Farben wahr? Warum hält eine Steinbrücke ganz ohne Mörtel? Wie erkennt der Computer unsere Stimmungen? Im Museum für Franken kann man's erkunden.
Es braucht ein wenig Mut, aber es funktioniert: Die freitragende Brücke hält ganz ohne Mörtel, Kleber oder Schrauben, wie  Museumsleiter Jörg Meißner hier demonstriert. Im Hintergrund die Experimentierstation in der erklärt wird, warum das so ist.
Foto: Benjamin Brückner | Es braucht ein wenig Mut, aber es funktioniert: Die freitragende Brücke hält ganz ohne Mörtel, Kleber oder Schrauben, wie  Museumsleiter Jörg Meißner hier demonstriert.
Mathias Wiedemann
 |  aktualisiert: 23.02.2024 13:51 Uhr

Das ist eher selten in Museen: Anfassen und ausprobieren erwünscht. Das Museum für Franken auf der Würzburger Festung hat soeben das "Technikland" eröffnet: 20 Experimentierstationen, an denen Themen wie Licht und Farbe, Energie, Schwerkraft, Computer oder Chemie behandelt werden. Zielgruppe: Menschen ab 10 Jahren. Der Clou: Die Stationen stehen in direkter Nachbarschaft zu Exponaten, es entsteht eine direkte Verbindung zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Naturwissenschaft. So klärt ein Experiment, warum Fachwerkhäuser so stabil sind. Ein anderes, wie Farben zusammengesetzt sind – auf der Leinwand wie auf dem Computerbildschirm. Hier sind die spannendsten 5 Experimente:

1. Warum sind Fachwerkhäuser so stabil?

Das Dreieck hält, das Viereck verformt sich: Statik ganz einfach demonstriert.
Foto: Benjamin Brückner | Das Dreieck hält, das Viereck verformt sich: Statik ganz einfach demonstriert.

Wenn man es weiß, leuchtet es auf Anhieb ein. Man muss nur draufkommen: Ein Dreieck aus zusammengeschraubten Leisten, oder eben Balken, ist erheblich stabiler als ein Viereck. Deshalb haben die Menschen über die Jahrhunderte die Gerüste ihrer Fachwerkhäuser mit dreieckigen Konstruktionen gebaut. Und wenn sie Vierecke wählten, haben sie zur Stabilisierung noch einen Querbalken eingesetzt. Diese Technik hat sich übrigens so bewährt, dass sie sogar für Brücken eingesetzt wurde, wo noch viel größere Belastungen herrschen.

2. Wie sind Farben zusammengesetzt?

Die 250fache Vergrößerung zeigt: Die Farbe Gelb auf dem Bildschirm ist aus roten und grünen Pixeln zusammengesetzt. 
Foto: Benjamin Brückner | Die 250fache Vergrößerung zeigt: Die Farbe Gelb auf dem Bildschirm ist aus roten und grünen Pixeln zusammengesetzt. 

Dass die meisten Farbtöne eine Mischung aus anderen Farben sind – etwa: Blau und Gelb ergeben Grün –, wissen alle, die schon einmal mit einem Malkasten experimentiert haben. Im Museum zeigen Kreisel ganz praktisch, wie die Mischung funktioniert: Auf einem wechseln sich grüne und rote Felder ab. Setzt man ihn in Gang, entsteht während des Drehens für das Auge die Farbe Gelb.  Interessanterweise ist es am Computer ähnlich. Auf einem Bildschirm kann man sich Farbfelder in verschiedenen Farben in 250facher Vergrößerung anschauen. Es werden die einzelnen Pixel sichtbar. Und siehe da: Hier sind die Farben genauso zusammengesetzt wie im Malkasten. Oder wie auf der Palette der hier ausgestellten Künstler.

3. Warum hält eine Brücke, obwohl deren Steine nur aneinander gelegt sind?

Archäologe Benjamin Spies und Museumsleiter Jörg Meißner setzen die Holzklötze zur Brücke zusammen. Diese hält dann ohne Schrauben oder Kleber.
Foto: Benjamin Brückner | Archäologe Benjamin Spies und Museumsleiter Jörg Meißner setzen die Holzklötze zur Brücke zusammen. Diese hält dann ohne Schrauben oder Kleber.

Ein Haufen mittelgroßer Bauklötze mit jeweils zwei leicht angeschrägten Seiten. Wenn man sie richtig (und das geht nur zu zweit) anordnet, entsteht ein freitragender, langgestreckter Bogen. Die Steine blockieren einander gegenseitig, ihr Gewicht drückt sie zusammen. Wenn man sich genau oben auf den Schlussstein stellt, hält der Bogen. Ganz ohne Mörtel, Schrauben oder Kleber. Schon Griechen und Römer in der Antike kannten das Prinzip, aber diese langgestreckte Form, mit der sich größere Strecken überbrücken lassen, kam in Italien in der Renaissance auf, also im 16. Jahrhundert. Das älteste erhaltene Beispiel in Franken ist die Fleischbrücke von 1598 in Nürnberg.

4. Kann man Wärme sichtbar machen?

Die Folie ist undurchsichtig, aber die Wärmestrahlen des Gesichts von Archäologe Benjamin Spies dringen hindurch, wie die Wärmebildkamera zeigt. 
Foto: Benjamin Brückner | Die Folie ist undurchsichtig, aber die Wärmestrahlen des Gesichts von Archäologe Benjamin Spies dringen hindurch, wie die Wärmebildkamera zeigt. 

Wärme besteht, wie Licht, aus Strahlung. Deshalb ist es möglich, dass uns die Sonne sowohl Wärme als auch Licht sendet. Eine Wärmebildkamera kann auch Wärme sichtbar machen, man nennt das Infrarotstrahlung. Ein Experiment zeigt die Unterschiede zwischen Licht- und Infrarotstrahlen: Hält man eine isolierende Plexiglasscheibe zwischen das Objekt, zum Beispiel ein menschliches Gesicht, und die Kamera, dringen nur die Lichtstrahlen durch, nicht aber die Infrarotstrahlen. Die Kamera zeigt nichts an. Nimmt man aber eine schwarze, undurchsichtige Folie, erkennt die Kamera die Wärme auf der anderen Seite und zeigt sie an. Ein magischer Effekt.

5.Kann der Computer meine Stimmung erkennen?

Selbstversuch von Reporter Mathias Wiedemann: Die Software erkennt die Stimmung als 'Happy', das Alter hat sie nach der ersten Einschätzung von 79 auf 61 korrigiert. Stimmt fast.
Foto: Benjamin Brückner | Selbstversuch von Reporter Mathias Wiedemann: Die Software erkennt die Stimmung als "Happy", das Alter hat sie nach der ersten Einschätzung von 79 auf 61 korrigiert. Stimmt fast.

Im Saal mit den Riemenschneider-Figuren, die berühmt sind für ihre ausdrucksvollen Gesichter ist die Station mit der digitalen Gesichtserkennung aufgebaut. Über die Bildschirmkamera macht sich die Software ihr Bild von den Gesichtern der Experimentierenden. Selbstversuch des Reporters, 58 Jahre alt: Die Software erkennt ihn richtig als Mann, auch einige Testgrimassen ordnet sie recht ordentlich in die Kategorien "Freude" oder "Ärger". Aber mit dem Alter vertut sie sich, lässt sich von Glatze und grauem Bart täuschen: "79" lautet das Urteil. Nicht sehr schmeichelhaft, aber irgendwie auch erleichternd: "Da sieht man, dass der Computer doch noch nicht alles über uns weiß", tröstet Veronika Genslein vom Museumsteam.

Museum für Franken: "Xperiment - Technikland", Ausstellung zum Ausprobieren. In Kooperation mit dem Förderkreis Ingenieurstudium der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, kuratiert von Veronika Genslein und Benjamin Spies. Bis 30. April 2023. Öffnungszeiten: täglich außer Montag, bis 31. Oktober 10 bis 17 Uhr, von 1. November bis 31. März 10 bis 16 Uhr.
Geocache: Im Rahmen der Ausstellung wird ein Geocache im Museum angeboten – einerseits, wie üblich, über GPS und App, andererseits auch ganz analog mit Geschicklichkeits- und Rätselspielen.

 
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