Wer den Größen der Klassik ebenso lauschen möchte wie gefragten "Geheimtipps", kann auf das Händchen der Musikalischen Akademie Würzburg zählen. Der Verein, der den Erlös aus seinen Konzerten unmittelbar Studierenden der Musikhochschule zukommen lässt, blickt auf 50 Jahre Erfahrung zurück und hütet einen Schatz: ein exzellentes Netzwerk in die Klassikszene. Bevor die Hanke Brothers aus Stuttgart zum Herbst einen Generationswechsel im Management einläuten, kommen am 23. März vier junge, internationale Virtuosen auf die Bühne des großen Saals der Musikhochschule. Lorenzo de Cunzo (lyrischer Bariton), Tarek El Barbari (Klavier), Bryan Benner (Stimme, Gitarre) und Václav Fuksa (Gitarre) nehmen das Publikum mit auf eine musikalische Reise ins Neapel des 19. Jahrhunderts. Bryan Benner erklärt, wie das funktioniert.
Bryan Benner: Als ich 2010 als Straßenkünstler in Bologna gearbeitet habe, habe ich verschiedenes Repertoire gespielt, kannte die neapolitanischen Lieder aber noch nicht und habe von einem Freund den Vorschlag bekommen, ich sollte doch mal ein paar neapolitanische Lieder einstudieren. Das würde richtig abgehen und damit hatte er total recht. Das war der Anfang.
Benner: Das Gute ist, neapolitanische Lieder sind selbst crossover. In unserem Programm werden mehrere Lieder aus Opern aus dem 18. und 19. Jahrhundert von Bellini und Donizetti gespielt, die über die Jahre in die Volksmusiktradition aufgenommen wurden. Sie klingen also nicht wie Opernarien, sondern eher wie Chansons. Was mich in den neapolitanischen Liedern am meisten begeistert hat, war also das Repertoire an sich.
Benner: Seit ich 15 Jahre alt bin, bin ich Liedermacher. Und die natürlichste Art, Komponisten wie Franz Schubert zu begegnen, war, ihn als großen Songwriter zu verstehen, der aus einem anderen historischen Kontext kommt als ich. Was mich immer angesprochen hat, war die Frage, wie ich mit Schubert als Mitarbeiter, statt als dessen Diener umgehen kann. Denn in der Klassik ist es häufig so, dass man dem Komponisten und dessen Werk dient, aber ich wollte Schubert als Songwriter-Kollegen sehen.
Benner: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Mein Hauptziel war, in der Musikwelt erfolgreich zu existieren und zwar mit etwas, das ich wirklich machen will. Wir sind auf diese Idee gekommen und haben gemerkt, dass sie einen Platz finden kann. Wenn wir keine kommerzielle Zukunft gesehen hätten, hätten wir sicher damit aufgehört. Solche Projekte fließen, bis ihnen Widerstand begegnet. Der Ursprung ist also ein künstlerischer Wunsch und sicher sind wir auch Widerständen begegnet, aber keinen, die uns abgehalten hätten.
Benner: Wir hatten das Glück, eine Idee zu haben in einer Zeit, in der die Kunstliedwelt Panik hatte, ihre Hörerschaft zu verlieren. Ich glaube nicht, dass das passieren wird. Aber eine respektvolle Auffrischung wird meistens als etwas Positives gesehen. Vor 40 Jahren hätten wir wahrscheinlich keine Chance mit unserer Idee gehabt.
Benner: Wir kreieren die Bilder, die Musik, und damit meine ich den Klang und die Geräusche der Straße, musikalisch. Damit und durch unsere Spielfreude fühlt man sich einfach nach Süditalien und Neapel, übrigens auch mein persönlicher Sehnsuchtsort, mitgenommen.
"Neapolitanischer Liederabend": Meisterkonzert der Musikalischen Akademie, 23. März, 19.30 Uhr, Großer Saal der Hochschule für Musik Würzburg, Hofstallstraße. Karten: www.hfm-wuerzburg.de