Wenn ein Gästetrainer sagt, dass "das heute eine große Lehrstunde für mich und meine Mannschaft war", dann hat der Gastgeber offenbar sehr viel richtig gemacht. Wie der FC 05 Schweinfurt beim 5:1-Derbysieg über den TSV Aubstadt, nach dem Viktor Kleinhenz wenig anderes übrig blieb als die verbale Verbeugung. Die Nullfünfer haben sich warm geschossen für den SV Wacker Burghausen, der zuletzt 8:0 gegen Rosenheim und 3:2 bei Mitfavorit Bayreuth gewonnen hatte - dort geht die Reise am Dienstag hin, zum ersten Spitzenspiel dieser Saison für die Mannschaft von Tobias Strobl.
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Dann stehen die Titelansprüche erstmals auf dem Prüfstand. Dass es für das Gros der Liga reicht, nicht nur für den FC 05, sondern für alle Spitzenteams, das haben die vielen klaren Resultate im Kräftemessen zwischen Profis und Amateuren gezeigt. Die Liga entwickelt sich zur Zweiklassen-Gesellschaft - weil Schweinfurt, München, Bayreuth und offenbar auch Burghausen "brutal viel Qualität auf dem Platz stehen haben", so 05-Mittelfeld-Quirl Amar Cekic. Umso wichtiger sei es für seine Spieler, so Strobl, dass keiner abhebe: "Mit gefällt die Selbstverständlichkeit, die die Mannschaft in den Spielen und im Training an den Tag legt."
Meris Skenderovic und Adam Jabiri als Traumpaar
Eine Qualität, die bisher auch Meris Skenderovic auszeichnet, den Neuzugang aus Hoffenheim, den Stürmer, den Vierfach-Vorlagengeber gegen Rain und Dreifach-Torschützen gegen Aubstadt. Das 2:0 (12.), 3:0 (37.) und 5:1 (55.) erzielte der 23-Jährige, den eine, ob der kurzen Zeit in Schweinfurt erstaunliche Kongenialität mit Adam Jabiri auszeichnet. Nicht nur bei der Traum-Kombi, als der Oldie gefühlvoll chippte, der Youngster volley am trotz der fünf Gegentreffer stark haltenden Julian Schneider scheiterte. "Er passt perfekt in unser Spiel", sagte Strobl. "Mit seinen Rochaden über Außen schwimmt er immer weg und kommt dann überraschend von hinten zurück." Und malte mit seinem überschwänglichen Lob auch gleich den Teufel an die Wand: "Wenn er normal bleibt, wird er nicht lange bei uns bleiben." Scouts aus dem Profibereich werden womöglich nicht mehr lange warten, den bulligen Angreifer zu beobachten.
In den Fokus hat sich auch ein anderer Offensivspieler bei den Schweinfurtern spielen können seit Saisonbeginn: Cekic, vergangene Runde eher Wechselspieler, stand zuletzt viermal in Folge in der Startelf - "und hat sich über Spielminuten Selbstvertrauen geholt", so Strobl. Cekic, der im Mittelfeld unermüdlich schuftet und sich selbstlos in den Dienst des Kollektivs stellt, selbst sagt zwar, dass "ich das Vertrauen des Trainers mit guten Leistungen zurückgezahlt habe", aber auch: "Eine Stammelf haben wir gar nicht. Wir haben eine so hohe Qualität im Kader, die brauchen wir über 38 Spiele auch." Nur eines fuchste ihn, scherzhaft, ein bisschen: "Meris hätte zweimal zu mir quer legen können" - ein Tor blieb ihm nämlich, obwohl in gefühlt jeden zweiten Angriff involviert, auch gegen Aubstadt verwehrt.
Böhnleins Blitz-Treffer als Türöffner für den FC 05
Dafür durfte einer jubeln, der das in den letzten Spielen oft versucht hatte, aber an seiner zu hohen Streuung gescheitert war: Kristian Böhnlein. Bereits nach einer knappen Minute eröffnete der Defensiv-Stratege den Torreigen - nach einer Adlung Ecke. Von da an waren die Schweinfurter rast-, die Aubstadter ratlos. Kleinhenz, beeindruckt von den Diagonalbällen, Positionsrochaden und der Wucht des FC 05, verneigte sich nochmals: "Es gab wenige Momente, in denen wir auf Augenhöhe waren." Gut, vielleicht in der 44. Minute. Da erzielte Michael Dellinger nach Langhans-Pass das 4:1, Sekunden später hätte eine Beinahe-Kopie der Szene ums Haar zum 4:2 geführt - was des Guten zu viel gewesen wäre. Denn vorher war gegen die mit ihrer Entscheidung, es mit Dreierkette und spielerischen Lösungen zu versuchen, nicht glücklichen Grabfelder mehr drin als Adam Jabiris 3:0 nach überragendem Steilpass von Lamar Yarbrough.
Dass Yarbrough und Kevin Fery recht kurz nach der Pause verletzt raus mussten, scheint folgenlos zu bleiben für die zweite englische Woche hintereinander - für die auch der Ex-Aubstadter Martin Thomann nochmals geschont werden konnte angesichts der klaren Angelegenheit. Und selbst Torwart Luis Zwick könnte schon in Burghausen wieder dabei sein. Er war aus Sicherheitsgründen tags zuvor aus dem Kader gestrichen worden wegen einer Schulterblessur. Ersatzmann Bennet Schmidt hinterließ auf Anhieb jedoch einen starken Eindruck: "Wir haben ihn schließlich nicht als Notnagel geholt", kommentierte Strobl das Pflichtspieldebüt Schmidts nicht nur ob der Glanztat gegen Philipp Harlaß (24.) positiv.
1500 Fans begeistert von schnellen und vielseitigen Schweinfurtern
Begeistert war auch das Gros der 1500 Zuschauer von dem auch nach dem Torefestival der ersten Stunde noch vielseitigen, zielstrebigen und schnellen Spiel des FC 05. "Es läuft wie geschmiert für uns", beschrieb Cekic die letzten drei Partien mit 14 erzielten Treffern - zuletzt fast durchgehend von Stürmern. Dienstags-Gastgeber Burghausen kommt auf eine vergleichbare Ausbeute: 13 Tore aus den letzten drei Auftritten.
"Für mich nicht überraschend, die waren bei ihrem Pokalsieg gegen uns schon sehr stark", erinnerte sich Cekic. "Das wird nicht einfach. Aber wenn wir genau da weitermachen, wo wir heute aufgehört haben, glaube ich, dass wir auch dieses Spiel gewinnen werden." Das hört sich im Hochsommer 2021 beim FC 05 nicht nach Zweckoptimismus an, es spricht Überzeugung aus diesen Worten. Das ist die "Selbstverständlichkeit", die Strobl meint.