Die Sommerferien stehen vor der Tür - für viele ein Grund zur Freude. Doch wohl noch nie standen Kinder und Eltern so ratlos vor diesen sechs Wochen wie im Sommer der Corona-Pandemie. Der Urlaubsanspruch der Eltern ist in vielen Fällen durch den Ausnahmezustand schon aufgebraucht, und Ferien zuhause mit der Familie klingen nach wochenlangem Aufeinanderhocken nicht wirklich reizvoll. Jetzt werden auch noch reihenweise Ferienprogramme abgesagt oder verkleinert.
Ferienbetreuung bricht weg
Für Familien in Unterfranken, in denen beide Elternteile arbeiten, bricht damit auch eine verlässliche Ferienbetreuung weg. So etwa in Haßfurt, wo die Lage nach Worten von Rathaus-Mitarbeiter Stefan Göb "wegen Corona gar nicht gut" sei. Die Ferienfreizeit samt knapp 50 Veranstaltungen in der Stadt musste abgesagt werden. Gestemmt wird das umfangreiche Programm wie in vielen anderen Kommunen in Unterfranken von Vereinen und Verbänden.
Genau hier sieht Stefan Göb angesichts der Corona-Pandemie und den hohen Hygieneauflagen eine hohe Verantwortung, die die Stadt den zumeist ehrenamtlich engagierten Betreuern nicht aufbürden will. Die Enttäuschung bei Familien und auch Vereinen sei riesig, "in der Mehrheit stoßen wir aber auf großes Verständnis für diese Entscheidung." Die Sicherheit gehe vor, so Göb, und zwar für alle, Kinder wie auch Betreuer. Dass viele Elten vorab verunsichert gewesen seien, habe man bei den Buchungen gemerkt, die teils deutlich geringer ausfielen als sonst. "Sie wollten lieber nichts riskieren", zitiert Göb Eltern von Ferienkindern.
Spielmobil kommt mit Bastelpaketen
Ferienprogramm, ja oder nein? Vor dieser Entscheidung stehen in diesen Tagen nicht nur Kommunen, sondern auch Verantwortliche in der Jugendarbeit. Im Landkreis Main-Spessart wird das Landkreis-Spielmobil zwar die Orte ansteuern, doch wird sich das Programm heuer auf das Verteilen von Bastelpaketen mit Anleitungen beschränken. "Wir stellen das Material zur Verfügung, um die Familien zu unterstützen", sagt Bernhard Metz vom Amt für Jugend und Familie in Karlstadt.
Besonders enttäuscht seien Kinder und Jugendliche in Main-Spessart über die abgesagten, mehrtägigen Freizeitfahrten und Zeltlager. "Da sieht es düster aus. Mehrtägige Camps in der Natur sind noch mal was anderes aus hygienischer Sicht als ein Gruppentreffen. Wir können die Auflagen in einem Zeltlager nicht erfüllen. Weder, was Abstand, noch was Hygiene betrifft", sagt Bernhard Metz. Solche Camps lebten zudem ja von Nähe und gemeinsamen Unternehmungen und Spielen, die könne man nicht mit Abstand durchführen. Zudem kommen Teilnehmer aus verschiedenen Regionen zusammen. Abstand und Hygiene müssten ständig von den Betreuern kontrolliert werden, das sei unmöglich und auch nicht Sinn der Sache. "Wir wollen ja eben nicht ständig alles kontrollieren."
Tanzen auf YouTube
Auch das Dance-Camp, das sich mit 350 Teilnehmern seit 18 Jahren größter Beliebtheit erfreue, müsse ausfallen. "Doch wir werden alternativ einen Wettbewerb daraus machen und die eingeschickten Videos über YouTube ins Netz stellen." Geplant sei dann ein Präsentationstag im Herbst.
- Überblick: Was Familien zu Corona wissen müssen
Als Veranstalter vieler Freizeitprogramme für Kinder- und Jugendliche ist auch die AWO in Unterfranken derzeit am Abwägen. Welche Programme können in verkleinerter Form stattfinden, welche müssen komplett gestrichen werden? Detailliert könne man zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen, heißt es auf Anfrage. Auch bei der Stadt Würzburg stehen noch Entscheidungen bezüglich der Ferienprogramme an. Das Thema, so Pressesprecher Christian Weiß, werde aber in dieser Woche im Stadtrat beraten.
Stadt Schweinfurt erarbeitet Hygiene-Pläne
In Schweinfurt wird das Ferienprogramm der Kommunalen Jugendarbeit stattfinden. "Natürlich werden wir in dem ein oder anderen Bereich Anpassungen nach der dann aktuellen Lage vornehmen müssen", erklärt Rathaus-Pressesprecherin Kristina Dietz. "Insbesondere dürften Teilnehmendenzahlen korrigiert oder Räumlichkeiten getauscht werden müssen. In Ausnahmefällen werden sicherlich auch Veranstaltungen ausfallen, wenn sie nicht mit dem Infektionsschutz in Einklang zu bringen sind." Für alle etwa 140 Angebote würden Infektionsschutzpläne erarbeitet, um die Teilnahme so sicher wie möglich zu gestalten. Die Anmeldung startet am 25. Juni.
Uni Würzburg: Betreuung ja, nur anders
Auch in der Universität Würzburg wird es laut Familienservice der Uni eine Sommerferienbetreuung geben, soweit es keine erneuten Einschränkungen seitens der Regierung gebe. Die Betreuung werde aber anders als in den Jahren zuvor ablaufen müssen, da bei der Gruppengröße eine gewisse Kinderanzahl nicht überschritten werden dürfe. Dennoch soll möglichst allen angemeldeten Familien eine Betreuung angeboten werden. "Aktuell erarbeitet das Team ein für die Situation passendes Konzept, das sicher sehr viele Outdoor-Aktivitäten enthalten wird", so Sprecher Robert Emmerich.