Zum Artikel "500 Jahre Bauernkrieg" vom 24. März erreichte die Redaktion folgende Zuschrift.
Als Akteur im Rahmen des "Bauernkrieg Jubiläums" hatte ich die Ehre, zum Eröffnungsfestakt eingeladen zu sein. Was ich im Vorfeld nicht wußte, war, daß es sich dabei offensichtlich um eine Kabarettveranstaltung handelte.
Man stelle sich die Szene einmal vor: In der prächtigen Neubaukirche ( zur Erinnerung : Die Bauern und Bürger kämpften seinerzeit gegen die allmächtige Kirche, insbesondere gegen ihren damaligen Repräsentanten den Würzburger Fürstbischof ) versammelt sich ein illustrer Kreis von sogenannten "Würdenträgern" aus Politik, Kirche und Universität, um über den Aufstand des "gemeinen Mannes" zu philosphieren. Nur, wo ist der "gemeine Mann"? Vertreter von sozial schwachen Menschen, Arbeitslosen, Obdachlosen, Flüchtlingen, eben den Armen unserer Gesellschaft? Fehlanzeige. Was wir an diesem Abend erleben, ist eine Selbstbeweihräucherung unserer Würzburger "Stadtelite", die sich in ihrem "sozialen Verständnis" sonnt und sich insgeheim auf die Schultern klopft und denkt "zum Glück ist es nicht so schlimm gekommen, wie es die Bauern gewollt haben". Frei nach dem Motto : " Wir reden gerne über die Armen und Ausgebeuteten, aber die sollen bitte zuhause bleiben."
Wenn das der Auftakt zum Gedenken an die erste deutsche Sozialrevolution, die Keimzelle von Demokratie und Menschenrechten in Deutschland, eben den Bauernkrieg, gewesen sein soll, bleibt nur zu hoffen, dass die Akteure der vielen geplanten Veranstaltungen einen ehrlicheren Blick auf die Ereignisse von vor 500 Jahren und ihren Bezug zu unserer Gegenwart finden.
Michael Schurr,
97082 Würzburg