Acht Meter ragen die Wände der Schleusenkammern in die Höhe. Die Schlucht, die sie bilden, wirkt fast ein wenig bedrohlich. Algen und kleine Muscheln haben sich dort unten angesetzt. Jetzt stehen nur noch Wasser und Schlamm knöcheltief auf dem Betonboden, auf den ein riesiger Autokran soeben den ersten Flügel des tonnenschweren Schleusentors abgelegt hat. Die Schleuse Randersacker sitzt auf dem Trockenen.
34 Schleusenanlagen am Main
Jedes Jahr im Frühjahr wird die Schifffahrt auf dem Main eingestellt. Meistens für zwei Wochen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt (WSA) nutzt die Sperrzeit für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Schleusenanlagen.
Im Durchschnitt alle sechs Jahre wird jede der insgesamt 34 Mainschleusen zwischen Viereth-Trunstadt und Kostheim trockengelegt und einer Bauwerksprüfung unterzogen, sagt Martina Michel, Leiterin der WSA-Außenstelle Marktbreit. In diesem Jahr ist auch Randersacker an der Reihe.
Seit 1950 in Betrieb
Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts war damit begonnen worden, den Main durch Stauanlagen zu regulieren und so für größere Frachtschiffe nutzbar zu machen. Der Zweite Weltkrieg brachte den Ausbau zum Erliegen.
Als erste nach dem Krieg ging die Randersackerer Schleuse 1950 in Betrieb. So lange tut das Mitteltor, das die beiden Kammern voneinander trennt, schon seinen Dienst – immer wieder repariert und überholt, aber nie erneuert.
30 Millionen Liter Wasser
300 Meter Länge und zwölf Meter Breite hat die Schleusenkammer. Auf einer Länge von 165 Meter wird sie durch das Mitteltor geteilt. Um Zeit zu sparen, weil dann nicht die ganze Kammer geflutet werden muss, wenn nur ein einzelnes Schiff passieren will. Insgesamt fasst die Schleusenkammer knapp 30 Millionen Liter Wasser.
3,30 Meter beträgt der Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser, den die Schleuse in Randersacker überwindet. Über zehn Millionen Liter fließen durch seitliche Kanäle in die Kammer, um den Wasserspiegel entsprechend anzuheben.
In vier Jahren soll nun auch das Mitteltor erneuert werden. Das ist der Grund, warum die Wartungsarbeiten diesmal etwas umfangreicher ausfallen. Das mittlere und das untere Tor müssen ausgebaut und exakt vermessen werden. Die beiden Tore sollten sich genau gleichen, für den Fall, dass ein Schiff gegen das Untertor fährt. Das könnte dann in wenigen Tagen durch das Mitteltor ersetzt werden. Die Schifffahrt wäre nur für kurze Zeit behindert.
Bis Anfang kommender Woche haben die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Zeit. Dann werden die Tore wieder eingebaut. Am 26. April um 12 Uhr endet die Schifffahrtssperre im mittleren Main, so Martina Michel. Weil die Schleusen in Aschaffenburg und auf dem Main-Donau-Kanal bei Nürnberg noch bis zum 30.April gesperrt sind, wird es einige Tage dauern, bis sich der gewohnte Schiffsverkehr wieder eingestellt hat.
Frachtaufkommen rückläufig
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist das Frachtaufkommen in der Binnenschifffahrt rückläufig. Während Anfang der 1990er-Jahre durchschnittlich rund 70 Millionen Tonnen auf deutschen Binnengewässern befördert wurden, sank die Menge 2017 auf 55 Millionen Tonnen. Zum Vergleich dazu wurden 1979 in der alten Bundesrepublik noch rund 250 Millionen Tonnen in der Binnenschifffahrt transportiert.
Wie das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt mitteilt, sind auf dem Main oberhalb von Würzburg pro Jahr rund 5000 Frachtschiffe unterwegs, beladen mit rund fünf Millionen Tonnen Gütern. Steigende Bedeutung gewinnt die Personenschifffahrt. So hatten im vergangenen Jahr etwa 1000 Fahrgastkabinenschiffe in Würzburg festgemacht.
Sportbootfahrer nicht betroffen
Abgeschlossen sind die Arbeiten an der Staustufe in Randersacker noch nicht. Ab Mitte Mai wird der Antrieb einer der großen Wehrtrommeln erneuert. Die Schifffahrt bleibt davon unberührt. Und auch Sportbootfahrer müssen auf ihren nächsten Ausflug nicht verzichten. Die Bootsschleusen an den Staustufen sind auch während der Schifffahrtssperre in Betrieb.