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Würzburg
Briefe an die Redaktion: Als die Bauern sich zu wehren begannen
Bearbeitet von Franziska Schmitt
 |  aktualisiert: 03.04.2025 10:10 Uhr

Zum Artikel "500 Jahre Bauernkrieg" vom 24. März erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Es war eine wahre Sturmflut, eine "Blutrinne" wie im thüringischen Frankenhausen, die sich nach vorangegangenen Sturmwolken über große Teile des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ergoss. 1476 war in Würzburg der Prediger und Begründer einer Marienwallfahrt, Hans Böhm, "Pfeiferhänslein von Niklashausen" auf dem Schottenanger auf dem Scheiterhaufen hingerichtet worden. Er hatte als Erster die Gier und Eitelkeit der Fürsten und hohen Geistlichkeit  lauthals angeprangert.

Zum offiziellen Ausgangspunkt des großen Bauernaufstands 1525 wurden dann jene spektakulären Zwölf Artikel der Freien Reichsstadt Memmingen. Verfasst von einem frühesten deutschen Volksparlaments. Willkür und Unterdrückung der Feudalherren aus Adel und häufig korrupter Geistlichkeit gegen große Teile der entrechteten Landbevölkerung waren an der Tagesordnung. Zentrale Forderungen appellierten an Freiheit, Gleichheit und Menschenrechte. Zentraler Inhalt waren die Abschaffung der Leibeigenschaft der Landbevölkerung, eine Verringerung der brutal hohen Lasten und Abgaben, wie die Reform diverser Steuerarten.  

Tatsächlich durfte der "gemeine Mann" kein Holz im Wald sammeln, noch auf die Jagd gehen, während die Herrschaften bei solchen Verrichtungen ohne weiteres die bestellten Felder und Weinberge der Untertanen zertrampelten, sich Gemeineigentum – "Allmende" – in Gemeinden und Städten aneigneten. Der Ruf nach "Freyheyth" und brüderlicher Gleichheit verbreitete sich binnen weniger Wochen mit zündender Wirkung. Bauern rotteten sich zu geschlossenen Verbänden zusammen. Es wurde gebrandschatzt, geplündert, requiriert und gemordet. Die Revolution lief bald aus dem Ruder. Martin Luthers anfängliche Sympathie war bald dahin. Nach großen Anfangserfolgen mangelte es bald an Koordination und Führung.

Die dramatischen Ereignisse einschließlich des nachfolgend harten Strafgerichts unter Fürstbischof Konrad von Thüngen sind recht gut dokumentiert. Die größten Heerlager der aufrührerischen Bauern hatten sich in Heidingsfeld und Höchberg ausgebreitet. Dreschflegel und Messer unterlagen letztlich den Schwertern und Reitern der kampferprobt herrschaftlichen Ritterschaft des Schwäbischen Bundes.

Geschätzt bis zu 100.000 Menschenleben forderte der Bauernkrieg dieses Frühlingserwachens vor 500 Jahren. Es sollten danach noch fast 400 Jahre vergehen bis zur Abschaffung monarchisch-feudaler Herrschaft.

Jochen Freihold
14052 Berlin-Charlottenburg

 
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